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Berufseinstieg : Mein erstes Mal

  • -Aktualisiert am

Seit mehr als drei Jahren bin ich als Lehrer für Englisch und Musik fest angestellt. Jeder einzelne Schultag wird von Faktoren bestimmt, die wir nicht beeinflussen können. Ein Etui ist weg, oder eine Biene fliegt durchs Klassenzimmer, und schon herrscht eine Viertelstunde lang Chaos. Es wird zur Routine, mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen und Störer auch mal zu ignorieren. Und man entwickelt ein Gespür dafür, wie man bei den Schülern Interesse weckt. Ganz wichtig sind Rituale, sie bringen Struktur in den Ablauf. Ich begrüße die Schüler zum Beispiel erst dann, wenn die Tafel gewischt ist und kein Müll mehr herumliegt. So fängt die Stunde schon viel ruhiger an. Aber das weiß man als Referendar eben noch nicht.

Daniel Lutterbeck, Realschullehrer in Münster

Im Gerichtssaal: „Ich war auf alles vorbereitet“

Mein erstes eigenes Verfahren habe ich als Richterin am Landgericht Traunstein geführt. Ich hatte eigentlich weniger Angst davor, ein Urteil zu fällen. Sorgen bereitete mir vielmehr der Ablauf der zivilrechtlichen Verhandlung, die ich zu leiten hatte. Werde ich mich im entscheidenden Moment an die Formalien erinnern? Wie reagiere ich, wenn ich mit einer unerwarteten Situation konfrontiert werde? Besonders vor dem ersten Sitzungstag hat mich das umgetrieben, schließlich wollte ich vor den Parteien nicht als Neuling dastehen. Ich hatte zwar bereits fünf Jahre als Staatsanwältin gearbeitet und brachte dementsprechende Erfahrungen mit. Aber letztendlich führt der Richter die Verhandlung und trifft Entscheidungen - diese Rolle war neu für mich.

Andrea Titz, Richterin

Geholfen hat mir ein minutiöser Plan: Ich habe Worst-Case-Szenarien entwickelt und bis in kleinste Details aufgeschrieben, was in welcher Situation passieren könnte und welche Möglichkeiten ich hätte, mit diesen Schwierigkeiten umzugehen. Ich war sehr gut vorbereitet und hatte den Plan die ganze Zeit neben mir liegen. Es ist dann alles ganz wunderbar gelaufen, und ich brauchte den Zettel nicht. Aber er gab mir Sicherheit. Denn es war auch ein Wechsel der Materie: Mit zivilrechtlichen Fragen hatte ich bis dahin nur theoretisch als Studentin zu tun gehabt.

Man sagt zwar immer, dass es im Zivilrecht nur um Geld geht. Aber das sollte man nicht unterschätzen. Ausbleibende Zahlungen können sehr wohl über das Schicksal eines Handwerkers entscheiden. Ich hatte später auch mit Fällen zu tun, die sehr tragisch waren. Besonders der Kraillinger Doppelmord an zwei kleinen Mädchen, den ich als Abteilungsleiterin der Staatsanwaltschaft mit begleitet habe, ist mir in Erinnerung geblieben. Die Belastung ist für beide Seiten gleichermaßen gegeben: Der Richter muss das Urteil fällen und die Verantwortung übernehmen. Staatsanwälte wiederum sind sehr nah dran an den Ermittlungen. Als wir den entscheidenden DNA-Treffer hatten und beschlossen, jetzt lassen wir den Täter festnehmen - das werde ich nie vergessen.

Andrea Titz, Richterin am Oberlandesgericht München

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