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Diskriminierung im Büro : Der Macho stirbt nicht aus

Es kommt in den besten Berufskreisen vor, dass jemand „touchy“ wird. Bild: Picture-Alliance

Lassen Sie mich mal machen, da muss ein Mann ran! Weshalb bewirbt die sich auf den Posten? Warum bleibt die nicht bei ihren Kindern? Eine Streitschrift über die männliche Dominanz in der Arbeitswelt.

          Niemand darf wegen seines Geschlechts diskriminiert werden. So steht es im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz - kurz AGG - geschrieben. Doch der berufliche Alltag sieht für viele Frauen auch im 21. Jahrhundert noch ganz anders aus. Der Machismos hat sich aus der Sprache und dem Verhalten vieler Männer noch längst nicht verabschiedet, wie viele kleinere und größere Beispiele zeigen. Und das sind keineswegs Geschichten aus steinzeitlicher Vergangenheit, sondern aktuelle Erlebnisse, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben.

          Zur Sache, Schätzchen

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Bemerkenswert, wie Frauen zum Teil tituliert werden. Da wird die umsichtige Vorstandssekretärin als „unsere fleißige Arbeitsbiene“ bezeichnet, das mag jovial gemeint sein, ist aber daneben. Oder die Rede ist von „meinen ansehnlichen Hostessen“. Unvergesslich, wie die jungen Frauen peinlich berührt am Münchener Messestand ausharrten, nicht zu vergessen die entgeisterten Besucherblicke auf die „fleißigen Bienchen“. Aber die fünf seltsam ausstaffierten Studentinnen, die sich hier etwas dazuverdienten, waren eben auch verhaltensunsicher und wollten es sich mit ihrem gönnerhaften Arbeitgeber nicht verscherzen. Schlecht in Erinnerung geblieben ist auch der toughe neue Redaktionsleiter, der die jüngere Kollegin mit den Worten begrüßte: „Sie wurden mir hier als richtiges Zugpferd beschrieben.“ Abgesehen davon, dass Pferdemetaphern gegenüber Frauen einem gänzlich anderen Milieu zugeordnet werden, ist das wenig respektvoll. Das Fatale: Meist werden diese Bezeichnungen so launig und pseudojovial vorgetragen, als seien sie gut gemeint. Aber gut gemeint ist eben nicht gut gemacht, sondern oft das Gegenteil davon. Und man braucht keine verkrampfte Anti-Sexismuskampagnen-Beauftragte zu sein, um sich gegen solche herabwürdigenden Schätzchen-Anreden zu verwahren. Denn die Botschaft ist unüberhörbar: So werden Kolleginnen verniedlicht, kleingemacht, herabgestuft und in Bedienstetenschranken verwiesen. Sprache als Waffe zementiert Hierarchien. Abhilfe schafft ein Vier-Augen-Gespräch.

          Immer wieder erschütternd-unterhaltsam sind Anekdoten, die Frauen parat haben, die in typischen Männerberufen bestehen und gerne mal als Vorzeigeporträt herhalten. Der abgedroschene Satz „Sie steht dort ihren Mann“ dürfte ihnen zu den Ohren herauskommen. Und das Nicht-wahrgenommen-Werden. Die Maschinenbauingenieurin wird von Kunden als Sekretärin, eventuell noch als Assistentin eingestuft - nicht aber als Projektleiterin, die hier die Abläufe bestimmt und Aufträge vergibt. Nein, sie führt kein Protokoll, sondern die Etatverhandlung. Die zierliche Ärztin, die den ergrauten Allgemeinarzt kompetent vertritt, wird als Arzthelferin gesehen und muss sich nach Jahren im Uniklinikum misstrauisch anhören, ob der von ihr vorgeschlagene Therapieplan „denn auch mit Herrn Dr. H. abgestimmt“ sei. Daraus hat sie gelernt und zieht konsequent wieder ihren weißen Kittel an. Das schafft eine gesunde Distanz und kuriert vor Fünfziger-Jahre-Vorurteilen.

          Alles eine Frage der Technik

          Streikt der hochkomplexe Kopierer, ist der Machomann zur Stelle. Motto: Mädels, lasst mich mal ran. Muckt die Rückruftaste seiner neuen Telefonanlage, dann liegt es am Gerät oder der falschen Installation. Nie aber am Mann selbst, der die Tasten einfach falsch bedient und sich die Lektüre der Bedienungsanleitung erspart hat. Tritt aber das Problem auf, wenn eine Frau das Gerät bedient und es klappt nicht, ja, dann folgt der Frauen-und-Technik-Seufzer, der auch dann nicht spaßig ist, wenn er augenzwinkernd vorgetragen wird. Dann erst recht nicht. Allerdings ist kokettieren kontraproduktiv, lieber selbst einlesen und einarbeiten. Übrigens liefert dazu eine Studie des Kameraherstellers Nikon Munition: Danach soll ein Mann in seinem Leben durchschnittlich Schäden an Elektronikgeräten im Wert von 2675 Euro verursachen. Das ist mehr, als jedes Kleinkind im Spiel anrichtet.

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