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Karrieren in der Buch-Branche : Hurra, wir lesen noch

  • -Aktualisiert am

Marktplatz in Frankfurt: Autoren und Agenten auf der Buchmesse. Bild: Esra Klein

Immer wieder wurde das Ende des Buches vorausgesagt. Doch die Branche mit ihren vielseitigen Berufen lebt und zeigt auf der Buchmesse,wie sie sich neu erfindet.

          Als Kim Schmidt 1983 begann, für das Flensburger Wochenblatt „Moin Moin“ zu zeichnen, war der 18 Jahre alte Schüler noch ein Exot. „Bis dahin hatte es in dieser Zeitung nicht einmal eine Karikatur gegeben“, erinnert er sich. „Dass sie damals meine Comics veröffentlichte, war fast revolutionär.“ Er dachte darüber nach, aus dem Job einen festen Broterwerb zu machen. Kurse für angehende Comiczeichner gab es damals kaum. Ein Graphik-Design-Studium müsste wohl passen, überlegte Schmidt. Er stellte eine Mappe mit Arbeitsproben zusammen und bewarb sich an mehreren Hochschulen. „Damals nahm in Deutschland fast niemand Comics ernst“, sagt er. „Deshalb erhielt ich nur Absagen. Nur eine Hochschule lud mich zur Aufnahmeprüfung ein. Aber dann folgte eine Absage.“

          Schmidt begann ein Lehramtsstudium, das er allerdings abbrach. Seit Mitte der neunziger Jahre kann der Mann aus Schleswig-Holstein von seiner Kunst leben. Heute ist er gut im Geschäft. Vier Verlage haben seine Bücher veröffentlicht, und er leitet Workshops für angehende Comiczeichner. Für diese Zielgruppe hat er auch diverse Lehrbücher verfasst und die Website comiczeichenkurs.de eingerichtet. Dort antwortet er auf Fragen wie „Welches Zeichenwerkzeug soll ich mir zulegen?“

          Es sind vor allem junge Männer, die sich für diese Kunst begeistern, erzählt Schmidt. „Von denen höre ich bisweilen: ,Wenn ich mein erstes Buch bei einem großen Verlag untergebracht habe, dann habe ich es wohl geschafft‘“. Seiner Ansicht nach reicht das nicht aus. Ein professioneller Comiczeichner brauche eine Geschäftsidee, die über mehrere Jahre trägt.

          Bunter, lauter, schneller

          Nach „Asterix und Obelix“, den japanischen Mangas oder dem Erfolg der Graphic Novels, der Comicromane, sind Comics aus den Regalen deutscher Buchhandlungen inzwischen nicht mehr wegzudenken. Die Welt der Bücher ist generell bunter und lauter und schneller geworden. Viel effektvoller als vor 20 Jahren wird die Ware lanciert. Dazu gehören auch verkaufsfördernde Artikel, die parallel zu einzelnen Büchern auf den Markt kommen - etwa Tassen, Taschen oder Kalender mit Figuren und Motiven aus diesem Roman. Manches Werk erlangt Weltruhm oder wird wenigstens im deutschsprachigen Raum zu einem Bestseller, so wie das 2014 erschienene Buch „Darm mit Charme“, geschrieben von der Wissenschaftlerin Guilia Enders.

          „Das Geschäft konzentriert sich stärker auf Spitzentitel als früher“, sagt Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Viele dieser Bestseller seien umfangreich, egal, ob es sich um Belletristik oder ein Sachbuch handelt. 800 und mehr Seiten haben sie, obwohl man annehmen könnte, dass der Leser in Zeiten von Twitter und Whats-App eher 150 Seiten bevorzugt - sofern er überhaupt noch zu einem Buch greift. Doch die Menschen lesen nach wie vor, das zeigen die Umsätze der Branche. Nach Angaben des Börsenvereins liegen sie bei knapp 9,2 Milliarden Euro pro Jahr. Einzelne Spitzentitel lassen sie durchaus mal um eine halbe Million Euro pro Jahr in die Höhe schnellen, worauf sie dann rasch wieder sinken. Ein solcher Höhepunkt war vor fünf Jahren das Sado-Maso-Drama „Shades of Grey“.

          „Noch vor ein paar Jahren wurde in unserer Branche das Ende des Buches vorausgesagt“, erinnert sich Monika Kolb-Klausch. Doch das ist nicht eingetroffen. „Die Verlage müssten sich allerdings darauf einstellen, ihre Leser mit mehr Formaten zu erreichen.“ Hatte der Kunde früher bei einem Titel die Auswahl zwischen Hardcover und Taschenbuch, kann er nun oft auch ein Hörspiel oder Hörbuch kaufen und zudem den Text auf ein elektronisches Gerät laden. E-Books machen in Deutschland übrigens nur 4,5 Prozent des Umsatzes aus, 2015 in etwa so viel wie 2014. Doch sie sind wichtig, gerade um Jüngere fürs Lesen zu begeistern.

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