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Haustiere am Arbeitsplatz : Streicheleinheiten gegen den Stress im Büro

  • -Aktualisiert am

Acht Stunden nur auf der Decke liegen ist zu wenig

Geht es nicht um solche Gefahren, sondern darum, dass jemand Hunde nicht mag, reicht es meist auch aus, ihn getrennt von dem Tier unterzubringen. Auch der Hund muss einen Rückzugsbereich haben, in den er jederzeit gehen kann und etwa mit Wasser versorgt wird. „Nicht alle Hunde finden es toll, wenn sie von Fremden gestreichelt werden“, sagt Tierschützerin Schmitz. „Der eine Hund ist kontaktfreudig, für den anderen bedeutet das Stress.“ Sie fordert daher, dass das Tier vor und nach dem Antritt im Büro genügend Auslauf bekommt: „Vom Hund zu erwarten, dass er acht Stunden lang nur auf der Decke liegt und schläft – das geht schief“, sagt die Tierschützerin. Haare und andere Spuren der Tierhaltung im Büro zu beseitigen ist nach Ansicht von Saskia Steffen Aufgabe des Hundebesitzers: „Es sei denn, der Arbeitgeber ist so kulant, dass er die zusätzlichen Reinigungskosten übernimmt.“

In sozialen Netzwerken sind vor allem Geschichten von Hunden zu lesen, die eitel Freude und Sonnenschein ins Büro bringen. Eher selten ist dort auch von Teams zu lesen, die sich über ein Tier im Büro zerstreiten, und von Chefs, die unfähig sind, diesen Konflikt erfolgreich beizulegen. Man hört von herrschsüchtigen Tierhaltern, deren Hunde Kunden angehen und die jedes Wort über ihr Tier als persönliche Beleidigung wahrnehmen. Eine Juristin aus Süddeutschland, die viel in sozialen Netzwerken unterwegs ist, hat beide Facetten dieses Themas erlebt – angenehme und unangenehme Bürotiere. In einer Lebensphase, als sie viel in ihrem Homeoffice saß, Fachtexte studierte und sich auf eine Prüfung vorbereitete, verschönerte ihr eine Bürokatze den harten Alltag. Sie legte sich auf Dokumente, biß in Zeitschriften und griff den Drucker an, wenn dieser Papier ausspuckte. „Das war unterhaltsam und anstrengend zugleich“, sagt die Juristin heute. „Die Katze hat ja kein Verständnis für eine Deadline. Wenn so etwas Pelziges im Büro herumläuft, weiß man andererseits: Es gibt ein Leben jenseits der Bücher.“

„Der Hund beeinflusst die Atmosphäre positiv“

Nach einer Zwischenstation in einer Kanzlei, wo die gelangweilten und schlecht erzogenen Hunde der Geschäftsführerin die Mandanten ansprangen, ist die Frau jetzt in einem Unternehmen tätig, wo es zwei disziplinierte Hunde gibt, die in Arbeitspausen regelmäßig bewegt werden. Sie gehören einer Kollegin, die sich auf das Familienrecht spezialisiert hat. Oft bringen Mandanten ihre Kinder mit zu den Gesprächen, in denen es um Familienkonflikte geht. „Wenn die Kinder die Aussicht haben, danach einen Hund zu streicheln, sind sie entspannter“, hat die Juristin beobachtet.

Das hat auch Melanie Schumacher erlebt, die als systemischer Coach und Karriereberaterin in Bonn tätig ist. Seit sechs Jahren nimmt sie ihren Hund mit ins Büro. Vor den Beratungen fragt sie ihre Kunden, ob sie einverstanden sind, was bisher immer der Fall gewesen sei. „Der Hund beeinflusst die Atmosphäre zwischen dem Coachee und mir positiv“, berichtet die Diplom-Kauffrau. Ist die Person in einer schwierigen Lebenssituation, stelle sich der Hund während der Beratung oft neben sie. So etwa, als wolle er sie trösten.

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