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Entgelttransparenz : Über Geld spricht man immer noch nicht

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Frauen erobern die Arbeitswelt - aber noch immer mit einer durchschnittlich geringeren Bezahlung. Bild: dpa

Zwar haben viele Mitarbeiter seit Januar einen Anspruch zu erfahren, wie viel die Kollegen verdienen, genutzt wird das aber nur selten. Warum eigentlich nicht?

          Seit dem 6. Januar gilt in vielen deutschen Unternehmen: Mitarbeiterinnen haben einen Anspruch, zu erfahren, was ihre gleichgestellten männlichen Kollegen verdienen. Das entsprechende Gesetz mit dem sperrigen Namen „Entgelttransparenzgesetz“ kennen aber weniger als die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland. Das hat nun eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY gezeigt. Gerade mal 45 Prozent wissen, dass das Gesetz existiert.

          Interessantes Detail: Frauen, denen aufgrund der immer wieder monierten ungleichen Bezahlung das Gesetz eigentlich zugute kommen sollte, sind seltener darüber informiert als Männer. Lediglich 40 Prozent wissen, dass es den neuen Auskunftsanspruch gibt; bei den Männern sind es immerhin 52 Prozent. Dem Statistischen Bundesamt zufolge beträgt die bereinigte Lohnlücke zwischen Männern und Frauen 6 Prozent; das heißt: Wenn berücksichtigt wird, dass Frauen in anderen Branchen und Berufen arbeiten und dass sie häufiger in Teilzeit tätig sind, bleibt noch immer ein unerklärter Rest-Gehaltsunterschied von 6 Prozent.

          Um vom Chef erfahren zu können, was die Kollegen im Durchschnitt verdienen, ist es Voraussetzung, in einem Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten zu arbeiten. Arbeitnehmer können dann auch Auskunft darüber verlangen, auf welcher Grundlage ihr Gehalt bestimmt wird.

          Nicht nur um das Wissen um die neue Auskunftsmöglichkeit ist es schlecht bestellt; auch bei der Nutzung sind die Mitarbeiter in Deutschland zurückhaltend. Nur jeder Achte gab in der Umfrage an, den neuen Anspruch geltend machen zu wollen.

          Häufig geschieht dies demnach aus Neugierde, statt aufgrund der Vermutung, tatsächlich zu schlecht bezahlt zu werden. Viele trauen sich aber auch gar nicht, ihren gesetzlichen Anspruch zu nutzen, weil sie dadurch Nachteile für sich befürchten. Ein Drittel derjenigen, die nicht aktiv geworden sind, hegt solche Befürchtungen. Die meisten glauben, dass sie Druck vom Chef bekommen könnten oder ihnen bei der zukünftigen Karriereentwicklung Steine in den Weg gelegt werden.

          Für diese Ergebnisse hat EY im Februar diesen Jahres fast 1000 Angestellte in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten befragt. Die Befragten unterlagen keiner Tarifbindung.

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