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Hoher Arbeitsdruck : Wer in der Pflege arbeitet ist selbst oft krank

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Pflegeberufe gelten als unattraktiv. Jetzt zeigt sich: Pfleger sind außerdem deutlich häufiger krank als der Durchschnitt der Beschäftigten. Bild: obs

Alten- und Krankenpfleger sind deutlich öfter krank als der Durchschnitt der Beschäftigten. Das geht aus einer Studie der Betriebskrankenkassen hervor.

          Pfleger in der Alten- und Krankenpflege sind öfter krank als andere Beschäftigte und leiden unter Arbeitsdruck. Mehr als jeder Fünfte in der Altenpflege sieht sich sowohl physisch als auch psychisch durch die eigene Arbeit gefährdet. Das sind im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt von 4,4 Prozent beinahe fünfmal so viele Arbeitnehmer, wie aus einer neuen Studie der Betriebskrankenkassen, dem BKK Gesundheitsreport hervorgeht.

          Zudem fehlen Altenpfleger mit im Schnitt 24 Tagen beinahe eine Woche mehr als der Durchschnitt der Beschäftigten mit 16 Fehltagen. Auch bei Beschäftigten in der Gesundheits- und Krankenpflege sind die Fehltage mit 19,3 überdurchschnittlich hoch. Zumeist sind es dabei Rückenschmerzen, die Beschäftigte in Pflege- oder Altenheimen und in der sozialen Betreuung vom Arbeitsplatz fernhalten. Aber auch psychische Störungen sind bei Altenpflegern besonders oft im Vergleich zum Durchschnitt ein Krankheitsgrund.

          Insgesamt erhalten Beschäftigte in medizinischen Gesundheitsberufen, vor allem Pfleger, weniger Arzneimittelverordnungen als der Bundesdurchschnitt. Allerdings werden bei den Beschäftigten in der Kranken- und Altenpflege überdurchschnittlich viele Arzneimittel mit Wirkung auf das Nervensystem verordnet - am meisten bei Altenpflegerinnen ab 50 Jahren.

          Vor dem Hintergrund der großen Bedeutung des Gesundheitswesens und insbesondere der Pflegeberufe - zusammen rund 1,5 Millionen Beschäftigte - wird aus Sicht der BKK hier dringender Handlungsbedarf sichtbar. Es brauche mehr Anerkennung für die geleistete Arbeit.

          Fehltage haben zugenommen

          Dem Gesundheitsatlas zufolge sind mehr als drei Viertel der befragten Arbeitnehmer fit, nur bei rund 5 Prozent ist die Arbeitsfähigkeit nach eigenen Angaben schlecht. 7,5 Prozent sehen durch die Arbeit ihre körperliche Gesundheit stark beziehungsweise sehr stark gefährdet, und etwa 12 Prozent sehen sich stark oder sehr stark psychisch gefährdet. Bei 4,4 Prozent kommt beides zusammen.

          Die Mehrheit der Beschäftigten war gar nicht (38,3 Prozent) oder einmalig (26,6 Prozent) krank und arbeitsunfähig. Zwei Drittel der Ausfälle waren Kurzzeiterkrankungen von maximal sieben Kalendertagen. Junge Beschäftigte sind dabei häufiger kurz krank, während ältere Beschäftigte seltener, aber dann länger krankheitsbedingt ausfallen.

          Die Fehltage haben laut Atlas in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Mehr als die Hälfte aller Krankheitstage sind bedingt durch Muskel- und Skeletterkrankungen, Atemwegsinfekte und psychische Störungen. Teilzeitkräfte - befristet und unbefristet - bekommen auffallend viele Arzneimittel verordnet. Das gilt auch für die Pflegeberufe.

          Für den BKK-Gesundheitsatlas wurden primär die Daten aus dem Berichtsjahr 2015 verwendet. Insgesamt wurden die Daten von 4,4 Mio. beschäftigten Mitgliedern ausgewertet

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