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Fünfte Jahreszeit : Brauchen Führungskräfte einen Karnevalsknigge?

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Achtung bei Karnevalsbräuchen: Ist das „Opfer“ nicht mit dem Abschneiden der Krawatte einverstanden, droht Schadenersatz Bild: dpa

Auch im Karneval sollten es Arbeitnehmer nicht übertreiben. Klar, dass gerade Führungskräfte daran ein Interesse haben! Der Verband für Fach- und Führungskräfte DFK hat jetzt Verhaltenstipps ausgegeben.

          Ob Karneval, Fastnacht oder Fasching – in Mainz, Köln und Düsseldorf, den Metropolen der fünften Jahreszeit also, geht es schon jetzt und in den kommenden Tag hoch her. Alkohol in rauen Mengen, bunte Verkleidungen, Umzüge durch volle Straßen und überall Karnevalsmusik. Klar, dass da für viele die Arbeit nur nachrangig ist. Der Verband für Fach- und Führungskräfte DFK vermutet in seinem „Karnevalsknigge für Führungskräfte“ gar, dass einige Arbeitnehmer glauben könnten, dass „in der Zeit zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch die Regeln des Arbeitsverhältnisses außer Kraft gesetzt seien.“

          Konsequenterweise gibt der Verband Tipps, an welche Regeln sich Beschäftigte halten sollten, um die Karnevalszeit unbeschadet zu überstehen. Er hat in seiem Knigge Regeln festgehalten, die zwar manchmal schlicht dem gesunden Menschenverstand entsprechen, stellenweise aber tatsächlich überraschen.

          „Die klassischen Karnevalstage sind ganz normale Arbeitstage und keine gesetzlichen Feiertage“, stellt der Karnevalsknigge gleich zu Anfang fest. Wer also feiern wolle, müsse Urlaub nehmen. Der Mehrheit der Arbeitnehmer dürfte das zwar noch ersichtlich sein. Interessant wird es aber, wenn ein Unternehmen in den vergangenen Jahren seinen Mitarbeitern über die Karnevalstage regelmäßig freie Tage gewährt hat. Beispielsweise an Rosenmontag. In Mainz und Köln etwa bleiben an diesem Tag viele Büros und Ladentüren geschlossen. Kommt der Arbeitgeber nun aber auf die Idee, den freien Rosenmontag einfach wieder abzuschaffen, könnte nach den Grundsätzen der betrieblichen Übung ein gesetzlicher Anspruch auf den freien Tag entstehen.

          Und wie ist es mit der Verkleidung?

          In dem Karnevalsknigge warnt zudem der Fachanwalt für Arbeitsrecht, Oliver Flesch, davor, ohne vorige Absprache mit opulenter Verkleidung ins Büro zu kommen. „So möchte ein Bankkunde über seine Geldanlage sicher nicht von einem Piraten oder Biene Maja beraten werden.“ Das hat auch schon das Bundesarbeitsgericht im sogenannten Kopftuchurteil festgestellt: Ein Arbeitgeber darf von seinen Angestellten demnach erwarten, sich branchenüblich zu kleiden. Das lässt sich auch auf die Karnevalszeit übertragen.

          Besondere Vorsicht gelte bei beliebten Karnevalsbräuchen wie etwa dem Abschneiden der Krawatte bei Männern. Der Ratschlag, lieber nur dort zu schnippeln, wo das “Opfer“ mit dem traditionellen Brauch einverstanden ist, liegt noch auf der Hand. Dass der Verband aber schreibt, dass einige zu nassforsche Arbeitnehmerinnen wegen abgeschnittener Krawatten sogar schon zu Zahlungen von Schadenersatz verurteilt wurden, überrascht dann schon. Das schreckt jedoch nicht immer alle Kolleginnen ab. Männer sollten also, so Flesch, „die Lieblingskrawatte lieber zuhause lassen.“

          Dass Alkohol in großen Mengen am Arbeitsplatz ein Tabu ist, überrascht ebenfalls nicht weiter. Doch der gelegentliche Sektumtrunk zu kleinen Feierlichkeiten gehört in vielen Büros einfach dazu. Karneval bildet da keine Ausnahme. Doch übertreiben sollte es keiner, dem seine Stelle lieb ist. Der DFK weist darauf hin, „dass alle Arbeitnehmer die Pflicht haben, ihre Leistungsfähigkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz nicht zu beeinträchtigen.“

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