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Hochbegabung und Karriere : Erwachsene Wunderkinder

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Jungunternehmer und hochbegabt: Gero Gode sitzt nicht gerne still. Bild: Anna Jockisch / F.A.Z.

Von wegen Selbstläufer - wer hochbegabt ist, dem fällt die Karriere nicht in den Schoß. Vor allem wenn die Fähigkeiten spät entdeckt werden, zweifeln viele Betroffene an sich selbst. Und der Berufsstart geht in die Hose.

          Gero Gode ist ein Selbstoptimierer. Täglich nimmt er sich 15 Minuten Zeit zum Meditieren, ein Ernährungsberater bestellt ihm das Mittagessen, viermal die Woche geht es zum Sport und einmal zum Treffen mit anderen Gründern, mit denen er Ziele und Maßnahmen bespricht und auswertet. An diesem Morgen ist aber zuerst seine Frisur dran. „Jana, du musst mich schön machen“, sagt er augenzwinkernd zu seiner Stylistin. Denn am Abend steht ein wichtiger Termin mit dem Vermögensverwalter seines Aktienklubs an - nur eines der vier Unternehmen, die der 27-Jährige aktuell führt.

          Der gebürtige Erfurter verarbeitet Informationen rasch, kann Probleme schnell erkennen und lösen und braucht ein hohes Arbeitstempo - weil er sich sonst langweilt. Dass er hochbegabt ist, hatte Gode sich schon früh gedacht: In der Schule machte ihm Leistung Spaß, er nahm an Mathe-Olympiaden teil, wettete mit Mitschülern auf Klausurergebnisse, ein Traumabitur gelang ihm ohne große Mühen. Mit 19 Jahren begann er ein BWL-Studium in Augsburg und gründete mit seinem Bruder den „Alpha Star Aktienclub“. Ein Unternehmen reichte ihm noch nicht, neben der Aktion Free-Copy, bei der Studenten in 20 deutschen Städten auf mit Werbung bedruckten Zetteln gratis kopieren konnten, gründete er die Gutschein-Plattform Teambon.de. Nur einen Monat nach der Gründung verkaufte er sie gewinnbringend.

          Erfolg ist nicht nur etwas, das Gode haben möchte, Erfolg fasziniert ihn. In seinem Büro stehen Gründungsgeschichten amerikanischer Start-Ups und Erfolgsratgeber, auf der Toilette und in seinem Blog sind Sprüche wie „Fokus ist alles!“ zu finden. Als er im Herbst 2010 die Homepage seiner Firma Greenest Green, einer Rabattplattform für nachhaltige Produkte, programmierte, saß er nächtelang am PC - und ließ im Hintergrund in Dauerschleife die Facebook-Gründungsgeschichte laufen. Dass man „einfach nur machen“ muss, um erfolgreich zu sein, hat Gode bei einem Highschool-Jahr in Amerika gelernt. Für den Ball, auf dem er zum Prinzen gekürt werden sollte, rechnete er sich für die eigene Ausstattung, Geschenke für seine Begleiterin und das Mieten einer Limousine Kosten von 800 Dollar aus. Bis zur Veranstaltung verteilte er Zettel in der ganzen Nachbarschaft mit seinen Kontaktdaten, mähte Rasen und schnitt Hecken - alles, was ihm angeboten wurde. Nach drei Monaten hatte er über 3000 Dollar verdient.

          Kein Garant für eine steile Karriere

          In Deutschland gelten etwa 2 Prozent der Bevölkerung als hochbegabt. Ihr Intelligenzquotient (IQ) liegt zwischen 130 und 150 Punkten, der Durchschnittswert beträgt 100. Ein hoher IQ ist aber weder ein Garant für gute Noten noch für eine steile Karriere. Denn es gibt auch andere Biografien von Hochbegabten - von jenen, die trotz mehrfacher Promotion keinen Arbeitsplatz finden, immer wieder abbrechen, an sozialen Kompetenzen scheitern. Oder von denen, deren hoher IQ erst spät festgestellt wurde und die jahrelang auf Unverständnis stießen.

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