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Sprachkenntnisse im Beruf : Verstehen Sie Spanisch?

Sich irgendwie verständigen zu können ist zudem nicht alles. Die Muttersprache des Gegenübers zu beherrschen schafft eine ganz andere Gesprächsbasis. „Sogar ganz geringe Kenntnisse der Sprache der Geschäftspartner leisten einen Beitrag zum Vertrauen“, ist Komori-Glatz überzeugt. Sprachkompetenzen zahlen sich so spürbar aus. Sie verleihen bestimmten Mitarbeitern im Unternehmen zudem eine gewisse Interpretationshoheit in den entsprechenden Feldern. Das wiederum birgt die Gefahr von Schattenhierarchien.

Ein Problem, das man in der Wirtschaft offenbar auf dem Schirm hat – sehr zur Freude von Babbel. Das Berliner Unternehmen bietet Sprachkurse per App an. Mehr als eine Million zahlende Kunden nutzen das Angebot aus 14 Sprachen. Neuerdings hat Babbel auch ein Programm für industrielle Anwender. Zur Kundschaft gehören Konzerne wie Mittelständler, darunter auch der Kreuzfahrt-Anbieter Aida. Was die Mitarbeiter dort lernen, kann variieren: „Die Kurse docken an relevante Themen für die Arbeitnehmer an“, sagt die Leiterin des Firmenprogramms Susanne Wechsler.

Im Ranking der Sprachen führt Englisch vor Spanisch. Französisch und Italienisch teilen sich den dritten Platz. Welche Fremdsprache „die richtige“ für den Beruf ist, hängt vom persönlichen Karriereweg ab und lässt sich kaum planen. Grundsätzlich würde Karriereberaterin Boenig zu Spanisch raten. Die Vorteile: Mit Spanisch ist man für Süd-und Mittelamerika gut präpariert, und in den Vereinigten Staaten wächst der Anteil der Hispanics rasant:. „Spanisch ist die einzige Schulfremdsprache, die Zuwachs verzeichnet“, sagt auch Karin Vogt von der Pädagogischen Universität Heidelberg.

Latein schlägt sich tapfer

Lernten an allgemeinbildenden Schulen 2014/2015 noch rund 404 000 Kinder und Jugendliche Spanisch, waren es zwei Jahre später mehr als 425 000. Chinesisch oder Arabisch spielten kaum eine Rolle, was wohl an der hohen Komplexität der beiden Sprachen liegt. „Chinesisch etwa ist eine Tonsprache und nutzt ein völlig anderes Schriftsystem, als wir es kennen“, sagt Vogt. Auch für Babbel sind die beiden Sprachen noch kein Thema, obwohl es für Arabisch Anfragen gebe.

*Welche Sprache bitteschön?: Bei Geschäftsgesprächen stärkt es das Vertrauen, wenn das Gegenüber die eigene Sprache beherrscht.

Die vermeintlich tote Sprache Latein hält sich derweil wacker – auch, weil sich der Unterricht gewandelt hat. „Es geht nicht mehr nur um den reinen Grammatikzugang, heute wird die Kreativität mehr gefördert“, sagt Lehrer Betzing. Mittlerweile lege man viel mehr Wert auf Wortschatzarbeit, die Texte seien zugänglicher, und in Übungen versuche man etwa Anknüpfungen an Englisch oder Italienisch aufzuzeigen. Vielleicht ist es der größte Trumpf von Latein, dass es die Basis der romanischen Sprachen ist und das Lernen von Spanisch oder Französisch durchaus erleichtert. Expertin Vogt warnt allerdings davor, zu früh nur auf den Nutzen für die Karriere zu schauen: „Die Sprachwahl an der Schule sollte von den Interessen und Möglichkeiten des Kindes ausgehen.“

Die Sprache vor Ort lernen

Wer sich für die berufliche Laufbahn eine Sprache aneignen will, hat heute ohnehin viele Möglichkeiten. Karriereberaterin Boenig empfiehlt, möglichst ins jeweilige Land zu gehen: „So lernt man kulturelle Aspekte ebenso wie Redewendungen und versteht eher, was zwischen den Zeilen mitschwingt.“ Beliebte Sprachbilder etwa ergeben wörtlich übersetzt oft keinen Sinn, und wer die Eigenheiten eines Landes einschätzen kann, hat zweifellos einen unschätzbaren Vorteil, wenn es ums Geschäftliche geht.

An der Schule spielen derlei Aspekte noch keine Rolle. Hier treibt die Kinder vor der Sprachwahl viel mehr um, warum die Freunde in der Französisch-Klasse einen Jahrgang obendrüber angeblich nur noch schlechte Noten bekommen. So ein Schreckensszenario erhält in dieser Phase erstaunlich viel Gewicht.

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