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Berufseinstieg : Mein erstes Mal

  • -Aktualisiert am
Sophie Köster, Schauspielerin

Es steckt so viel Arbeit in einer Inszenierung, und dann ist es endlich so weit. Am schlimmsten ist der Schritt von neben der Bühne auf die Bühne. Beim „Othello“ traten alle Schauspieler zu Beginn als Soldaten in Camouflage-Uniformen auf. Niemand konnte erkennen, dass ich es war, die eine Leiter hochkletterte. Trotzdem hatte ich rasendes Herzklopfen und eine Riesenangst, vor lauter Aufregung in den Orchestergraben zu fallen. Danach musste ich mich ganz schnell umziehen, es blieben maximal Minuten bis zu meinem Auftritt als Desdemona.

In Sekundenbruchteilen schoss mir durch den Kopf, was alles schiefgehen könnte. Und dass ich jetzt im Prinzip auch noch weglaufen könnte . . . Aber dann ging ich auf die Bühne, sprach die ersten Sätze - und die Angst verschwand. In dem Moment, wo ich spielen kann, beeinflusse ich die Situation aktiv, und das beruhigt. Beim ersten Applaus fiel dann alles von mir ab, ich spürte pure Erleichterung. Inzwischen kann ich diese besondere Stimmung vor einer Premiere sogar genießen. Ich weiß, dass ich es in der Hand habe, die Aufregung zu nutzen und in positive Energie umzuwandeln. In den Stunden davor bin ich völlig aufgedreht und weiß gar nicht wohin mit meiner Kraft. Im entscheidenden Moment fokussiere ich mich dann und freue mich richtig loszulegen.

Sophie Köster, Schauspielerin am Staatstheater Saarbrücken

Das erste Mal vor einer Klasse: „Wie ins kalte Wasser geschmissen“

Freitag, fünfte Stunde, Englisch vor einer Klasse von dreißig Schülern, alle nur wenige Jahre jünger als ich. Die erste Unterrichtsstunde, die ich als Referendar vor einer Hauptschulklasse gehalten habe, war eine echte Herausforderung. Ich hatte einen Songtext ausgesucht, mit vielen Textstellen in indirekter Rede. Stundenlang hatte ich nach Methoden gesucht, wie ich die Grammatik interessant rüberbringen könnte. Und dann: komplettes Desinteresse. Zusammen singen? Fehlanzeige. Auf meine Fragen meldete sich niemand. Ich stand da in meinem Schweiß und musste die Leute irgendwie beschäftigen. Der Druck ist vor allem für Referendare enorm: Schließlich sitzt die ganze Zeit ein Fachlehrer hintendran und schreibt mit. Natürlich habe ich nicht mal im Ansatz das Ergebnis erreicht, das ich erzielen wollte. Und die nächste Stunde stand gleich am Montag in der Ersten an.

Daniel Lutterbeck, Realschullehrer

Ich lag wach im Bett und fragte mich, was ich besser machen könnte. Wie strukturiere ich die Gruppenarbeit so, dass es funktioniert? Wie viel Freiwilligkeit lasse ich zu, und wie grenze ich mich als Fast-Altersgenosse ab, ohne den Autoritären raushängen zu lassen? Ich tauschte mich mit befreundeten Referendaren aus und überlegte mir Strategien, wie ich mit Störungen umgehen und klare Regeln einführen kann. Die Stunde lief dann wesentlich besser. Ich hatte schon einen Eindruck von der Klasse und Unterrichtsstoff, auf den ich aufbauen konnte. Viele kannte ich nun mit Namen, was den Umgang mit Störern sehr erleichtert. Solche Situationen erlebe ich heute nicht mehr.

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