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Berufseinstieg : Mein erstes Mal

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Vor allem für Chirurgen ist die erste Operation in Eigenregie besonders aufregend, schließlich kann ein Fehler lebensgefährlich werden. Bild: dpa

Angela Merkel ergriff nach eigener Auskunft „die blanke Panik“, bevor sie ihre erste Rede auf einem Parteitag hielt. Die Angst vor dem Debüt im Beruf kennt nicht nur die Kanzlerin: Vier schweißtreibende Protokolle.

          Nicht an jeden Moment des Lebens kann sich der Mensch erinnern. An ein Debüt aber meist bis ans Lebensende - auch an das im Berufsleben. Ein Chirurg, eine Schauspielerin, ein Lehrer und eine Richterin erzählen von ihrem „ersten Mal“.

          Im OP: „Die Angst vor Komplikationen ist immer dabei“

          An die erste Blinddarmoperation kann sich jeder Chirurg erinnern. Das ist ein Klassiker, so wie Katheter legen oder die Entfernung der Gallenblase. Assistenzärzte operieren viele Jahre unter Aufsicht, wir nennen das „behütetes Wohnen“. Aber irgendwann muss man sich trauen - Chirurgen werden nur besser, wenn sie sich an dem messen, was sie noch nicht perfekt beherrschen. Dieser Schritt zur operativen Eigenständigkeit nach dem Facharzt ist die schwierigste Phase überhaupt. Ich erinnere mich noch gut an meine erste große Bauchspeicheloperation vor etwa zehn Jahren. Ich war junger Oberarzt, hatte schon einige operative Erfahrung gesammelt und stand bei diesem Eingriff erstmals allein verantwortlich am Tisch. Neun Stunden hat die Operation gedauert. Da war alles dabei: viel Schweiß und die Angst, mit technischen Problemen eventuell nicht zurechtzukommen. Ist es notwendig, dass ich jemanden rufe, oder schaffe ich es allein?

          Wolfgang Schröder, Chirurg

          Diese Frage hatte ich die ganze Zeit im Nacken - denn die Sicherheit des Patienten steht natürlich an erster Stelle. Ich weiß noch heute, in welchem Saal die Operation stattfand und wer assistierte. Solche Situationen brennen sich regelrecht ein. Die Angst vor Komplikationen, die man aufgrund mangelnder Erfahrung noch nicht beherrscht, begleitet jeden jungen Chirurgen. Man lernt mit der Zeit, diesen Druck zu ertragen und damit umzugehen.

          Hilfreich ist es, sich ein psychologisches Backup zu schaffen. Dazu gehört, sich zu vergewissern, dass kompetente, erfahrene Kollegen im Haus und im Fall der Fälle erreichbar sind. Das sind wichtige Brücken, die sich jeder Chirurg auf dem langen Weg in die operative Eigenständigkeit baut. Aber natürlich lässt sich nicht jede Situation im Voraus planen. Schwere innere Blutungen während einer Operation oder nach Unfällen sind für uns als Viszeralchirurgen maximaler Stress. Entscheidend ist, auch unter hohem Druck ruhig und konzentriert arbeiten zu können. Was dabei hilft? Irgendwann hat man seine Lernkurve durchlaufen und operiert in der Gewissheit: Wenn ich es nicht kann, dann kann es auch kein anderer. Misserfolge und Komplikationen sind Teil unseres Berufes. Das zu akzeptieren ist die vielleicht größte Herausforderung als Chirurg.

          Wolfgang Schröder, Chirurg und Leitender Oberarzt an der Uniklinik Köln

          Auf der Bühne: „Inzwischen genieße ich die Aufregung“

          Meine Familie kam mit zwei Autos von Oldenburg nach Konstanz angereist und saß bei meiner allerersten Premiere als fertig ausgebildete Schauspielerin im Publikum. Im September 2011 spielte ich die Desdemona im „Othello“, also eine ziemlich große Rolle, und ich war total aufgeregt. An dem Tag war nichts mit mir anzufangen. Ich konnte nichts essen und wollte mit niemandem sprechen, die Angst zog bis in die Fußspitzen. Eine Premiere ist etwas ganz Besonderes, und das bleibt auch so. Aber als Neue im Ensemble wollte ich natürlich zeigen, was ich kann. Und beweisen, dass es richtig war, mich zu engagieren. Im Theater herrschte eine Mischung aus Euphorie und wildem Durcheinanderlaufen, die Luft war zum Schneiden.

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