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Flexible Arbeitszeiten : Den Männern fällt das Abschalten schwerer

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Männer machen eher Überstunden, frauen holen eher die Kinder aus der Kita ab. Bild: Picture-Alliance

Ist flexibles Arbeiten super - oder super stressig? Darüber scheiden sich die Geister. Hier ist ein neuer Aspekt: Anscheinend kommt es bei dieser Frage auch auf das Geschlecht der Arbeitnehmer an.

          In einer Zeit, in der immer mehr Beschäftigte selbst darüber entscheiden können, wo und wann sie ihre Arbeitsleistungen erbringen, rückt eine Frage mehr und mehr in den Vordergrund: Ist das flexible Arbeiten, eher ein Fluch oder ein Segen? Überwiegen die Vorteile – etwa leichtere Vereinbarkeit mit Kindergarten-Abholzeiten? Oder die Nachteile – etwa, dass Smartphone und Laptop theoretisch immer verfügbar sind und die Berufstätigen gar nicht mehr abschalten können?

          Für beides hat es in vergangenen Studien Argumente gegeben: So hat erst kürzlich ein gemeinsames Forschungsprojekt von Arbeitsministerium und Uni Freiburg ergeben, dass ständige Erreichbarkeit zu deutlich höherem Stressempfinden führt, selbst dann, wenn der Arbeitnehmer sehr flexibel agieren kann und auch, wenn beispielsweise Unterbrechungen der Freizeit am Wochenende unter der Woche nachgeholt werden können. Dagegen konnten das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und die Uni Köln schon vor zwei Jahren in einer gemeinsamen Forschungsarbeit zeigen: Beschäftigte, die flexibel arbeiten, fühlen sich ihrem Betrieb eher verbunden, sie empfinden tendenziell eine höhere Arbeitszufriedenheit und bewerten ihre Gesundheit eher positiv.

          Was stimmt nun? Ein aktuelles Arbeitspapier der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung hat jedenfalls einen ganz neuen Aspekt herausgearbeitet: Offensichtlich können Frauen deutlich besser mit dem flexiblen Arbeiten umgehen als Männer. Oder anders herum ausgedrückt: Männer können schlechter abschalten.

          „Generell profitieren Frauen stärker von flexiblen Arbeitszeiten“

          Für ihre Untersuchung wertete die Forscherin Yvonne Lott Angaben von gut 10.000 Personen aus der Haushaltsbefragung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) der Jahre 2011 und 2012 aus. Insgesamt kam sie zu dem Ergebnis, dass das Abschalten den Arbeitnehmern bei völlig selbstbestimmten Arbeitszeiten schwerer fällt als bei festen Zeiten. Allerdings: Dieser Effekt war nur  bei den Männern zu beobachten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 40 Prozent, dass sie abends nicht zur Ruhe kommen, elf Prozentpunkte höher als bei Männern mit festen Arbeitszeiten. „Generell profitieren Frauen stärker von flexiblen Arbeitszeiten als Männer“, hält Lott fest.

          Dies führt die Forscherin darauf zurück, dass gerade Männer dazu neigen, ohne vorgegebene Grenzen übermäßig lange zu arbeiten. Frauen seien hingegen „typischerweise geübtere Grenzgängerinnen“ als Männer, so Lott. Sie nutzten die zeitliche Flexibilität statt für unzählige Überstunden eher, um Hausarbeit und Erziehungs- oder Pflegetätigkeiten mit dem Beruf unter einen Hut zu bringen.

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