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Ausgemustert im Silicon Valley : Mit 40 schon zu alt für Google

Jung und hip: Muss man das sein, um bei Google zu arbeiten? Bild: dpa

Wer jung ist, hat es in der amerikanischen Technologiebranche leichter, eine Stelle zu finden. Google wird jetzt in einer Klage Altersdiskriminierung vorgeworfen. Auch andere Unternehmen stehen am Pranger.

          Amerikanischen Technologieunternehmen wie Google und Facebook wird oft vorgehalten, dass ihre Mitarbeiter vor allem weiß und männlich sind. Sie geloben daher seit einiger Zeit, für mehr Vielfalt („Diversity“) im Personal sorgen zu wollen. Sie veröffentlichen regelmäßig Zahlen zur Zusammensetzung der Belegschaft, in denen sie dann zwar oft Fortschritte vermelden, aber auch schuldbewusst zugeben, dass sie noch einen weiten Weg vor sich haben. Sowohl bei Google als auch bei Facebook liegt der Frauenanteil nur bei knapp über 30 Prozent, und mindestens 90 Prozent der Mitarbeiter sind weiß oder haben einen asiatischen Hintergrund.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Facebook machte in diesem Jahr sogar erstmals Angaben dazu, wie viele Mitarbeiter sich nicht als heterosexuell identifizieren (7 Prozent). „Diversity hat viele Ausprägungen“, führte Facebook als Grund dafür an, diese Kennziffer publik zu machen.

          Mit Blick auf ein anderes Kriterium, das über die Vielfalt der Belegschaft Aufschluss geben könnte, zeigen sich die Unternehmen allerdings bedeckt. In den Diversity-Reports fehlen üblicherweise Zahlen zum Alter der Mitarbeiter. Genau hier aber ist die Technologiebranche besonders anfällig für den Vorwurf von mangelnder Vielfalt. Nach Erhebungen der Analysegruppe Payscale liegt das mittlere Alter in der Belegschaft von Facebook bei 29 Jahren, bei Google und Amazon.com sind es 30 Jahre, bei Apple 31 Jahre. Unter allen amerikanischen Berufstätigen beträgt es 42 Jahre.

          Jugendwahn im Silicon Valley?

          Kritiker meinen, das Silicon Valley sei einem Jugendwahn verfallen und betreibe bei der Personalrekrutierung Diskriminierung nach dem Alter, was nach einem Gesetz aus dem Jahr 1967 illegal ist. Mit diesem Vorwurf muss sich Google derzeit in einer Klage auseinandersetzen. Das Unternehmen wird darin beschuldigt, bei der Einstellung und Bezahlung systematisch Personen benachteiligt zu haben, die 40 Jahre oder älter sind. Die beiden Kläger sind jeweils mehr als 40 Jahre alt und sagen, sie seien nach Bewerbungsgesprächen von Google abgelehnt worden, weil sie nicht jung genug waren. Erst vor wenigen Tagen hat die zuständige Richterin im kalifornischen San Jose erlaubt, den Fall zu einer Sammelklage zu machen, der sich nun auch andere Personen anschließen können.

          Google nennt die Vorwürfe gegenstandslos und will sich in dem Rechtsstreit „energisch“ verteidigen. Das Unternehmen verweist darauf, „starke Richtlinien“ gegen jede Form der unrechtmäßigen Diskriminierung zu haben, auch mit Blick auf das Alter. Allerdings hat die Richterin in ihrer Entscheidung deutlich gemacht, dass diese Argumentation sie wenig beeindruckt. Viele Unternehmen hätten heute auf dem Papier solche Richtlinien, aber das sei kein Schutzschild gegen Antidiskriminierungsklagen. Die Richterin hat bislang nur über den Sammelklagenstatus entschieden und noch nicht in der Sache selbst.

          Google findet sich nicht das erste Mal in einem solchen Rechtsstreit wieder. 2004 wurde das Unternehmen schon einmal von einem früheren Mitarbeiter verklagt, der es beschuldigte, ihn wegen seines Alters entlassen zu haben. Der Mann war 2002 zu Google gekommen, als er 52 Jahre alt war. Führungskräfte sollen zu ihm gesagt haben, er sei ein „alter Kerl“ und passe nicht in die Kultur des Unternehmens, hieß es in seiner Klage. Der Streit wurde in einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt, Details dazu sind nicht veröffentlicht worden.

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