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Fachkräfte : Deutsche Unternehmen werben gezielt um Soldaten

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Soldaten der Bundeswehr bei einer Zeremonie im Hof des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin. Foto: Omer Messinger/ Archiv Bild: EPA

Soldaten sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt wie nie. Amazon hat sogar einen eigenen „Military Recruiter“. Doch wie gelingt der Wechsel ins zivile Berufsleben?

          Angesichts des Fachkräftemangels suchen immer mehr deutsche Unternehmen gezielt Soldaten der Bundeswehr. Der Berufsförderungsdienst (BFD) der Streitkräfte hat mittlerweile feste Ansprechpartner bei etwa 5000 Unternehmen, die Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Praktika für ausscheidende Soldaten anbieten, teilte die Personalverwaltung der Bundeswehr in Köln mit. „Die Anzahl der Kooperationen und Ansprechpartner in der Wirtschaft steigt von Jahr zu Jahr.“ Dazu zählen große und bekannte Unternehmen wie Post und Bahn, die Einzelhandelskette Rewe und der amerikanische Konzern Amazon.

          Auf die Jobsuche für Soldaten spezialisiert hat sich die im oberbayerischen Burgheim beheimatete Internet-Plattform Dienstzeitende.de. „Manche Unternehmen wie Amazon haben sogar einen eigenen Military Recruiter, also einen ehemaligen Soldaten als Personaler, der andere Soldaten anspricht“, sagt Geschäftsführer Stefan Geßner, selbst ein ehemaliger Offizier.

          Die Gewerkschaft Verdi, die seit Jahren mit Amazon wegen der Forderung nach einem Tarifvertrag im Clinch liegt, hat die Amazon-Suche nach „Führungskräften mit militärischem Hintergrund“ für die Versandzentren des Konzerns kritisiert. Den Unternehmen, die um Soldaten werben, geht es aber ganz offensichtlich keineswegs um eine militärische Atmosphäre - sondern um eine Minderung von Fachkräfteengpässen.

          Bahn stellt jährlich rund 100 ehemalige Soldaten ein

          Die Bundeswehr selbst malt die Eignung ihrer Soldaten für den Arbeitsmarkt in den schönsten Farben: „Sie zeichnen sich insbesondere durch ein hohes Maß an Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, (Selbst-)Disziplin, Teamfähigkeit und hohe Flexibilität aus“, heißt es bei der Personalverwaltung. „Im Rahmen von Auslandseinsätzen erwerben sie interkulturelle Kompetenz und belegen ihre hohe Belastbarkeit in Stresssituationen.“ Die Quintessenz: Wer in Afghanistan nicht verzweifelt, sollte für Amazon gut gerüstet sein.

          Dienstzeitende-Geschäftsführer Geßner beschreibt die Situation etwas nüchterner: „Viele Unternehmen legen mehr Wert auf die Berufsausbildung als auf die Tatsache, dass jemand Soldat war.“ Das bestätigt die Bahn: „In der Regel bringen ehemalige Soldaten eine gute technische Ausbildung mit sowie eine große Portion Motivation“, sagt ein Sprecher. „Rund 100 ehemalige Soldaten starten durchschnittlich pro Jahr bei der Deutschen Bahn, und wir freuen uns, wenn es noch mehr werden.“ Denn die Streitkräfte bieten in der Tat Ausbildungen jeder Art vom Lkw-Führerschein bis zum Hochschulstudium. „Die Bundeswehr ist einer der sozialsten Arbeitgeber, die Berufsförderungsmöglichkeiten sind enorm“, sagt Geßner.

          Aber es gibt auch Arbeitgeber, die wegen der spezifischen Expertise gerne ehemalige Soldaten einstellen: „Die kommen in der Regel mit Mitte 30 auf den Arbeitsmarkt, die haben eine Ausbildung oder ein Studium, wissen, wo’s lang geht, können sich durchsetzen und sind in jeder Hinsicht befähigt zum Umgang mit Menschen“, berichtet Geßner. Zu den Branchen, die gerne ehemalige Soldaten einstellen, zählen traditionell Sicherheits- und Wachdienste.

          Amazon jedenfalls betont, dass das Unternehmen keine im Kommandoton geübten autoritären Führungskräfte suche, sondern solche, die teamfähig sind und Mitarbeiter motivieren können: „Viele Soldaten der Bundeswehr haben jahrelang solche wertvollen Erfahrungen gesammelt“, erklärt ein Sprecher. „Darüber hinaus gibt es bei der Bundeswehr viele Fach- und Führungskräfte mit Logistikerfahrung.“

          Leicht ist der Wechsel ins zivile Berufsleben dennoch nicht immer: „Allerdings haben Soldaten oft in ihrem Beruf vergleichsweise wenig Erfahrung“, berichtet Dienstzeitende-Geschäftsführer Geßner. „Ein Panzergrenadier, der Industriemechaniker gelernt hat, hat ziemlich viel Zeit im Gelände verbracht und nicht in der Werkstatt.“

          Ein Knackpunkt ist nach Geßners Worten oft die Bezahlung: „Soldaten haben ein sehr ordentliches Gehaltsgefüge. Ein Lkw-Fahrer hat bei der Bundeswehr teilweise 200 bis 300 Euro netto mehr im Monat als bei einem privaten Unternehmen.“ Und nach einer von ständig wechselnden Stationen geprägten Dienstzeit verspüren viele ein Bedürfnis nach Sesshaftigkeit: „Wenn Soldaten aus der Bundeswehr ausscheiden, haben sie oft keine Lust mehr, jedes Wochenende zu pendeln, sondern bevorzugen eine Stelle in der Heimatregion“, sagt Geßner. „In Oberbayern ist das kein Problem, aber in Mecklenburg-Vorpommern oder dem tiefsten ländlichen Hessen kann es schwierig werden, eine geeignete Stelle zu finden.“

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