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Frauen auf dem Chefsessel : Allein unter Männern

  • -Aktualisiert am

Oft allein auf weiter Flur: Margret Suckale Bild: AP

Eine Frau in der Führungsriege großer Unternehmen sucht man auch im Jahr 2008 vielerorts vergebens. Von drei Managerinnen, die es geschafft haben - jede auf ihre Weise.

          Margret Suckale hat Seltenheitswert. Wer in Deutschland nach Frauen in Führungspositionen sucht, kommt an ihr nicht vorbei. Lange war sie als Personalvorstand der Deutschen Bahn AG die einzige Frau unter den rund 550 Vorstandsmitgliedern der hundert umsatzstärksten deutschen Konzerne. Im Juni wechselte sie als Personalvorstand zur Bahn-Tochtergesellschaft DB Mobility Logistics AG, die privatisiert werden soll. Meist fällt in der Riege der weiblichen Top-Managerinnen noch der Name Bettina von Oesterreich, Vorstandsmitglied der Hypo Real Estate, eines der dreißig größten börsennotierten Unternehmen. Ingrid Matthäus-Maier, immerhin bis April Vorstandssprecherin der staatseigenen KfW-Bankengruppe, gehört inzwischen der Vergangenheit an.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Wer sich mit dieser mageren Ausbeute nicht begnügen will, muss schon ein wenig schummeln. Im Ausland sind die Frauen oft viel weiter. Selbst in Ländern wie Ägypten, die nicht gerade für ihre jahrzehntelange Gleichstellungspolitik bekannt sind, haben es Frauen wie die Telekom-Managerin Sanaa Soliman schon weiter gebracht als die meisten ihrer Geschlechtsgenossinnen hierzulande. Auch die deutschen Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen haben in dieser Hinsicht mehr zu bieten: Renate Bloß-Barkowski zum Beispiel. Die 56 Jahre alte Managerin ist Vorstandsmitglied der SEB AG, der deutschen Tochtergesellschaft der gleichnamigen schwedischen Großbank. Von ihrem geräumigen Büro im elften Stock des SEB-Turms in der Frankfurter Innenstadt schaut sie auf die großen Wolkenkratzer ihrer Wettbewerber: Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank, nirgendwo sitzt derzeit eine Frau in ähnlich hoher Position. Margret Suckale kann dagegen aus ihrer großen Fensterfront in ihrem Berliner Büro am Potsdamer Platz direkt auf das Kanzleramt und den Reichstag sehen - ein adäquater Ausblick für eine Managerin, die einen Teil des Staatskonzerns mit an die Börse bringen soll.

          „Ich war nie in Wartestellung“

          Auf die Frage nach einem Patentrezept für den Aufstieg erntet man häufig lediglich Schulterzucken. Zu individuell ist der jeweilige Hintergrund, zu eigenwillig die beruflichen Entscheidungen, die sie dahin geführt haben, wo sie jetzt sind. "Mein Werdegang ist eigentlich nicht sonderlich spannend", sagt Bloß-Barkowski. "Ein bisschen verrückt vielleicht, aber jedenfalls auch nicht wiederholbar." Doch zumindest eins verbindet die drei Frauen: Sie haben alle Chancen genutzt, die sich ihnen boten - doch knallhartes Kalkül scheint nicht dabei gewesen zu sein.

          Die ägyptische Managerin Sanaa Soliman

          Schnell drängt sich der Verdacht auf, dass es bei diesen Managerinnen jedenfalls nicht in der Schröderschen Manier gelaufen ist. Bloß-Barkowski hat eben nicht wie der ehemalige Bundeskanzler an der Tür ihres Vorgängers gerüttelt und geschrien: "Ich will hier rein." Eher im Gegenteil: Schritt für Schritt hat sich die jugendlich wirkende Frau hochgearbeitet, bis ihr irgendwann die oberste Tür aufgestoßen wurde. "Ich war nie in Wartestellung und habe überlegt, wie ich mich für meine Karriere am besten profilieren kann", erzählt die Managerin, die die Woche stets mit einem frischen Blumenstrauß auf dem Tisch beginnt. Fröhlich und unkonventionell wirkt sie an diesem heißen Sommertag. "Es hat immer das ,Hier und Jetzt' gezählt." Im Laufe der Jahre sei sie immer wieder gefragt worden, ob sie nicht Spaß daran hätte, etwas anderes zu machen. "Jedes Mal habe ich erst gezögert und dann aber zugesagt", sagt sie. Bereut habe sie die neuen Schritte nie: "Ich habe mich dann stets voll eingebracht und den neuen Job sehr gerne gemacht."

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