https://www.faz.net/-gyl-81imx

Menschen in Führungspositionen : Frauen so ehrgeizig wie Männer

  • Aktualisiert am

Arbeitstiere: Frauen investieren rund zwei Drittel ihrer Zeit in den Beruf, so eine aktuelle Umfrage - und somit mehr, als die befragten Männer. Bild: dpa

Noch immer fehle es Frauen an Zielstrebigkeit und dem nötigen Biss, um in Führungspositionen auf hohem Niveau zu kommen, so die Meinung mancher. Eine Umfrage unter Managern ergibt das Gegenteil.

          Weibliche Führungskräfte haben einen ebenso hohen Karriereehrgeiz wie männliche Führungskräfte. Während rund die Hälfte der Männer stetig weiter aufsteigen und das Maximum in ihrer Karriere erreichen möchten, wollen dies auch 51 Prozent der Frauen. Dabei streben Frauen vor allem eine Position auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene in einem mittelständischen Unternehmen sowie eine hohe Vergütung an.

          Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der internationalen Personalberatung Odgers Berndtson, an der mehr als 2.000 Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz teilgenommen haben. „Das Ergebnis unserer Studie widerspricht der verbreiteten Annahme, dass Frauen nicht ehrgeizig oder zielstrebig genug seien, um in eine Top-Führungsposition zu gelangen“, sagt Veronika Ulbort, Partner bei Odgers Berndtson und Leiterin der Studie.

          Im Gegenteil: „Die von uns befragten Managerinnen investieren mit rund zwei Drittel ihrer Zeit sogar mehr für den Beruf als ihre männlichen Kollegen, die knapp 62 Prozent ihrer Zeit am Arbeitsplatz verbringen. Den karrierewilligen Frauen in Deutschland wird die gerade verabschiedete, gesetzliche Frauenquote deshalb den notwendigen Rückenwind geben“, so Ulbort weiter.

          Jünger, häufiger ledig und seltener Kinder

          Den hohen Karriereehrgeiz weiblicher Führungskräfte unterstreicht auch die sichtbare Unzufriedenheit der Managerinnen mit ihrer aktuellen beruflichen Situation. Nur 35 Prozent der Frauen sind mit ihrer bisher erreichten Verantwortung und Hierarchieebene zufrieden. Bei den Männern sind dies immerhin 41 Prozent. 73 Prozent der befragten karriereorientierten Frauen streben vor allem eine Position auf Vorstands‐ oder Geschäftsführungsebene eines mittelständischen Unternehmens an. Auffällig ist dabei, dass sie ein geringeres Interesse daran haben, unternehmerisches Risiko zu übernehmen.

          Lediglich 32 Prozent der Frauen, die stetig weiter aufsteigen wollen, möchten in eine (Mit-)Gesellschafterrolle eintreten, während dies fast die Hälfte der karrierewilligen Männer anstreben. Eine möglichst hohe Vergütung zu erzielen spielt dagegen für Frauen mit 41 Prozent eine deutlich größere Rolle als für Männer mit 32 Prozent. „Da weibliche Führungskräfte im Schnitt immer noch weniger verdienen als männliche, haben Frauen beim Thema Gehalt einen Nachholbedarf“, so Ulbort.

          Weibliche Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind im Schnitt 47 Jahre alt und damit rund zwei Jahre jünger als der Durchschnitt der männlichen Führungskräfte. 35 Prozent der Frauen und 38 Prozent der befragten Männer verfügen neben ihrem Hochschulabschluss über eine akademische Zusatzausbildung wie eine Promotion oder einen MBA, dennoch befinden sich Frauen noch mehrheitlich in Positionen des unteren und mittleren Managements. 72 Prozent der befragten Frauen sind zudem nicht verheiratet oder in einer festen Partnerschaft lebend und nur 36 Prozent haben Kinder. Hingegen sind 92 Prozent der befragten Männer verheiratet oder leben in einer festen Partnerschaft und 80 Prozent von ihnen haben Kinder.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kann man dem Pessimismus gegenüber der Welt irgendwie entkommen?

          Gute Nachrichten : Die Welt ist gar nicht so schlecht

          Steigende Ungleichheit, Umweltkatastrophen und Terrorismus: Oft hat man das Gefühl, dass die Welt schlechter wird – doch in Wahrheit wird sie besser. Wir wollen das nur nicht glauben.

          Brexit-Debakel : Jetzt wird der Brexit lästig

          Nach der Chaos-Woche in London steht die britische Regierung jetzt endgültig im Regen. Doch politisch sind viele Akteure Lichtjahre voneinander entfernt. Wie lange noch?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.