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Frauenquote : Die Aktionärinnen sind los

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Wenn Frauen die Köpfe zusammenstecken: Mit einer besonders treffsicheren Aktion wirbt der Deutsche Juristinnenbund für die Frauenquote. Bild: dapd

Eine Gruppe von Frauen mischt gezielt Hauptversammlungen auf und stellt unbequeme Fragen zur Gleichberechtigung. Ein Ortstermin in Essen.

          So schlimm ist Eon gar nicht. Eine Frau im Vorstand, zwei weitere auf der Anteilseignerseite im Aufsichtsrat. Das ist im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen relativ passabel, geben Sandra Buschmann* und Ebru Kaya* vom Deutschen Juristinnenbund (DJB) zu und finden es beinahe schade, dass die Journalistin sich ausgerechnet die Hauptversammlung des nordrhein-westfälischen Energieversorgers ausgesucht hat, um sie bei ihrer Aktion zu begleiten. Macht aber nichts, sagen sie. Drei Frauen – das reiche noch lange nicht. Und es gehe sowieso um etwas anderes.

          Worum es geht, ist Aufmerksamkeit. Buschmann und Kaya arbeiten für das Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ des Deutschen Juristinnenbundes. Sie und andere Frauen gehen auf Hauptversammlungen und konfrontieren den Vorstand und den Aufsichtsrat mit Fragen zur Gleichstellung in den Unternehmen.

          Sie gehen nicht zu einer, sondern zu über 70 Hauptversammlungen börsennotierter Aktiengesellschaften. Dafür reisen sie durch das ganze Land. Heute bei Eon ist auch noch Soziologin Jessica Schwittek dabei, ihr erstes Mal. Sie soll die Fragen stellen.

          Der Auftritt muss schlagkräftig sein, jeder Satz muss sitzen

          Aufmerksamkeit erregen die drei Endzwanzigerinnen schon durch ihr Alter. In Hundertscharen strömen weiße und graue Köpfe in die Grugahalle in Essen, vornehmlich Männer, um auf Tuchfühlung mit dem Management zu gehen – und um die kostenlosen Würstchen, Brötchen, Kaffee und Kuchen abzugreifen. Manche drehen sich ganz interessiert um und mustern in aller Seelenruhe das weibliche Trio.

          Neben den Kaffeekannen und Brötchenbergen stehen nun Kaya, Buschmann und Schwittek an einem Stehtisch im Kasino der Grugahalle und feilen am Manuskript für Schwitteks Auftritt.

          Eon-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Wenning und Vorstandschef Johannes Teyssen halten gerade ihre Eröffnungsreden, die aus der Haupthalle auch ins Kasino und sogar auf die Toiletten übertragen werden. Nur Buschmann hört mit einem Ohr zu. Die Jurastudentin sucht noch nach einem Stichwort für den „positiven Schlusssatz“. „Preis für grüne Energie – hat er das nicht gerade gesagt?“, fragt Buschmann. Das wäre ein schöner Ausstieg, findet sie.

          „Lieber Herr Dr. Teyssen, wir hoffen, dass Sie in das Thema ,Diversity’ von nun an so viel Energie stecken, dass Sie dafür auch bald Preise gewinnen.“ – „Sag lieber nicht ,Diversity’“, meint Ebru Kaya, die junge Anwältin aus Berlin. Diversität steht schließlich für vieles, den Anteil von Ausländern oder Menschen mit Migrationshintergrund in der Belegschaft oder unterschiedliche Altersgruppen.

          Die Politik unterstützt mit Geld statt Gesetz

          Die Organisation des Projekts ist straff, die Materialien zu den Hauptversammlungen minutiös vorbereitet und sorgfältig recherchiert. An diesem Donnerstag im Mai sind nicht nur Kaya, Buschmann und Schwittek für das Projekt im Einsatz. Auf fünf weiteren Hauptversammlungen im Bundesgebiet treten DJB-Frauen auf.

          Seit 2011 bekommt der DJB für seine Initiative Fördergeld vom Bundesfamilienministerium, Ministerin Kristina Schröder hat sie zum Bestandteil ihres „Stufenplans Frauen in Führungspositionen“ erklärt. Dabei haben die Deutschen Juristinnen und Schröder in einer elementaren Sache sehr verschiedene Ansichten: Der DJB spricht sich ganz klar für eine gesetzliche Frauenquote in Führungspositionen aus – Ministerin Schröder will die „Flexi-Quote“, bei der sich die Unternehmen selbst Ziele stecken.

          „Maue Ziele“, die die Unternehmen dann nicht einmal einhalten, so fasst Ebru Kaya die bisherige Bilanz von solchen Selbstverpflichtungen zusammen.

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