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Digitalfachleute gesucht : Kampf um die IT-Cracks

Hier werden manche der hoch gefragten Leute ausgebildet: Die private Schule „42“ für Programmierer in Paris Bild: AFP

Die Digitalisierung kommt mit Riesenschritten. Während manche Beschäftigte fürchten, von Computern ersetzt zu werden, buhlen Chefs geradezu um IT-Leute. Wie besorgniserregend ist der Mangel wirklich?

          Die Sache mit dem Personal ist für Steffen Heilmann wirklich nicht leicht: Als Technikchef des Unternehmens Aroundhome, eines Berliner Vermittlers von Dienstleistungen für Immobilienbesitzer, braucht er ständig neue IT-Leute. 50 von 500 Mitarbeitern des Mittelständlers sind in der Informationstechnik tätig; in diesem Jahr soll Heilmanns Bereich auf 75 Leute anwachsen; vor allem Software-Entwickler braucht er dringend. Das Problem: „Bis eine Entwicklerstelle besetzt ist, dauert es vier bis sechs Monate.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Damit ist er, glaubt man der Bundesagentur für Arbeit, in guter Gesellschaft. Daten, die die Arbeitsagentur für die F.A.Z. zusammengestellt hat, zeigen: Stand Januar suchten deutsche Unternehmen durchschnittlich 137 Tage nach einem IT-Beschäftigten, sogar 152 Tage dauerte es im Schnitt, bis eine Fachkraft in der Software-Entwicklung gefunden war, also in der Regel jemand mit Berufsausbildung, aber ohne einen akademischen Abschluss. Expertenstellen, also Arbeitsplätze für Masterabsolventen oder Absolventen mit noch höherer Qualifikation, waren im Schnitt sogar 196 Tage vakant. Auf 100 Software-Entwicklerstellen für Experten kamen im Januar gerade mal 83 Arbeitslose – schon bei weniger als 200 spricht die Arbeitsagentur von einem Engpass.

          „Durch die Digitalisierung gibt es einen steigenden Bedarf an ITlern“, sagt Alexander Kubis, Fachmann für Arbeitsmarktprozesse am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). „Die Industrie 4.0 durchdringt die Wirtschaft“ – auf einmal brauche es Digitalexperten auch in ehemals komplett analogen Berufsfeldern. Zwar macht er sich keine Sorgen, dass die Engpässe in Zukunft so gravierend werden könnten wie etwa in der Pflegebranche. „Dafür ist das Berufsfeld immer noch zu klein, und die Absolventenzahlen in Informatik steigen.“ Aber: Blicke man auf die derzeitige Lage, stünden IT-Experten in der Arbeitslosen-Stellenrelation auf dem zweithöchsten Rang aller Berufsgruppen; nur besonders hoch qualifizierte Leute für die Produktion sind noch stärker gesucht.

          Was wollen die Software-Entwickler?

          Ein Problem sei manchmal, dass Arbeitgeber nicht besonders gut durchschauen, was IT-Leute wollen und womit sie sich gut locken lassen, sagt Matthias von dem Knesebeck. Der Software-Entwickler und Wirtschaftsingenieur, der lange Erfahrungen im Silicon Valley gesammelt und dann ein Fintech gegründet hatte, ließ sich im vergangenen Jahr von dem Pflegevermittlungs-Start-up Talea abwerben und arbeitet dort seither als Innovationschef. „Das Gehalt war für mich nicht die entscheidende Größe beim Stellenwechsel“, sagt er. Klar, es müsse schon genug sein, um den Lebensstandard zu halten. Aber ansonsten zählten für ihn eher eine agile Arbeitsweise, Innovationsfreude, „eine Vision umsetzen zu können“.

          Auch Steffen Heilmann versucht, mit solchen Dingen zu punkten, bekommt seinen Bedarf aber längst nicht mehr in Deutschland gedeckt. Er sucht auf der ganzen Welt nach den gefragten Spezialisten. 16 seiner 50 ITler sitzen nicht in Berlin, sondern in der Ukraine, wo der Arbeitsmarkt für diese Klientel deutlich entspannter ist, 10 weitere sind entweder EU-Ausländer oder aus Drittstaaten nach Berlin gekommen; schon lange dient Englisch als offizielle Sprache am Arbeitsplatz.

          Kreativ werden muss Heilmann auch, wenn es darum geht, wie und wo genau er seine Leute sucht. Zwar hat das Unternehmen auch Stellenanzeigen auf klassischen Portalen wie „Stepstone“ geschaltet, aber die Nerds tummeln sich anderswo. Die Internetplattform „Stack Overflow“, auf der sich Entwickler austauschen, ist solch ein Ort. Auch über das Start-up „Honeypot“ war Heilmann schon erfolgreich. Diese Plattform dreht den Bewerbungsprozess einfach um und bietet Arbeitgebern die Möglichkeit, sich bei IT-lern zu bewerben – das soll den Arbeitnehmern das lästige Schreiben von Bewerbungen ersparen. Übrigens keine völlig einzigartige Idee: Auch das Start-up „4Scotty“ versucht, mit einem umgedrehten Bewerbungsprozess die schwierige Kandidatensuche im IT-Bereich leichter zu machen.

          „Zum Teil exorbitante Gebühren“ für Headhunter

          Das passt zu einem Markt, in dem Headhunter immer höhere Gebühren für eine Vermittlung erzielen können. Für hochrangige technische Positionen würden „zum Teil exorbitante Gebühren für traditionelle Personalagenturen von bis zu 100.000 Euro in Kauf genommen“, sagt Honeypot-Gründerin Emma Tracey.

          Selbst wenn Arbeitgeber wie Arbeitnehmer beteuern, dass für viele Nerds Geld allein nicht die entscheidende Größe sei: Auch die Vergütung in der Branche kennt derzeit nur die Tendenz nach oben. Die Hamburger Vergütungsberatung Compensation Partner hat in einer neuen Analyse herausgefunden: Die Gehälter von IT-Fachkräften sind im Vergleich zum Vorjahr um satte 3,5 Prozent gestiegen – die von Führungskräften sogar um 3,8 Prozent. Die höchsten Einkommen verzeichnen demnach Spezialisten in der IT-Sicherheit. Sie erhalten ein Gehalt von durchschnittlich 75.577 Euro. Mehr verdienen nur noch Führungskräfte mit 128.606 Euro im Schnitt.

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