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Fitness für die Arbeit : Privataudienz statt Muckibude

  • -Aktualisiert am

Personaltrainer Claus Wenz (links) zeigt Dirk Ebeling den richtigen Umgang mit den Hanteln Bild: Marcus Kaufhold

Fitnessstudio ade - viele Führungskräfte lassen sich lieber von Personal Trainern fit halten. Eine kostspielige Investition, die in die Tausende geht. Doch sie lohnt sich, sagen die Manager.

          Die Zeiten, in denen Dirk Ebeling Personal Training für dekadent befand, sind vorbei. Seit einem Vierteljahr trainiert der Inhaber der Heico Unternehmensgruppe dreimal in der Woche mit seinem persönlichen Coach Claus Wenz. Im Fitnessstudio schwitzt er während des Ausdauertrainings auf dem Laufband und beißt während des Gewichtestemmens die Zähne zusammen. "Ich plane diese Termine wie Arzttermine fest ein", sagt der 57 Jahre alte Unternehmer. Seit er so konsequent trainiert, hat er fünf Kilogramm abgenommen, und obwohl seine 60-Stunden-Woche nun noch um fünf Trainingsstunden länger geworden ist, fühlt er sich leistungsfähiger. "Ich habe früher viel mehr Zeit im Fitnessstudio verbracht und bei weitem nicht die heutigen Erfolge verzeichnet", sagt Ebeling. Der Termin mit Wenz hilft ihm, die Trainingsdisziplin zu erhalten, denn so richtig gerne macht er keine der Übungen, mit denen ihn sein Coach "quält". Aber: "Die Kraft und Energie, die ich durch mein Training gewinne, kommt meinem Unternehmen in vollem Umfang zugute."

          Auch für Manfred Tebbe, Inhaber des Familienbetriebs Watema, ist der Sport mit Trainer Wenz wichtig für den beruflichen Erfolg und für eine bessere Lebensqualität. Nach einem Herzinfarkt und der zugleich festgestellten Diabeteserkrankung stand für den heute 66-Jährigen beides auf der Kippe. Vor zwei Jahren hat er sich dafür entschieden, seine Gesundheit künftig genauso konsequent zu beeinflussen wie seine Geschäfte. Der Erfolg ist auf seiner Seite: Anstatt der einst vier bis fünf Insulinspritzen am Tag benötigt er täglich nur noch ein bis zwei Spritzen. "Ich bin unabhängiger und habe jetzt auch keine Angst mehr, im Alter nur noch auf der Couch zu hängen."

          Nicht billig, aber effizient

          Es sind vor allem solche gesundheitlichen Gründe sowie der Wunsch nach einem effizienten Training innerhalb eines straff organisierten Tagesablaufs, die meist Besserverdienende dazu veranlassen, sich für ein individuell betreutes Training zu entscheiden. Hinzu kommt die direkte Kontrolle des Trainers und die Hoffnung, auf diese Weise die eigene Bequemlichkeit zu überwinden. Dies belegen die Ergebnisse einer Studie, die 2006 am Zentrum für Gesundheit (ZfG) der Deutschen Sporthochschule Köln durchgeführt wurde. Untersucht wurde, weshalb sich ein Mensch, umgeben von zahllosen Fitnessangeboten, überhaupt für einen Personal Trainer entscheidet.

          Ran an die Hanteln: Kein Erfolg ohne Qual

          "Dabei zeigt sich auch die Tendenz, dass immer mehr Normalbürger oder bestimmte Zielgruppen - etwa stark übergewichtige Menschen - den Personal Trainer aufsuchen", sagt Ingo Froboese, Leiter des ZfG. Besonders wichtig für die Trainerwahl sind die Sympathie und das Vertrauen zum Coach. Selten suchen sich die Nutzer einen qualifizierten Fachmann, indem sie gezielt verschiedene Angebote miteinander vergleichen. Viel wichtiger sind Aussagen von Freunden oder Geschäftspartnern. "Gute Personal Trainer findet man nur über Mundpropaganda, die Empfehlung ist immer noch die beste Art und Weise, die Spreu vom Weizen zu trennen", sagt Froboese.

          Heinz Hockmann, Chief Executive Officer von Fortis Investments, hat den Trainingseinstieg von seiner Frau zu Weihnachten geschenkt bekommen. Über ein Personal Training nachgedacht hatte er schon häufiger, aber sich nie die Zeit genommen, sein Fitnessprojekt selbst zu realisieren. Inzwischen ist er seit drei Jahren dabei und empfängt seinen Trainer, Jan Hansen von Clubsportif, meist schon um sieben Uhr morgens bei sich zu Hause. Zweimal in der Woche läuft er innerhalb von 90 Minuten mit seinem Coach über Wiesen und Felder, trainiert mit Gewichten und Gummibändern seine Muskeln und startet nach einem Stretching beweglich in seinen Arbeitstag. "Ich finde es gut, durch meine Fitness auch für junge Leute ein Vorbild zu sein", sagt der 55 Jahre alte Manager. Sei es bei Firmenläufen oder beim Treppensteigen, Hockmann ist manch jüngerem Kollegen ein paar Schritte voraus.

