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Geschäftsessen : Kaum ein Manager isst gut

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Andere Länder, andere Tischmanieren Bild: Fotolia

Im Restaurant schlägt die Stunde der Wahrheit. Wenn der Geschäftspartner beim Essen seine Manieren offenbart, bleibt dem Gegenüber oft der Bissen im Hals stecken.

          Uwe Fenner erinnert sich noch messerscharf an jenen Tag: Als Headhunter hatte er im Dienst eines bedeutenden deutschen Konzerns eine neue Führungskraft für das Marketing gefunden. Nun stellte er den ambitionierten Karrieristen in der Unternehmenszentrale vor. Der Kandidat war überzeugt von seinen persönlichen Stärken, auch als es zum Lunch ins Restaurant ging. Er bemerkte die irritierten Blicke seines Gegenübers nicht, die sich auf seine wenig geschliffenen Tischmanieren bezogen. Nach dem Gespräch nahm der Vorstandsvorsitzende seinen Headhunter zur Seite, in empörtem Ton fragte er: "Kann sich dieser Mann nicht wenigstens die Jacke zuknöpfen, wenn er den Tisch verlässt?"

          Im geschäftlichen Leben sitzt man bei Tisch nicht nur im kulinarischen Sinne zu Gericht. "Die Etikette spielt heutzutage eine immer stärkere Rolle, ob nun bei Verhandlungsgesprächen, im Telefonat oder beim Geschäftsessen", sagt Sergey Frank, Partner und Personalberater von Kienbaum Executive Consultants. Und das Restaurant ist eben einer jener Orte, wo sich die Manieren oft in brutaler Form offenbaren. Frank weiß um die prominente Rolle von Manieren: "Je weiter man in der Hierarchie nach oben schaut, desto mehr Sicherheit haben die Leute in wichtigen sozialen Situationen wie bei geschäftlichen Dinner-Partys."

          Ein Comeback der guten Sitten

          Personalberater erzählen, dass sie ihre Kandidaten grundsätzlich im Café interviewen, weil sie auf diese Weise einen Eindruck vom Wesen des Gesprächspartners gewinnen. Headhunter Fenner hat in seinen mehr als zwei Jahrzehnten Berufserfahrung mehrere tausend Mal mit ambitionierten Wirtschaftskräften zu Tisch gesessen - und gemerkt: "Kaum ein Manager isst wirklich gut." Vor drei Jahren gründete er deswegen das "Institut für Stil und Etikette" mit Sitz in Potsdam. In seinen Seminaren vermittelt Fenner, was man mit Messer und Gabel alles falsch machen kann. Zahlreiche Unternehmen buchen Fenners Dienste für ihre Mitarbeiter, darunter Banken wie die Deutsche Bank, Merck Fink und die Hypo-Vereinsbank.

          "Der Bedarf ist riesengroß", sagt auch Christina Tabernig von Korrekt Imageconsulting. Sie spricht nicht nur vor arrivierten Fachkräften, sondern auch vor Studenten und Schülern. Nach der Degradierung der Etikette im Zuge der 68er, sagen die Stilberater unisono, gebe es inzwischen ein Comeback der Sitten. Doch worauf kommt es an, wenn im geschäftlichen Leben getafelt wird?

          Der Gastgeber zahlt die Rechnung

          Schon im Rahmen der Auswahl des passenden Lokals sollte man sich Gedanken machen. Üblicherweise geht es in der Geschäftswelt darum, dass die Tische etwas weiter auseinanderstehen, dass das Essen qualitativ gut ist, aber keine Ewigkeit dauert. Derjenige wählt das Restaurant, der das Essen vorgeschlagen hat - dabei geht es nicht darum, den Gast zu beeindrucken. Im Übrigen sollte sich der Gastgeber auch durchsetzen, wenn es darum geht, die Rechnung zu begleichen, sagt Stilberater Fenner.

          Wenn die Speisen und Getränke zur Wahl stehen, sollte der Geschäftsgast nur eine Hauptspeise wählen - "und eine, die durchschnittlich teuer ist oder günstiger", erläutert Fenner. Erst wenn der Gastgeber darauf drängt, doch eine Vorspeise zu nehmen, weil er es selbst wünscht, lenkt man ein. Denn: Solche Essen sollten nicht ausschweifen. Was im Übrigen auch für die Konversation gilt. "Natürlich wird beim Essen nicht nur Smalltalk gemacht, sondern über das Geschäft geredet", meint Fenner, "alles andere wäre ja weltfremd und kontraproduktiv."

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