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Gewalt im Büro : Wenn Mitarbeiter ausrasten

Solch extreme Bilder hinterlässt Gewalt im Büro in der Regel nicht: Die Aufnahme zeigt einen als Büro eingerichteten „Wutraum“ in München, in dem Menschen Stress abbauen sollen, indem sie die Einrichtung bewusst zertrümmern dürfen. Bild: dpa

Eine Messerattacke am Arbeitsplatz scheint extrem, aber Gewalt im Büro tritt in vielen Facetten auf. Körperliche Übergriffe, Einschüchterung, Bedrohung. Wie kann der Hass auf den eigenen Arbeitgeber so groß werden?

          Eine junge Frau betritt das Hamburger Reisebüro Caissa Touristic. Bis zu ihrer Entlassung am Vortag hatte sie hier gearbeitet. Die Frau lächelt ihrer früheren Vorgesetzten zu, beugt sich zu ihr herab, flüstert ein paar Worte - das 30 Zentimeter lange Küchenmesser, das sie in der Hand hält, bemerken die Kollegen erst, als es im Rücken der Vorgesetzten steckt. Sie stirbt an den Folgen. Später vor Gericht sagt die Frau, sie habe sich durch die Tat selbst „gerettet“, denn ihre frühere Chefin habe gegen sie intrigiert.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Auch wenn Trennungen im Betrieb selten so dramatisch enden, kann der ehemalige Arbeitgeber zum Feind und der Arbeitsplatz zum Tatort werden. Gewalt im Büro ist für Mitarbeiter traumatisierend, für das Betriebsklima schädlich und für das Ansehen eines Unternehmens verheerend. Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist Gewalt am Arbeitsplatz ein Risiko. Der Schaden für die Unternehmen kann sich nach Angaben von Fachleuten auf dreistellige Millionenbeträge belaufen.

          Die wenigsten Angriffe von Mitarbeitern enden tödlich. Destruktives Verhalten zum Nachteil des Unternehmens kann ganz verschiedene Formen annehmen: körperliche Übergriffe, Einschüchterung, Bedrohung. Aus Rache entschließen sich manche Mitarbeiter auch, sensible Unternehmensdaten zu entwenden, Geschäftsgeheimnisse an den Erzrivalen weiterzugeben oder die Unternehmenssoftware mit Computerviren zu infizieren. Akte der Sabotage sind nicht immer gefährlich, sondern manchmal einfach nur nervig, wie etwa die Blockade einer Tür.

          Meist gibt es eine lange Vorgeschichte

          Wie kann der Hass auf den eigenen Arbeitgeber so groß werden? Dass sich ein Mitarbeiter zu einer tickenden Zeitbombe entwickelt, hat in der Regel eine lange Vorgeschichte. Zu verhindern, dass es so weit kommt und Warnsignale beizeiten zu erkennen, ist die Aufgabe von Jens Hoffmann, Leiter des Instituts für Psychologie und Bedrohungs-Management. Er berät große Unternehmen in Deutschland, der Schweiz und Österreich dabei, Präventionsstrategien zu entwickeln.

          Verlässliche Daten, wie oft Unternehmen Opfer ihrer eigenen Mitarbeiter werden, sind schwer zu erhalten - die Dunkelziffer gilt als hoch. Hoffmann hat in einer Studie ermittelt, dass die Hälfte der befragten knapp 500 Arbeitnehmer direkte oder indirekte Erfahrungen mit Gewalt am Arbeitsplatz und Suizidgefährdung gemacht hat. Jeder fünfte befragte Mitarbeiter hat in seinem Arbeitsumfeld Gewaltandrohung erlebt, 19 Prozent Stalking, 10 Prozent körperliche Gewalt, 24 Prozent gaben an, im Kollegenkreis von Suizidgedanken gehört zu haben. Die Studie von 2014 erhob auch die Auswirkungen solcher Missstände auf den Betrieb: Von einem Unsicherheitsgefühl in der Belegschaft sprachen 54 Prozent, von Angst immerhin 35 Prozent, von geringerer Leistungsfähigkeit berichteten 26 Prozent und von Arbeitsausfall sogar 15 Prozent.

          Wenn ein Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber schweren Schaden zufügen will, kommen meist drei Faktoren zusammen: dauerhafte Überforderung im Büro, Konflikte in privaten Beziehungen und fehlende Identifikation mit der Arbeit. In dieser Konstellation kann ein vermeintlich harmloser Auslöser dazu führen, einen Prozess in Gang zu setzen, der mit einer Gewalttat endet. Dabei sind die Symptome noch nicht einmal auffällig.

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