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Co-Working : Mehr als W-Lan und Latte macchiato

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Unternehmen wie Siemens, Allianz oder die Sparda-Bank reagieren auf die sich verändernden Arbeitsplatz-wünsche ihrer Mitarbeiter. Auch bei den Immobilienvermietern zeigen sich erste Ansätze, flexibles Arbeiten bei der Gestaltung der Bürogebäude von vornherein mitzudenken. Für ihr Bürokonzept „The Plant“ etwa kauft die Investitionsgesellschaft Union Investment Immobilien auf. Die dort schon eingemieteten Unternehmen und ihre Mitarbeiter dürfen bleiben, die Immobilien stattet The Plant mit zusätzlichen Angeboten wie Grünflächen, Restaurants und Glasfaserleitungen für schnelles Internet aus. So wurden schon ehemalige Fabrikgelände in Konstanz, Nürnberg und Fürth modernisiert, ein Standort in Mannheim soll folgen. „Wir wollen, dass der Standort floriert und die Mitarbeiter bleiben“, sagt die Mitinitiatorin von The Plant, Cristina Bäppler.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsse den Mitarbeitern eine „persönliche Erfahrung“ geboten werden. Doch gerade kleinere Unternehmen hätten häufig nicht die Mittel für eine aufwendige Infrastruktur. „Wir wollen eine diversifizierte Mieterstruktur fördern“, so Bäppler. Aus diesem Grund bietet The Plant in den Immobilien zu einem kleinen Teil auch Co-Working-Büros an. Im The Plant Konstanz werden neben Schreibtischen auch voll ausgestattete Laborplätze kleinteilig vermietet. Davon würden insbesondere Start-ups und kleine Unternehmen aus der Biotechnologie-Branche profitieren, die sich die teure Laborausstattung selten leisten könnten.

Der Trend schwappt in viele Branchen

Grundsätzlich schwappt der Co-Working-Trend neuerdings immer weiter in Branchen, in denen keine Schreibtischarbeit gefragt ist: In Frankfurt am Main beispielsweise residiert „Tatcraft“, ein sogenannter „Makerspace“ – das ist ein 1500 Quadratmeter großer Gerätepark. Einen riesigen industriellen 3D-Drucker gibt es hier beispielsweise, ebenso wie digitale CNC-Fräsen und eine Wasserstrahlschneidanlage zur Verarbeitung von Metall, Stein und Glas. Zielgruppe: Gestalter, Möbeldesigner, Bastler. Und in San Diego bietet „Weshare MD“ sogar Arztpraxen zur „Ausleihe“ an Mediziner verschiedener Disziplinen, die sich keine eigenen Praxisräume leisten wollen. Bezahlt wird in 4-Stunden-Blöcken.

Trotz aller Vorteile, die Co-Working Spaces bieten – ein „Allheilmittel“ seien sie nicht, sagt Dozentin Agnes Müller. Sie weist darauf hin, dass die starke Ausbreitung der Co-Working Spaces andere kulturelle Einrichtungen oder Gewerbe verdrängen könnten, etwa durch steigende Mieten. Und es gebe einen weiteren Nachteil: „Das Netzwerken, das die Betreiber immer sehr positiv darstellen, passiert nicht von alleine“, so Müller. Sich in der Gemeinschaft einzubringen sei nicht jedermanns Sache: „Co-Working ist kein Selbstläufer und nicht für jeden die richtige Wahl.“

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