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Haustiere am Arbeitsplatz : Streicheleinheiten gegen den Stress im Büro

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So ist die Bürokatze eher ein Privileg von schreibenden Heimarbeitern und Menschen mit Amtssitz. Zu den Schriftstellern mit Samtpfote sollen Elke Heidenreich, Juli Zeh, Stephen King und Jorge Luis Borges gehören. „Socks“ hieß zudem der schwarz-weiße Kater des damaligen Präsidenten Bill Clinton. Als Socks 2009 mit 19 Jahren starb, brachten viele Medien einen Nachruf, und in den sozialen Netzwerken trauerten Tausende mit den Clintons. Die Präsidenten der Vereinigten Staaten halten sonst eher Bürohunde als Bürokatzen – von George Washington mit einem Vierbeiner namens Drunkard bis zu Barack Obama mit den Portugiesischen Wasserhunden Bo und Sunny. Donald Trump duldet indessen weder First Dog noch First Cat im Oval Office.

„Es gibt Studien, die besagen, dass das Stresslevel und der Blutdruck sinken, wenn man einen Hund streichelt“, sagt Tierschützerin Schmitz. „Dabei schüttet man Glückshormone aus.“ Das Arbeitsklima sei mit Bürohund weniger steif. Die Mitarbeiter seien motivierter und eher bereit, Überstunden zu machen.

Bessere Mitarbeiterbindung

Markus Beyer aus Berlin weiß Ähnliches zu berichten. Er ist professioneller Hundetrainer, Gründer und erster Vorsitzender des Bundesverbandes Bürohund. Nach Beyers Angaben hat dieser Verband mehr als 2000 Mitglieder. Er berät auch Arbeitgeber, die sich mit Bürohunden beschäftigen wollen, aber nicht genau wissen, wie. Beyer erzählt, dass Bürohunde zu einer verbesserten Mitarbeiterbindung und einem guten Unternehmensimage beitragen. Auf der Website des Verbandes findet sich eine reichlich bestückte „Bürohundkarte Deutschland“ und eine weniger ausführliche Jobbörse für Menschen, die den Bürohund schätzen.

„In der Produktion eines Unternehmens ist ein Hund eher schwierig“, sagt Markus Beyer. Dort sei es viel zu laut und gefährlich. Im Gegensatz dazu erscheint der administrative Bereich passender. Dort kann die Mitnahme von Haustieren laut Beyer funktionieren, wenn es für alle Seiten Regeln und Pflichten gibt: für das Unternehmen, die Mitarbeiter mit und ohne Hund und für das Tier.

Für den Arbeitsalltag heißt das beispielsweise, dass Rücksicht genommen wird auf Menschen, die eine Allergie haben oder Hunde nicht mögen. Juristin Steffen erklärt: „Wenn sich ein Kollege von dem Bürohund gestört fühlt, muss er sich an den Arbeitgeber wenden. Dieser muss prüfen, ob der Hund bleiben kann.“ Dabei habe er die Interessen aller Beteiligten abzuwägen. Im Arbeitsrecht gelte der Allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz. Doch ein Ja zum Bürohund eines Mitarbeiters bedeutet laut Steffen nicht, dass der Chef akzeptieren muss, dass noch zehn weitere Kollegen ihre Tiere mitbringen. Auch wenn sich zwei Bürohunde nicht verstehen und wenn ein Tier die Gesundheit eines Mitarbeiters beeinträchtigt oder Menschen bedroht, kann der Arbeitgeber verlangen, dass es nicht mehr mitgebracht wird.

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