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Co-Working : Mehr als W-Lan und Latte macchiato

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Ob Arbeitsräume für Eltern, Frauen oder Haustierbesitzer – der Trend geht zur kleineren Zielgruppe. „Neu entstehende Büros versuchen, sich durch Spezialisierung hervorzutun und neue Bedürfnisse anzusprechen“, sagt Agnes Müller, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Entwerfen und Städtebau der Leibniz Universität Hannover. Für ihre Dissertation untersuchte sie die Co-Working-Szene in Berlin. Schon 2011 habe es spezielle Büros für Filmemacher oder mit Werkstätten gegeben, so Müller. Derzeit verstärke sich der Trend zur Spezialisierung. Außerdem sei die temporäre Vermietung von Arbeitsplätzen durch große kommerzielle Anbieter wie Wework professioneller geworden. Das amerikanische Unternehmen betreibt alleine in Deutschland neun Co-Working Spaces, wie sein israelischer Konkurrent Mindspace agiert es auf der ganzen Welt. Die Arbeitsplätze an zentralen Standorten in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München sind nicht billig: Ein fester Schreibtisch kostet bei Wework zwischen 350 und 480 Euro im Monat. In Frankfurt, Berlin und Hamburg ist Wework, gemessen an der vermieteten Fläche, einer Studie der Immobilienberatung Colliers zufolge schon der größte Anbieter von Co-Working-Büros. Die Räume von Wework nutzen jedoch nicht nur Selbstständige und Start-ups, sondern auch immer mehr große Konzerne.

„Mit der zunehmenden Verbreitung haben sich vermehrt Unternehmen in die Co-Working-Spaces eingemietet“, sagt Architektin Dewi Schönbeck. In den gemieteten Räumlichkeiten gebe es jedoch kaum Gestaltungsmöglichkeiten, daher würden viele Unternehmen nun ihre eigenen flexiblen Arbeitsplätze schaffen. Das Beratungsunternehmen CSMM betreut Unternehmen bei der Gestaltung moderner Büros. Für Siemens entstand im Münchner Stadtteil Neuperlach ein unternehmenseigener Co-Working Space. Auch in der 2016 fertiggestellten Global Digital Factory der Allianz können internationale Mitarbeiter für ein paar Wochen Arbeitsplätze buchen, um dort gemeinsam Ideen zu entwickeln. „Die Unternehmen wollen den Mitarbeitern eine inspirierende Umgebung bieten, die einen informelleren Charakter hat. Dort werden Innovationen gesponnen“, so Schönbeck.

Eine ganze Bankfiliale im Co-Working-Space

Auf der „Magistrale“ im Zentrum von Frankfurt an der Oder eröffnete Anfang Oktober der Co-Working Space „Blok O“. Geführt wird er zunächst von den Betreibern des St. Oberholz, das als eines der ersten deutschen Co-Working-Büros schon 2005 in Berlin gegründet wurde. Ein Arbeitsplatz im Blok O kostet 15 Euro am Tag, ein Monatsticket 79 Euro – und es gibt guten Kaffee. Soweit nichts Besonderes. Im April 2019 soll jedoch zusätzlich zu den kurzfristigen Mietern eine ganze Filiale der Sparda-Bank Berlin in die Räume einziehen. Blok O sei ein „Prototyp“; bei der Kooperation mit dem St. Oberholz handele sich um „ein Experimentierfeld für neue Ideen und die Zukunftsausrichtung unserer Bank“, heißt es bei der Sparda-Bank. Für vertrauliche Gespräche mit den Kunden gebe es abgetrennte Räume, alle anderen Serviceleistungen einer Bankfiliale sollen im Blok O ebenfalls möglich sein.

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