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Die Arbeitnehmer von morgen : Traumtänzer und Arbeitstiere

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In der Hängematte: So wird die Generation Y gemeinhin beschrieben. Sie ist in Wirklichkeit aber sehr deutlich heterogener. Bild: dpa

Über die hedonistische, junge Generation Y wird viel geschimpft. Dabei kann man die Absolventen des Jahres 2015 keineswegs alle über einen Kamm scheren.

          Verträumt ist noch eine der freundlichen Beschreibungen der „Generation Y“. Faul und ohne Ehrgeiz sind Begriffe, die weitaus häufiger fallen. Klischeehaft interessiert die Generation der heute 18 bis 43-Jährigen ihre Karriere kaum. Hedonistisch seien sie, Spaß mit Freunden und Zeit für die Familie werde über Arbeit und Erfolg gestellt. Ob das verwerflich oder vielmehr gesund ist, als Faulheit oder Familiensinn interpretiert werden sollte, steht auf einem anderen Blatt.

          Doch was in Politik und Feuilleton als Alleinstellungsmerkmal einer ganzen Generation thematisiert wird, zeigt sich in einer aktuellen Studie unter 600 Hochschulabsolventen nur als Beschreibung eines bestimmten Typs unter vielen andern. Obwohl die Studie nicht repräsentativ ist, zeigt sie doch, wie medientaugliche Zuschreibungen die Sicht auf die junge Generation verzerren können. Arbeitgeber sollten sich demnach, so rät die Studie, deutlich machen, was sie von ihren jungen Angestellten erwarten und was sie ihnen auf der anderen Seite dafür bieten können.

          Heterogene Generation Y

          Das Kienbaum Institut an der International School of Management fragte junge Erwachsene nach ihren Zielen, nach ihren Wünschen und Vorstellungen im Berufsleben. Laut dieser Umfrage erwartet die Unternehmen künftig keineswegs nur eine gleichförmige Gruppe von Arbeitnehmern, die weder der Erwerbstätigkeit einen hohen Stellenwert einräumen, noch Führungspositionen anstreben. Die Generation Y präsentiert sich in der Studie vielmehr sehr heterogen, das Institut ordnete sie in vier Gruppen ein.

          Die „Karriereorientierten“, zu denen immerhin jeder fünfte Befragte gezählt wird, erinnern an das Bild des ehrgeizigen Berufseinsteigers mit klaren Zielen. Die berufliche Weiterbildung hat für sie höchste Priorität, Lob und Anerkennung vom Vorgesetzen geben den Motivationskick. Familie, Freunde und Gesundheit sind auch für den Karriereorientierten von Bedeutung, doch träumt er vor allem von einer gut bezahlten Stelle als Führungskraft. „Er“ ist an dieser Stelle wörtlich zu nehmen, denn in dieser Gruppe sind deutlich mehr Männer als Frauen vertreten.

          Die „Ambitionierten“ möchten alles und möglichst alles zur gleichen Zeit: Erfolg, Karriere, Familie, Freunde, nichts soll zu kurz kommen. „Work-Life-Balance“ ist das Stichwort dieser Gruppe, die mit 28 Prozent den am häufigsten auftretenden Typ darstellt. Um alles unter einen Hut zu bekommen sind die Absolventen zwar bereit, hart zu arbeiten. Doch von ihrem Arbeitgeber erwarten sie dafür auch ausreichend Karrieremöglichketen, vielfältige Aufgabenanforderungen und eine kollegiale Arbeitsatmosphäre. Arbeitgeber können also mit klassischen Karriereangeboten gut werben. Die „Karriereorientierten“ und die „Ambitionierten“ machen zusammen rund 58 Prozent der Befragten aus. Mehr als die Hälfte der Absolventen ist demnach als leistungswillig zu beschreiben und sieht sich durchaus auch in Führungspositionen.

          Die „Erlebnisorientierten“ setzen Familie und Freunde an erste Stelle. Sie wollen sich weiterbilden und abwechslungsreichen Tätigkeiten nachgehen – am liebsten in einer kollegialen Arbeitsatmosphäre mit flachen Hierarchien. Die große Karriere steht bei den „Erlebnisorientierten“ hinten an, wichtiger ist, mit Freunden und der Familie erlebnisreich Zeit zu verbringen. Jeder Dritte Absolvent zählt die Studie zu diesem Typ, darunter mehr Frauen als Männer.

          Die „Orientierungssuchenden“ bilden die kleinste Gruppe, doch immerhin fallen 13 Prozent der Befragten darunter, Männer und Frauen gleichermaßen. Sie dürften die Arbeitgeber vor eine Herausforderung stellen: Welche Werte und Ziele sie im Leben verfolgen, wissen sie noch nicht genau. Was sie wissen ist, dass ihnen die eigene Gesundheit, Familie und Freunde wichtig sind. Doch über die Reihenfolge ihrer Prioritäten sind sie unschlüssig. Von ihrem künftigen Arbeitsgeber erhoffen sie sich klare Zielvorgaben und die Möglichkeit zur Weiterbildung, um die eigenen Stärken herauszufinden. Die Orientierungssuchenden würden sich gerne mit ihrer Arbeit identifizieren können, wollen aber ungern Verantwortung übernehmen.

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