https://www.faz.net/-gyl-6zx59

Frauenquote : „Wir brauchen eine kritische Masse“

  • Aktualisiert am

Ramona Pisal, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes Bild: aviva

Die Frauenquote wurde vor rund zehn Jahren schon einmal diskutiert, dann verschwand das Thema wieder aus der Öffentlichkeit. Ramona Pisal, die Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, will dafür sorgen, dass das dieses Mal nicht passiert.

          Frau Pisal, Sie gehen auf Hauptversammlungen und fragen das Management nach Ergebnissen bei der Frauenförderung. In der Pädagogik glaubt man ja nicht, dass tausend kleine Nadelstiche zum Erfolg führen ...

          Es geht uns auch gar nicht um Nadelstiche. Mit dem Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ wollen wir Transparenz schaffen, sichtbar machen, dass es genug Frauen gibt, die in die Chefetagen gehören. Das ist das Ziel der Aktion.

          Sie fragen die Vorstände, ob sie Frauen-Datenbanken nutzen. Sind solche Kaderlisten nicht ein bisschen seltsam?

          Der Verweis darauf, dass es ganze Listen voll hochqualifizierter Frauen gibt, ist wichtig. Das nimmt dem Argument, es gebe nicht genügend geeignete Kandidatinnen für die Führung, den Wind aus den Segeln.

          Haben Sie den Eindruck, dass sich schon etwas verbessert hat?

          Zumindest werden wir im dritten Jahr der Initiative gut aufgenommen. Wir müssen dranbleiben. Jetzt gerade ist die Aufmerksamkeit für das Thema Frauenförderung zwar groß – aber wir müssen zusehen, dass das so bleibt. Die Quote lag vor gut zehn Jahren schon einmal auf dem Tisch und ist davon wieder verschwunden. Frauen saßen vereinzelt schon einmal in Vorständen oder Aufsichtsräten, aber die verschwinden wieder, und dann kommt nichts nach. Wir müssen eine kritische Masse in den Chefetagen erreichen.

          Wollen Sie so lange auf Hauptversammlungen nachfragen, bis die Quote kommt?

          Vielleicht schon. Nächstes Jahr werden wir die Aktion auf jeden Fall wieder machen, denn 2013 finden viele Aufsichtsratswahlen statt. In unserem Bericht von der Hauptversammlungssaison lässt sich dann schön ablesen, ob die Unternehmen ihre Versprechen eingehalten und Frauen zur Wahl gestellt haben.

          Haben Sie keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegenüber der Quote?

          Nein. Das Grundgesetz enthält den klaren Auftrag an den Staat, die Gleichstellung von Mann und Frau zu fördern. Es ist ganz wichtig, dass Frauen wissen, dass sie es an die Spitze der Wirtschaft schaffen können. Frauen in Top-Positionen werden die Sicht auf berufstätige Frauen und die Bewertung weiblicher Arbeit nachhaltig verändern. Die Hinzuverdienermentalität muss ein Ende haben, denn das führt zu Altersarmut, zu Renten, von denen niemand leben kann. Es darf nicht sein, dass am Ende nur die Frauen für die Fehler der Vergangenheit bezahlen.

          Die Fragen stellte Caroline Freisfeld.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          UN-Klimagipfel in New York : War das alles, Frau Merkel?

          Mit ihrem Klimapaket enttäuschte die Bundesregierung viele. Auch in New York steht Merkel unter Rechtfertigungsdruck. Sie verweist auf die Bevölkerung – und den Unterschied zwischen Politik und Wissenschaft.

          AKK in Amerika : Im Leer-Jet zum Pentagon

          Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer reist zum ersten Mal nach Washington. Ihr Terminplan überrascht – vor allem, wen sie alles nicht trifft.

          Pendlerpauschale : Habecks Eigentor

          Es sei doch sympathisch, wenn Politiker mal zugeben, dass sie keine Ahnung haben, heißt es. Das stimmt – bei Robert Habeck und der Pendlerpauschale aber ist es fatal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.