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Firma schafft Fleisch ab : „Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu begrüßen“

  • -Aktualisiert am

Kein Fleisch mehr in der Kantine? Ein amerikanisches Unternehmen zieht das jetzt durch. Bild: ZB

Die 6000 Beschäftigten von „WeWork“ müssen künftig auf Currywurst und Co. verzichten – zumindest auf der Arbeit. Fleisch wurde dort vom Speiseplan gestrichen. Gut so, sagt ein Ernährungsexperte.

          Currywurst mit Pommes, Schnitzel mit Bratkartoffeln und Nudeln mit Hackfleischsauce: Diese drei Gerichte sind der Deutschen liebste Kantinenessen, wie die Düsseldorfer „Compass Group“, der größte deutsche Anbieter von Betriebsgastronomie, für 2017 ermittelte. Damit steht die Currywurst seit 26 Jahren ungeschlagen auf Platz eins der populärsten Kantinenklassiker.

          Zwar geht der Trend ebenso zu leichterer Kost wie Salaten und gesunden Snacks, zudem bieten viele Kantinen mittlerweile auch ein vegetarisches, ganz modern geführte Unternehmen vielleicht sogar ein veganes Gericht an.  Dennoch scheint in der Mittagspause bei vielen vor allem eines auf den Teller zu gehören: Fleisch. Bei der Firma „We Work“ ist nun allerdings endgültig Schluss damit.

          Das amerikanische Unternehmen mit Hauptsitz in New York betreibt in über 20 Ländern rund 400 Coworking Büros, in denen Arbeitsplätze und Infrastruktur für einen begrenzten Zeitraum angemietet werden können. Nun hat der Coworking-Konzern, dessen Geschäftskonzept, also das Angebot flexibler Büroräume, sowieso ein gewisses Trendbewusstsein und den Wunsch nach Nachhaltigkeit im Konzern nahelegt, ein „No Meat Commitment“ beschlossen.

          15,5 Millionen Tiere werden verschont

          WeWork habe sich dazu verpflichtet, ein „fleischfreies“ Unternehmen zu werden. In Zukunft werde bei WeWork-Veranstaltungen, die in den eigenen Gebäuden veranstaltet würden, kein Fleisch mehr serviert oder Auslagen dafür erstattet, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

          Auch in den Selbedienungsautomaten der von „We Work“ betriebenen Büroräume, davon 15 in Deutschland, soll es nur noch vegetarische Snacks geben. Damit solle den gut 6.000 Angestellten die Möglichkeit gegeben werden, „mehr über gesundes, nachhaltiges und bewusstes Leben zu lernen“, so die Firma weiter.

          Die Initiative sei eine wichtige Maßnahme, um den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu verbessern. So  schätzt „We Work“, durch den Verzicht auf Fleisch in den kommenden fünf Jahren 63 Millionen Liter Wasser und 200.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid einzusparen sowie 15,5 Millionen Tieren zu verschonen.

          Kein Fleisch ist eine Lösung

          Die Produktion von Fleisch sei sehr ressourcenintensiv, so Matthias Schulze, Ernährungswissenschaftler am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Somit sei eine vegetarische oder pflanzenbetonte Ernährung umweltschonender.

          Doch auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sei es „durchaus zu begrüßen“, seinen Fleischkonsum zu reduzieren oder ganz auf Fleisch zu verzichten, so Schulze, der sich im Bereich der Humanernährung habilitiert hat. „Studien zeigen, dass ein häufiger Verzehr von rotem Fleisch das Risiko für Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.“

          Natürlich mache das Mittagsangebot im Betrieb nur einen Teil des täglichen Lebensmittelkonsums eines Menschen aus. „Außerdem ist ja niemand gezwungen, in der Kantine zu essen.“ Doch der Arbeitgeber könne durch den Verzicht auf Fleisch seiner Vorbildfunktion und Fürsorgepflicht noch besser gerecht werden, indem er seine Mitarbeiter für eine gesündere und ressourcenschonendere Ernährungsweise sensibilisiert.

          Allerdings müsse daruf geachtet werden, viel frisches Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte anzubieten, so Schulze. Denn eine rein vegetarische Ernährung sei nicht automatisch gesünder, als eine mit Fleisch: „Ein Weißbrot mit Nutella ist auch vegetarisch, aber deshalb nicht gesund.“

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