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Frauenanteil : Die Chefetagen werden weiblicher - ein bisschen

Eine der wenigen Frauen an der Spitze: Angela Titzrath ist die Vorstandsvorsitzende des S-Dax-Konzerns Hamburger Hafen und Logistik AG. Bild: EPA

Die Bemühungen um mehr Frauen in den Vorständen deutscher Unternehmen sind riesig. Die Ergebnisse bleiben aber noch immer dürftig, wie diese neue Bilanz zeigt.

          Die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien der großen deutschen Unternehmen ist auch im vergangenen Jahr wieder leicht gestiegen. Insgesamt sitzen laut einer Auszählung der Unternehmensberatung EY zum Jahreswechsel in den Vorstandsgremien der 160 Konzerne der Dax-Familie (Dax, M-Dax und S-Dax) jetzt 61 Frauen – elf mehr als ein Jahr zuvor. Der Frauenanteil stieg damit auf 8,6 Prozent – das ist ein neuer Rekordwert.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem im Dax, dessen 30 Unternehmen besonders stark im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen, ist die Frauenquote gestiegen auf jetzt 14,5 Prozent, vor fünf Jahren waren es erst 6,7 Prozent. Die anderen beiden Börsensegmente hinken weiter hinterher: Im M-Dax stieg der Frauenanteil zwar auf 7,7 Prozent, im S-Dax aber lediglich auf 5,2 Prozent.

          Trotz des steigenden Frauenanteils sind die Vorstandsgremien der meisten deutschen Großunternehmen noch immer eine reine Männerdomäne: Mehr als zwei Drittel aller Vorstandsgremien sind weiterhin ausschließlich mit Männern besetzt. Viele Unternehmen begnügen sich mit einer Frau im Gremium. Dass Frauen im Vorstand auf andere Frauen treffen, bleibt laut der Untersuchung weiterhin eine „absolute Ausnahme“. Nur acht der 160 Unternehmen haben zwei oder mehr Frauen im Vorstand. Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steige wie im vergangenen Jahr, werde es bis zum Jahr 2034 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt sei, heißt es in der Untersuchung.

          Wie im Vorjahr werden derzeit lediglich vier der 160 untersuchten Unternehmen von einer Frau als Vorstandschefin geführt – alle vier sind im S-Dax notiert, keines im Dax oder M-Dax: Neben dem Hamburger Hafen, dem Immobilienunternehmen DIC Asset und dem Biotechunternehmen Medigene kam im vergangenen Jahr der Finanzdienstleister Grenke hinzu.

          Zwischen den Branchen gibt es erhebliche Unterschiede: Besonders häufig sind Frauen in den Vorstandsetagen von Telekommunikationsunternehmen anzutreffen: Fast jedes sechste Vorstandsmitglied ist dort weiblich. Knapp dahinter folgt die Finanzbranche, wo jeder achte Vorstand weiblich ist. Besonders schwer tun sich Frauen beim Aufstieg in die Vorstandsgremien großer Handelsunternehmen. Lediglich drei Prozent aller Vorstandsposten sind dort weiblich besetzt.

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