https://www.faz.net/-gyl-9npku

IG Metall warnt : Vielen Betrieben fehlt Strategie für Wandel

  • Aktualisiert am

Gerade in der Autobranche wird sich viel verändern: Hier wird der Unterbau eines Volkswagen von Schweißrobotern bearbeitet Bild: dpa

Unternehmen fahren oft auf Sicht, anstatt notwendige Veränderungen anzugehen, beklagt IG Metall-Chef Hofmann. Mancherorts drohe gar eine „Industriewüste“ wenn nicht gegengesteuert werde.

          Viele betroffene Unternehmen haben nach einer Untersuchung der IG Metall noch keinen Plan zu ihrer Zukunftssicherung angesichts des Umbruchs durch die Digitalisierung oder Energie- und Verkehrswende. „Knapp die Hälfte der Betriebe hat keine oder keine ausreichende Strategie zur Bewältigung der Transformation“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Mittwoch in Frankfurt. Der Umschwung zu Elektromobilität und Ökoenergie sei ein Beschäftigungsrisiko vor allem bei Autozulieferern, aber auch in anderen Industrien wie Maschinenbau und Energieversorgung.

          Für ihren sogenannten „Transformationsatlas“ befragte die IG Metall Betriebsräte aus 1964 Unternehmen, in denen insgesamt mehr als 1.700.000 Menschen beschäftigt sind. Grundlage war ein Katalog mit 93 Fragen zum Stand der Digitalisierung in den jeweiligen Betrieben, die Einbeziehung der Beschäftigten sowie Unternehmens- und Personalentwicklung. Demnach gehen 77 Prozent der befragten Betriebsräte davon aus, dass mit der Digitalisierung neue Arbeitsbelastungen entstehen. 95 Prozent sehen zudem einen signifikant höheren Qualifizierungsbedarf.

          Zu wenige Informationen

          In jedem zweiten Unternehmen gebe es allerdings keine ausreichende Personalplanung, um die Mitarbeiter für neue Aufgaben zu qualifizieren, so Hofmann. Drei von vier Arbeitnehmern sähen sich nicht ausreichend informiert über die notwendigen Veränderungen. Das löse Angst um den Arbeitsplatz unter den Arbeitnehmern aus.

          Was die Nutzung technischer Neuerungen angeht, haben Betriebe offenbar ebenfalls noch Luft nach oben. Nur in 12 Prozent der Betriebe wird laut der Untersuchung künstliche Intelligenz schon angewendet, insbesondere im Bereich Fernwartung und Diagnose von Problemen bei Maschinen – bei der Automatisierung von Tätigkeiten spielt sie meist noch eine untergeordnete Rolle. Auch Datenbrillen werden in einigen Teilbereichen schon genutzt.

          Großdemonstration geplant

          „Viele Betriebsräte, aber auch Unternehmen fahren auf Sicht im Nebel auf die Veränderung zu“, mahnte Hofmann. So lange die Auftragsbücher voll seien, machten sich die Arbeitgeber zu wenig Gedanken. Ein Ergebnis der Untersuchung war auch, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen in der Autoindustrie einen Beschäftigungsrückgang erwartet. Manchen Regionen droht nach Worten von Hofmann wegen ihrer hohen Abhängigkeit von Verbrennungsmotoren gar eine Industriewüste, wenn nicht gegengesteuert wird: So etwa im thüringischen Eisenach, im Saarland und in Mittelhessen.

          Die IG Metall, größte deutsche Einzelgewerkschaft, will in den Unternehmen über Betriebsräte und Betriebsversammlungen das Umsteuern anstoßen. Von der Bundesregierung fordert sie, ein neues Kurzarbeitergeld speziell für Beschäftigte in betroffenen Betrieben einzuführen. Mit solchen Lösungen habe die Metallindustrie während der Finanz- und Wirtschaftskrise gute Erfahrungen gemacht, warb Hofmann für das „Transformationskurzarbeitergeld“. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, plant die IG Metall außerdem für 29. Juni eine Großdemonstration in Berlin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rechtsextreme Netzwerke : Wie stoppt man den Hass?

          Rechtsextreme Netzwerke stiften im Internet immer wieder zu blutigen Taten an. In einer neuen Studie untersuchen Physiker die Dynamiken des Hasses – und entwickeln vier Strategien dagegen.
          Justin Trudeau im September in Truro

          Wahlkampf in Kanada : Der Politik-Star stellt sich den Wählern

          Ende Oktober wird in Kanada gewählt. Premierminister Justin Trudeau, der seiner liberalen Partei vor vier Jahren einen Rekordsieg einbrachte, führt einen Wahlkampf mit Startschwierigkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.