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Frauen und Karriere : Arroganz ist keine Pflicht

  • -Aktualisiert am

„Superman” kann alles - außer Unternehmen beraten Bild: dpa

250 freie Stellen gibt es bei McKinsey, aber zu wenig qualifizierte Bewerber. Das eröffnet beste Aussichten für Frauen mit Top-Uni-Abschlüssen. Auch Geisteswissenschaftlerinnen steht eine Karriere als Beraterin offen.

          „McKinsey-Mitarbeiter sind arrogante Männer Mitte 30, die graue Anzüge tragen und BWL studiert haben“, sagt Nicola Wagener. Herausfordernd blickt sie in die Runde von 30 jungen Frauen, die an zwei langen Tischreihen vor ihr sitzen. Und tatsächlich heben viele von ihnen erstaunt die Augenbrauen, schließlich ist Nicola Wagener selbst Beraterin bei McKinsey & Company.

          Wageners Provokation ist kalkuliert, denn ihre Firma hat ein Problem: Das Klischee vom zugeknöpften Berater-Supermann hält viele bestens qualifizierte Frauen davon ab, sich bei McKinsey zu bewerben. Das soll sich ändern, denn das Unternehmen wächst und sucht Verstärkung - gerade auch weibliche. „Von den 1.100 in Deutschland tätigen Beratern sind momentan nur 17 Prozent Frauen“, erklärt Nicola Wagener. Um Frauen zu werben, den Prozentsatz zu verdoppeln, legt sich McKinsey - wie auch andere Firmen - mächtig ins Zeug (lesen Sie Firmenkontakte und Lebensberatung: Von Frau zu Frau zum Job).

          Jenseits der Klischees

          Ein dreitägiger Karriereworkshop nur für Frauen soll den vermeintlichen Machokonzern für die Damenwelt attraktiv machen. „Du hast die Wahl“ lautet das Motto, versprochen wird neben Hilfestellung bei Karriereplanung und Networking auch die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit Frauen in Spitzenpositionen. McKinsey will sich „jenseits des Klischees“ von seiner guten Seite zeigen. Um den Anschein zu vermeiden, dass der Workshop in Berlin eine reine Rekrutierungs-Veranstaltung sein könnte, hat sich McKinsey die „Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft“ (EAF) mit ins Boot geholt. Die soll „glaubwürdig die Frauenförderung“ vertreten und gleichzeitig Studentinnen aus exotischerenn Fachrichtungen ansprechen, die für die Berater interessant erscheinen. Gemeint sind Naturwissenschaftlerinnen, aber vor allem Geisteswissenschaftlerinnen, von denen die wenigsten auf die Idee kommen, dass sie zu McKinsey passen könnten oder McKinsey zu ihnen.

          Exotinnen erwünscht

          Wie etwa Anna Kristina Schrade: Die 21-Jährige ist eine der 30 Auserwählten - mehr als 600 Frauen haben sich laut McKinsey für den Workshop beworben. Anna studiert in Augsburg „Europäische Kulturgeschichte“ und hat die Beraterfirma bisher für eine Betriebswirtschaftler-Domäne gehalten. Sie ist aber gern bereit, sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Ihr erster Eindruck bei der offiziellen Vorstellungsrunde ist positiv. „Ich hab befürchtet, dass alle sehr steif sind und arrogant, aber das ist überhaupt nicht so.“

          Ihre Mitstreiterinnen sind zwischen 20 und Anfang 30 und kommen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, es sind Juristinnen, Psychologinnen und auch einige Betriebswirtinnen. Manche sind noch mitten im Studium, andere haben es bereits abgeschlossen und arbeiten oder promovieren. Doch so bunt gemischt die Gruppe der Frauen erscheint, so ähnlich sind die Probleme und Fragen, die sie beschäftigen: „Wie lassen sich Familie und Arbeit miteinander verbinden? Wie finde ich bei all den Möglichkeiten den Beruf, der meinen Fähigkeiten am ehesten entspricht? Wie kann ich meine Karriere am besten planen?

          Für Antworten sollen hochkarätige Dozentinnen sorgen: Martina Niemann, Leiterin der Personalplanung bei der Deutschen Bahn AG, Barbara Schaeffer-Hegel, Vorstandsvorsitzende der EAF und McKinsey-Beraterin Bettina Orlopp wollen die Teilnehmerinnen in die Geheimnisse ihres Erfolges einweihen.

          Nicht ohne blaue Flecken

          Die Generalsekretärin der Max-Planck-Gesellschaft, Barbara Bludau, lädt zu einem abendlichen „Kamingespräch“. Während das virtuelle Kaminfeuer virtuell auf einem Flachbildschirm flackert, liefert die promovierte Juristin echte Erfahrungen: Ohne blaue Flecken komme man nicht davon, weder beruflich noch privat, warnt sie die jungen Frauen und rät ihnen deshalb zu einer soliden Ausbildung, zu Mut und Risikobereitschaft. „Wichtig ist, dass Sie sich genau überlegen, was und wohin Sie wollen.“

          Hilfe bei dieser Entscheidung will die EAF bieten und schickt die Teilnehmerinnen am nächsten Tag beim „Zielfindungsworkshop“ ins Rennen um die klarste Lebensplanung. „Prioritäten setzen und das Ziel immer wieder neu fokussieren.“ Für EAF-Geschäftsführerin Helga Lukoschat liegt darin der Schlüssel zum Erfolg. Sicher richtig, meint Anna Kristina Schrade. Sie selbst will sich im Moment aber noch gar nicht so genau festlegen. „Ich möchte erst mal schauen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.“

          Da wäre das Fellowship-Programm von McKinsey: Akademiker mit einem Uni-Diplom oder Master-Abschluss können als „Fellow“ in die Firma einsteigen und zunächst zwei Jahre als Berater arbeiten. Im Anschluss daran können sie sich bei voller Bezahlung für ein Jahr freistellen lassen und ihre Doktorarbeit schreiben oder ihren MBA-Abschluss machen. „Eine sehr interessante Sache“, findet Anna und wartet nun umso gespannter auf den nächsten Programmpunkt.

          Fallstudie aus dem Alltag

          Anhand einer realen Fallstudie, die alle gemeinsam durchspielen, sollen die Teilnehmerinnen mit dem Alltag einer McKinsey-Beraterin konfrontiert werden. „Jetzt kommt's drauf an, passt das für mich oder nicht“, sagt Anna und geht eifrig an ihre Aufgabe: Ein Opernhaus in der Provinz soll vor der Schließung bewahrt werden. In Teamarbeit lernen die Teilnehmerinnen, das Problem zunächst genau zu benennen und zu analysieren, um dann dem Kunden ihre Lösungsvorschläge zu präsentieren. Verkehrte Welt: Während sich die jungen Frauen in dem Rollenspiel als Beraterinnen versuchen, spielen die McKinsey-Frauen mit großem Vergnügen ihre kritischsten Kunden.

          A propos Alltag: Am Ende erinnert sich eine Teilnehmerin an die McKinsey-Männer: „Ich hätte es gut gefunden, wenn bei der Fallstudie auch männliche Berater dabei gewesen wären“, sagt sie. „Schließlich ist das im echten Leben auch so.“

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