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Gründer mit Geschmack : Vom Braumeister zum Eismeister

Ralf Sander Bild: Matthias Lüdecke

Als Bierbrauer kennt sich Ralf Sander mit gutem Geschmack aus. Darauf kommt es auch beim Speiseeis an. Von seiner ersten Eisdiele in Berlin-Charlottenburg aus soll die Hauptstadt erobert werden.

          Ein gelernter Braumeister macht jetzt Speiseeis. Das überrascht, weil das Trinken von Bier und das Schlecken von Eiscreme für die meisten zwei höchst unterschiedliche Genussformen darstellen, die sich selten miteinander verbinden lassen. Doch eine Gemeinsamkeit gibt es: Bei beiden ist der Geschmack entscheidend. Sowohl mit dem Brauen von Bier als auch mit der Herstellung guter Eiscreme kennt sich Ralf Sander aus. Er hat im vergangenen Sommer die Eisdiele „Gimme Gelato“ in Berlin-Charlottenburg eröffnet. Es ist keine gewöhnliche Eisdiele, denn das Design und der Anspruch deuten auf ambitionierte Ziele. Die Marke hat sich Sander europaweit schützen lassen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Geschäft kennt der gebürtige Frankfurter: Seit mehr als 20 Jahren ist er eng mit der Gastronomie verbunden. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat er dort deutliche Veränderungen durch Quereinsteiger mit neuen Ideen beobachtet. Das geht vom Produktbereich wie zum Beispiel selbstgemachten Limonaden statt industrieller Zuckerbrausen oder Craft Beer statt Massenbier bis zu den Hamburger-Bratern. Dieser Markt wird seit einigen Jahren nicht nur von Fastfood-Ketten wie McDonald’s oder Burger King bestimmt. Inzwischen gibt es in den deutschen Innenstädten immer mehr Edel-Burgerbrater. Die Kunden sind bereit, dafür deutlich mehr zu zahlen. Was am Markt für Buletten möglich war, muss auch bei Speiseeis klappen.

          Überzeugt von dieser Idee, wagte Sander im vergangenen Jahr den Sprung in die Selbständigkeit. Bevor sein erstes Geschäft in Charlottenburg im Juli 2018 eröffnet wurde, waren gut zwei Jahre an Vorarbeit nötig, um das Konzept zu entwickeln. Dazu zählt die Entwicklung eines Geschäftsplans, der dann auch in Gesprächen mit Banken für Gründerkredite entscheidend ist. Sander will sich zwar vorerst auf Berlin konzentrieren, aber die Idee von Gimme Gelato ist seinen Worten zufolge „sehr gut skalierbar“. Mit dem Namen Gelato will er sich vom „Industrieeis“ absetzen. Gelato stehe für handwerklich hergestelltes Eis, sagt Sander. Statt künstlicher Geschmackstoffe würden nur natürliche Zutaten verwendet, beschreibt er den Unterschied.

          Ein Sortiment für den Winter

          Sein Eis will er im Umkreis von 50 Kilometern über Verkaufsstellen (zum Beispiel Kioske) oder mobile Lösungen (Food Trucks oder spezielle Fahrräder) vertreiben. Gerade die im Gimme-Gelato-Design gehaltenen mobilen Verkaufsstellen seien sehr vielversprechend angelaufen. Sander vermeidet die Bezeichnung Eisdiele für seinen ersten Laden in Charlottenburg. Stattdessen spricht er selbstbewusst von einer Eismanufaktur. Den Herstellungsprozess können die Kunden durch Fenster verfolgen. Seine Eismanufaktur will Sander besser auslasten. Deshalb will er zunächst Hotels und hochwertige Gastronomie beliefern. Weitere Ideen von Sander sind Eisstationen auf Großveranstaltungen in Berlin oder die Eröffnung eines Pop-up-Stores.

          Der 49 Jahre alte Gründer blickt auf reichlich Erfahrungen im Marketing und Vertrieb von Lebensmitteln zurück. Als Braumeister hat er für die Frankfurter Brauerei Henninger gearbeitet, danach war er als Manager für Nestlé und Coca-Cola tätig, um dann für die Enchilada-Gruppe die Konzeption von Systemrestaurants umzusetzen. Alle diese Erfahrungen prägen nun seinen Plan, zunächst Berlin mit hochwertigem Speiseeis über verschiedene Vertriebswege zu versorgen.

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