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Fitness-Wettbewerbe im Büro : Schritte zählen für den Chef

Ganze Geschäftsmodelle beruhen auf Fitness-Wettbewerben

Mittlerweile gibt es sogar schon ein Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, Gesundheits-Challenges für Unternehmen auszurichten, so dass die Chefs kaum noch etwas organisieren müssen: Der Anbieter „Virgin Pulse“ verkauft vorgefertigte Challenge-Programme, die nur mit Hilfe von Wearables funktionieren. Arbeitnehmer treten in Siebenergruppen gegeneinander an und laufen, schlafen oder entspannen um die Wette. Das Konzept ist einfach: Der innere Schweinehund überwindet sich leichter, wenn die Ergebnisse ständig sichtbar und andere von den eigenen Ergebnissen abhängig sind. Zwar erfahren Kollegen und Chefs nichts über die individuellen Fitness-Leistungen eines Arbeitnehmers. Doch jeder will sich anstrengen, um die anderen nicht mit herunterzuziehen. Die Fitness-Armbänder laden zur ständigen Selbstkontrolle ein, die Gruppendynamik erledigt das Übrige. Auch viele deutsche Unternehmen haben schon angebissen und das Paket von Virgin Pulse gekauft, darunter bekannte Namen wie Siemens, Merck und Fraport.

„Während so eine Fitness-Challenge lief, bin ich im Arbeitsalltag immer nur die Treppe gegangen, anstatt den Fahrstuhl zu nehmen“, sagt Birgit Sundermeier. „Oder man schaut beim Kollegen im Büro vorbei, anstatt eine E-Mail zu schicken.“ Sundermeier und ihre Kollegen haben sich sogar noch mehr ins Zeug gelegt. „Wir haben uns in der Mittagspause zum Spazierengehen verabredet und in der Freizeit zum Wandern im Siebengebirge.“ Gewonnen hat am Ende eine Kollegin, die privat sehr viel joggt und außerdem einen Hund hat, den sie regelmäßig ausführen muss. „Aber wir alle haben unsere Schrittzahl richtig nach oben gebracht“, sagt Sundermeier. „Im normalen Büroalltag macht man so etwa 3000 Schritte am Tag. 6000 sollte man aber eigentlich mindestens laufen, erst ab 10 000 tut man etwas für die Gesundheit.“ Sundermeier, ihre Kollegen und die Mitarbeiter der Nachbarunternehmen haben durch die Wearables ihren Ehrgeiz entdeckt. „Das macht einfach riesigen Spaß“, fasst Sundermeier zusammen. „Wenn die Hälfte des Wettbewerbs vorbei ist, veröffentlichen wir immer, welcher unserer Mitarbeiter wo steht. Das spornt so richtig an.“

Die Freiwilligkeit ist entscheidend

Datenschützern hingegen sträuben sich bei solchen Aktionen regelmäßig die Haare. Tim-Oliver Ritz etwa ist Datenschutzfachmann bei „Intersoft Consulting Services“, einem Beratungsunternehmen, das Unternehmen externe Datenschutzbeauftragte zur Verfügung stellt. „Wearables wie Schrittzähler oder Fitness-Armbänder sind in der Lage, höchst persönliche Gesundheitsdaten zu erfassen, die erst einmal nicht in die Hand von Arbeitgebern gehören“, sagt er. „Es sei denn, das geschieht freiwillig.“

Und das ist genau der Knackpunkt: Grundsätzlich gilt, dass Unternehmen Daten natürlich nur dann bekommen, wenn der Mitarbeiter sie preisgibt. Das gilt etwa für den Lebenslauf, Angaben im Personalbogen - die Grunddaten. Sie sind für das Beschäftigungsverhältnis „erforderlich“, dürfen daher gemäß Bundesdatenschutzgesetz erhoben werden. Bei Gesundheitsdaten ist das oft etwas anderes. Selbst bei einer Tauglichkeitsüberprüfung durch den Arzt wandern Diagnosedaten nicht in die Hände des Arbeitgebers, sagt Marcus Kamp, Partner in der Kanzlei Fieldfisher in Düsseldorf. Mitgeteilt wird nur, ob der Kollege tauglich ist oder nicht, etwa wenn es um körperliche Arbeiten geht.

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