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Gründer und Konzerne : Nachhilfe vom Start-up

  • -Aktualisiert am

Hip im doppelten Sinne: Blick in den Start-up-Campus von Philips Bild: Lucas Wahl

Konzerne suchen mehr und mehr die Nähe zu jungen Gründern. Studenten bietet das unkonventionelle Karrierewege.

          Airbus, Deutsche Lufthansa, Dräger, Getriebebau Nord – für viele Berufseinsteiger sind das attraktive Arbeitgeber. Vier junge Wirtschaftsingenieure, die als dual Studierende noch bei diesen Unternehmen unter Vertrag standen, haben sich anders entschieden. Sie sind mittlerweile auf dem Philips-Gelände in Hamburg tätig. Allerdings nicht als Mitarbeiter, sondern als Gründer: Der niederländische Elektronik- und Gesundheitskonzern hat vor mehr als einem Jahr ein eigenes sogenanntes Coworking-Space ins Leben gerufen und es „Health Innovation Port“, kurz HIP, genannt. Wer Geschäftsideen aus dem Gesundheitsbereich hat, kann sich hier für 95 Euro pro Person einmieten: „Das ist günstig und bietet uns eine professionelle Arbeitsumgebung“, sagt Jonathan Trinh, Mitgründer und Marketingexperte bei Gaia Nutrition.

          Das junge Unternehmen entwickelt Ernährungs-Apps, die Fitness-Influencer oder andere Unternehmen im eigenen Design und angepasst auf die eigene Philosophie vertreiben können. Angefangen hat alles mit einer studentischen Sport-AG und der Lust auf Selbständigkeit: „Große Unternehmen sind oft schwerfällig in ihren Prozessen. Gleichzeitig hat man von der coolen Start-up-Welt im Silicon Valley erfahren“, sagt Trinh. Aus der ersten nebenberuflichen Gründung wuchs nach einem Jahr die Erkenntnis: „Wenn wir unserer Idee eine Chance geben wollen, müssen wir es hundertprozentig machen.“ Die vier Gründer kündigten ihre bisherigen Arbeitsverträge und waren schon bei der Eröffnung der Coworking- Fläche dabei. Jetzt verteilen sie regelmäßig ihre Laptops, Wasserflaschen und Smoothies unter den Leuchtstoffröhren, die am Eingang der Arbeitsfläche „Beteiligung, Vernetzung, Kompetenz“ versprechen und am Ende ermahnen: Be hip!

          Kaffee gratis und Kantinenessen zu Mitarbeiterkonditionen sind zweitrangig, es geht um Kontakte, wie Trinh sagt: „Hier gibt es Netzwerke, die uns helfen können – und Partner, die unser Business vorantreiben.“ Erste Anlaufstelle sei „Community Manager“ Henrik, so Trinh: Henrik Moessinger vermittelt zum Beispiel Rechtsexperten, wenn es um die Lizenzierung von Medizinprodukten geht. Er lädt die Teams aber auch mal ein, vor dem Vorstand zu präsentieren. Vor allem aber hält er das Netzwerk am Leben: „Wir haben ein Partnerkonzept – damit bringen wir etablierte Player aus dem Gesundheitsbereich mit Start-ups zusammen.“ Die Techniker Krankenkasse und die Stadt Hamburg sind schon dabei. Ein Krankenhaus, ein IT-Unternehmen und Vertreter aus der Industrie sollen noch hinzukommen.

          Die Partner dürfen mitbestimmen, welche Geschäftsideen auf der Fläche mit 30 Arbeitsplätzen aufgenommen werden, und bekommen damit früh Wind von neuen Technologien und Entwicklungen. „Wir wollen nicht in zehn Jahren merken, dass die Innovation an uns vorbeigezogen ist, so wie es die Medienbranche oder die Finanzwelt bereits erlebt haben“, sagt Moessinger. Und weil das eben nicht nur lokal, sondern international passiert, setzt Philips ein eigenes Start-up-Programm obenauf. Im vergangenen Jahr ist der sogenannte „Health Accelerator Kardiologie“ zu Ende gegangen: 300 internationale Start-ups aus Kliniken und Forschungsabteilungen haben sich beworben, die sieben besten durften ein dreimonatiges Förder- und Coachingprogramm durchlaufen. Am Ende präsentierten sie vor Geschäftsleitung, Fachpublikum und möglichen Investoren.

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