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Familienunternehmen : Wedemark statt Silicon Valley

  • -Aktualisiert am

Sennheiser-Gebäude in Wedemark Bild: obs / Stiftung Familienunternehmen

Familienunternehmen suchen Fachkräfte und wollen mit Atmosphäre und flachen Hierarchien punkten. Aber das reicht nicht.

          Der so genannte Innovationscampus von Sennheiser liegt weit außerhalb von Hannover. Vom Hauptbahnhof aus 20 Minuten mit der S-Bahn raus aufs Land, von dort – wenn ein Bus kommt – weiter in die Gemeinde Wedemark. Zu Fuß wäre man weitere 15 Minuten unterwegs. Der moderne Komplex liegt nahe an der Hauptstraße; gegenüber stehen dörfliche Häuser aus roten Backsteinen. Vor dem Eingang des Gebäudes aus Glas und hellem Holz hat sich eine Menschentraube gebildet, die meisten in Anzug oder Kostüm. Hier findet an diesem grauen Wintertag der „Karrieretag Familienunternehmen“ statt.

          650 Bewerber warten in der Eingangshalle. Sie wurden aus einem Pool von 2300 Online-Bewerbern ausgewählt und zu persönlichen Gesprächen mit den Ausstellern eingeladen. Sie bewerben sich für die unterschiedlichsten Tätigkeiten in den verschiedensten Branchen von Drogerie bis Verpackungsindustrie. Kopfhörerhersteller Sennheiser hat diesmal seine Räumlichkeiten für diese Art Karrieremesse zur Verfügung gestellt, die zwei Mal im Jahr stattfindet und auf der fast alle Aussteller dasselbe Problem haben: Nicht sie können sich großzügig die besten Bewerber rauspicken. Viel eher sind es die Arbeitgeber, die sich hier bei den jungen Menschen bewerben müssen.

          Tatsächlich liegen mehr als 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland in der Hand einer Familie, sagt der Personalfachmann und Betriebswirt Wolfgang Jäger, der sich in zahlreichen Forschungsarbeiten mit der Optimierung personalwirtschaftlicher Prozesse befasst hat. „Die Mehrheit der Bewerber hat eigentlich keine andere Wahl, als zu einem Familienunternehmen zu gehen“, „Die Entscheidung der Bewerber liegt eher bei der Frage: Gehe ich zu einem mittelständischen Unternehmen oder zu einem großen Konzern?“ Zahlreiche Umfragen zeigen: Es sind Namen wie Google oder Apple, für die sich die besten Absolventen interessieren. Sennheiser, Rossmann, Falke und die anderen Aussteller hier haben es da vergleichsweise schwer.

          Eigens eine Studie in Auftrag gegeben

          Entsprechend viel Werbung macht Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen für seine Klientel. Familienunternehmen seinen ein sicherer Arbeitgeber. Massenentlassungen kämen eher selten vor. Um solchen Sätzen mehr Gewicht zu geben, haben die Familienunternehmer sogar eigens eine Studie bei der TU Münster in Auftrag gegeben. Die wenig überraschenden Ergebnisse: Eine gute Arbeitsatmosphäre stuft etwa die Hälfte der Interessenten auf dem Karrieretag als wichtiges Kriterium ein. Auch schätzen 80 Prozent der Bewerber die Atmosphäre und den Teamgeist in einem Familienunternehmen als besser ein, als in einem Nicht-Familienunternehmen. Als Bewertungsgrundlage dieser Studie dienen allerdings ausschließlich Besucher des Karrieretags Familienunternehmen – also diejenigen, die ohnehin mit einer Tätigkeit in diesem Bereich liebäugeln.

          Viele Familienunternehmen lebten solche Werte aber tatsächlich, glaubt Personalfachmann Jäger. „Dies kann durchaus ein Attraktivitätsmerkmal für Bewerber sein.“ Allerdings komme es auch hier auf den Einzelfall an und man könne nicht pauschal sagen, dass in allen Familienunternehmen eine attraktivere Atmosphäre herrscht.

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