          Erfolgserlebnisse auf die Arbeit übertragen

          "Natürlich übertragen sich diese Erfolgserlebnisse auf die Arbeit und eine insgesamt positive Lebenseinstellung. Und wenn sich im Laufe der Zeit dann noch der mittlere Ring zugunsten der Muskeln in Richtung Schultern verschiebt, ist das auch ein gutes Gefühl", sagt Hockmann. Er investiert etwa 15.000 Euro im Jahr in seine Fitness. "Das ist eine beachtliche Summe", weiß er, "aber diese Eigeninvestition nehme ich in Kauf. Ich habe ein Angebot gewählt, das mich zufrieden macht, und außerdem kann man Gesundheit nicht mit monetären Zahlen belegen."

          Thomas Götzfried, Vorstandsvorsitzender des Rekrutierungsspezialisten Goetzfried AG, schöpft seine Kraft aus dem Karatetraining, das er mit Trainer Behzad Eskandarian absolviert. Die ungewöhnliche Idee für das persönliche Kampfsporttraining entstand, nachdem er aus Zeitmangel das Vereinstraining nur noch unregelmäßig besuchen konnte, aber dennoch den Ehrgeiz hatte, die Prüfung für den schwarzen Gürtel abzulegen. "Natürlich erfordert das Training strenge Disziplin, sonst ist es wertlos. Aber wer diese im Management aufbringt, schafft das auch im Sport - und umgekehrt", sagt der 41 Jahre alte Karatemeister. Rund 10.000 Euro ist ihm sein privates Training jährlich wert, was zeigt, dass die Preiskategorien in dieser Branche so heterogen sind wie die sportlichen Wege. "Die Eins-zu-eins-Betreuung ist Luxus, aber extrem effizient und jeden Euro wert", lobt Götzfried.

          Unter Führungskräften ist Personal Training mittlerweile zwar weit verbreitet, aber nicht jeder will es öffentlich thematisieren. Etwa das Vorstandsmitglied eines Großunternehmens im Raum Frankfurt. Angesichts von 70 bis 80 Wochenstunden im Dienst der Firma geht es in den beiden wöchentlichen Trainingsstunden nur um ihn und seinen Rücken. Nach einem Bandscheibenvorfall kommt der Manager nicht umhin, sich zeitweise von dem bewegungsarmen Raum hinter dem Schreibtisch zu lösen, um leistungsfähig zu bleiben. Seine Trainerin, Sportwissenschaftlerin Katrin Ziegler, kommt dafür eigens in sein Büro, das mit einem Satz Hanteln ausgestattet ist.

          Ganz zufrieden ist er zwar noch nicht, dennoch hat er es geschafft, an einem Marathon teilzunehmen. Mit seinen Erfolgen hat er auch seinen Vorgesetzten begeistert. "Wenn ich aus der Balance gerate, analysiert das meine Trainerin und steuert dagegen." Zum Beispiel hatte er sich schon fast an die Rückenschmerzen während des Joggens gewöhnt, weil er dachte, es sei in einem zweistündigen Lauftraining durchaus normal, dass es hin und wieder zwickt. "In der Videoanalyse hat sich aber gezeigt, dass ich mit falscher Technik gelaufen bin. Seit ich das verändert habe, bin ich beschwerdefrei."

          Wer es macht, was es kostet

          Personal Trainer bieten ihre Dienste extrem flexibel an und richten sich in Trainingszielen, -zeit und -ort nach den Bedürfnissen des Kunden. Im Prinzip können Bewegungswillige sie in jeder Sportart buchen, wenn sich der passende Coach dafür findet. Bislang gibt es keine standardisierte Ausbildung für diesen Beruf, die Bezeichnung Personal Trainer ist nicht geschützt . Der Bundesverband deutscher Personal Trainer bemüht sich um einheitliche Aus- und Fortbildungsstandards und hilft bei der Suche nach Trainern im gewünschten Umfeld. Ingo Froboese, Leiter des Zentrums für Gesundheit an der Sporthochschule Köln, empfiehlt, dass der Coach mindestens eine Qualifikation auf Fachschulebene vorweisen können sollte, wie Physiotherapeuten oder Gymnastiklehrer. An den Preisen sei nicht zu erkennen, ob ein Kunde sich gut aufgehoben fühlen könne. Zwischen 50 und 150 Euro müssen Sportwillige für eine Übungsstunde kalkulieren.

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