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Google-Personalchef : „Man ist nie zu alt für Google“

  • Aktualisiert am

Frank Kohl-Boas ist für das Personal von Google in Nordwest-, Zentral- und Osteuropa zuständig. Bild: Google

Uni-Absolventen wollen alle am liebsten zu Google. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Wie erklärt sich das der Google-Personalchef? Ein Interview.

          Herr Kohl-Boas, laut den Ergebnissen der Trendence-Umfrage wollen alle zu Google. Wie erklären Sie sich den Erfolg bei Absolventen?

          Das müssen Sie eigentlich die Kandidaten fragen. Ich denke, dass sowohl für Ingenieure als auch für Ökonomen unser Arbeitsumfeld und die gewährten Freiräume attraktiv sind. Außerdem arbeiten wir in der Speerspitze der digitalen Entwicklung mit: Welcher Programmierer würde nicht gerne eine Sprache oder eine App entwickeln, die später einmal von Milliarden Menschen benutzt wird? Das hören wir immer wieder von IT-Fachleuten, die einen Code schreiben.

          Was lockt dann die Manager, die ja überall arbeiten könnten?

          Das dürfte die Aufgabe sein, Unternehmen beim digitalen Wandel zu beraten. Das ist sehr umfänglich, vielseitig und reizvoll.

          Wie viel Verklärung ist bei den Kandidaten im Spiel? Müssen Sie auch einige Vorstellungen zum Platzen bringen über die schöne neue Arbeitswelt von Google?

          Unsere Recruiter klären im Erstkontakt, was jemand bei uns sucht und welche Hoffnungen er oder sie mitbringt. Danach ist der „cultural fit“ entscheidend, also die Frage, ob jemand viel Motivation mitbringt und etwas gestalten will, Dinge auch mal hinterfragt und konzeptionell denken kann. Wir betreiben keine Werbung für unsere Arbeitgebermarke. Glücklicherweise wird auf Arbeitgeberportalen oder anderen Plattformen über uns berichtet. Und da habe ich schon den Eindruck, dass wir in vielen Fällen die Erwartungen an einen attraktiven Arbeitgeber einlösen können.

          Können Sie kurz das Verfahren beschreiben, wie man ein „Googler“ wird?

          Nach der Bewerbung auf unserer Webseite wählen die Recruiter die ersten zehn Kandidaten aus und stellen sie den für die Einstellungen zuständigen „Hiring Managern“ vor. Die aussichtsreichsten Kandidaten werden zu vier oder fünf Gesprächen eingeladen, idealerweise in ein Google-Büro, sonst per Video-Konferenz. In den Interviews wird dann nach Eigenschaften wie Führungseignung, komplexes Denken, Ergebnisorientierung oder nach „Googleyness“gesucht.

          Bitte, was ist das?

          Wir verstehen darunter die Fähigkeit, sich mit hoher Agilität neuen Situationen anpassen zu können. Mit hoher Googleyness ist das Glas halbvoll statt halbleer.

          Wer entscheidet letztlich, ob die Einstellung zustande kommt?

          Da sind wir sehr transparent. Die Entscheidung trifft nicht ein einzelner, sondern alle Interviewer treffen sie im Konsens. Alle müssen sich für die Einstellung aussprechen. Das geht dann in ein Komitee, das den Bewerber gar nicht kennt, sondern den Bewerbungsprozess und die gezogenen Rückschlüsse überprüft. Wenn das alles in Ordnung ist, wandert der Vorgang in die Zentrale nach Mountain View, wo alle Einstellungen einmal in der Woche Larry Page vorgelegt werden.

          Ihr Vorstandschef muss jede Neueinstellung absegnen?

          Ich gehe davon aus, dass er dazu nicht die Zeit hat. Aber allein die Möglichkeit, dass er es könnte, ist entscheidend. Er steigert damit die Relevanz und Wertigkeit der Einstellungsprozesse.

          Nehmen Sie auch noch Papierbewerbungen an?

          Es ist zumindest kein Ausschlusskriterium. Aber elektronisch ist uns die Bewerbung definitiv lieber.

          Suchen Sie als technologiegetriebenes Unternehmen vorwiegend IT-Nerds?

          Nein, überhaupt nicht. Wir sind zwar ein Technologieunternehmen, suchen aber auch Mitarbeiter für alle Unternehmensbereiche, insbesondere für unsere „Business Operations“, wofür verschiedene Qualifikationen möglich sind.Wir beschäftigen dort auch Pädagogen, Anglisten und Politikwissenschaftler. Da kommt es weniger auf den Studiengang an als auf die vorhandene Online-Affinität und die Fähigkeit, andere beraten zu können.

          Sie sind ein junges Unternehmen mit einer jungen Belegschaft. Ist Google kein Arbeitgeber zum Altwerden?

          Google existiert erst seit 17 Jahren. Unser Altersdurchschnitt beträgt circa 38 Jahre. Die Materie, mit der wir uns beschäftigen, mag für jüngere Menschen leichter zugänglich sein. Aber wir freuen uns über Bewerber aller Altersklassen und wollen die auch in unseren Reihen haben. Man ist nie zu alt für Google.

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