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Benno Dorer : Ein Deutscher als beliebtester Chef Amerikas

Benno Dorer - beliebtester Chef Amerikas Bild: Clorox

Benno Dorer hat es gerade an die Spitze eines Rankings geschafft, in dem Mitarbeiter ihre Chefs bewerten. Wie hat er das nur geschafft? Sein Karrieregeheimnis hat ziemlich viel mit Zuhören zu tun.

          Die amerikanische Karriereplattform Glassdoor gibt jedes Jahr eine vielbeachtete Liste der beliebtesten Vorstandsvorsitzenden heraus. Sie basiert auf anonymen Befragungen von Mitarbeitern, die ihre eigenen Chefs bewerten. Auf der neuesten Liste finden sich unter den ersten zehn einige prominente Namen, etwa Mark Zuckerberg, der Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerks Facebook, und Elon Musk, der den Elektroautohersteller Tesla führt. Ganz an der Spitze steht aber jemand, der in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist und der aus Furtwangen im Schwarzwald kommt: Es ist Benno Dorer, der Vorstandschef von Clorox, einem traditionsreichen amerikanischen Anbieter von Haushaltsreinigern, Körperpflegeprodukten und diversen anderen Konsumgüterartikeln.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der 53 Jahre alte Dorer hat seine gesamte Karriere in der Konsumgüterindustrie verbracht, erst beim Branchengiganten Procter & Gamble, von 2005 an beim kleineren Wettbewerber Clorox. Vor knapp drei Jahren krönte er seine Laufbahn mit seinem Aufstieg auf den Chefposten. Damit ist er einer von rund einem halben Dutzend Deutschen, die an der Spitze börsennotierter amerikanischer Unternehmen stehen. Erst vor zwei Wochen wurde Marc Bitzer, der wie Dorer aus Baden-Württemberg stammt, zum Vorstandschef des weltgrößten Hausgeräteherstellers Whirlpool gekürt.

          Dorer führt einen Konzern mit einem Jahresumsatz von knapp 6 Milliarden Dollar und rund 8000 Mitarbeitern. Dass seine Belegschaft ihn so schätzt, findet er sehr schmeichelhaft, wobei er gleich hinzufügt, er sehe das als Vertrauensvotum für das gesamte Management. „Ich versuche, meinen eigenen Narzissmus gering zu halten“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Dorer mag keinen Personenkult um sich und meint, dies würde gerade bei den jungen Millennials in seinem Unternehmen auch nicht gut ankommen. Und weil diese Gruppe immer wichtiger wird, findet er, er liege mit seiner Philosophie im Trend. Der Vorstandschef als Superstar – das werde es künftig weniger geben. Bescheidenheit werde in der Chefetage als Tugend erkannt.

          Inspiration aus dem Silicon Valley

          Dorer sieht das nach eigenem Bekunden im Umkreis seines Unternehmens, das im kalifornischen Oakland sitzt und damit nahe an San Francisco und dem Silicon Valley. Diese Beobachtung mag etwas überraschen, wird doch den hier ansässigen Technologiegiganten oft ein gewisser Größenwahn nachgesagt. Andererseits gab es gerade erst ein Beispiel für den Abstieg eines Vorstandschefs, um den es einen immensen Starkult gab: Travis Kalanick musste nach einer Serie von Skandalen seinen Posten an der Spitze des Fahrdienstes Uber räumen.

          Von der Nähe zum Silicon Valley lässt sich Dorer auch in seinem mehr als hundert Jahre alten Unternehmen inspirieren, und das hat sich nach seinen Worten in der Glassdoor-Umfrage gezeigt. Die Kollegen hätten bekundet, ihr Arbeitgeber sei offen für Experimente, lege Wert auf verschiedene Perspektiven und gestehe ihnen viel Verantwortung zu. Wie manche Unternehmen im Silicon Valley schreibt sich Clorox auf die Fahnen, seinen Beschäftigten Flexibilität bei den Arbeitszeiten zu bieten. Dorer sagt, ihm sei es egal, wie lange Mitarbeiter im Büro blieben, allein die Leistung zähle. Vor langen Wochenenden mit einem Feiertag am Montag bekomme die Belegschaft den Freitagnachmittag frei. Das komme gut an, der Produktivitätsverlust sei „minimal“.

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