https://www.faz.net/-gyl-9jxgy

Gründer : Die Kunden suchen auf Findeling vor allem Kakteen

  • -Aktualisiert am

Florian Schneider und Katharina Walter, Gründer von Findeling Bild: Lucas Wahl

Die Online-Suche nach einem Produkt endet oft bei großen Anbietern. Der Laden um die Ecke ist meist gar nicht auf Google zu finden. Das will Findeling ändern.

          Gerade für kleine und mittlere Anbieter ist es nicht einfach, ein Online-Geschäft aufzubauen. Zudem funktionieren viele regionale Marktplätze nicht wirklich, weil es Verbrauchern oft egal ist, wo das Produkt herkommt. Dabei gibt es durchaus Bereitschaft zu bewussterem, nachhaltigerem Einkauf vor Ort, sobald schnell zu finden ist, wonach gesucht wird. Beweis dafür ist der Erfolg der Internet-Plattform „Findeling“, die analoges Kaufen in kleinen Läden des lokalen Einzelhandels mit den Vorzügen der Online-Recherche verknüpft.

          Die Idee zu dem digitalen Shopping-Guide wurde geboren, als die 1990 geborene Katharina Walter einen schönen, schlichten Bilderrahmen zum Geburtstag verschenken wollte. Doch die Suchmaschine im Internet zeigte ihr im Umkreis der Hamburger Sternschanze als bestes Ergebnis nur das Angebot einer internationalen Möbelkette 20 Kilometer entfernt von ihrem Wohnort an. Sie sah die kommerzielle Lücke und war überzeugt: „Im Internet müssen auch lokale, inhabergeführte Läden ohne große Marketing-Budgets auftauchen. Denn es sind die kleinen Läden, die unsere Stadt interessant und bunt machen.“

          Noch während ihres Studiums startete die Hamburger Wirtschaftspsychologin im Frühjahr 2015 zusammen mit ihrem Partner, dem Wirtschaftsinformatiker Florian Schneider (geboren 1988), die App Findeling (www.findeling.de), die es erleichtert, öfter mal im Laden um die Ecke zu kaufen. Die Plattform bietet schnellen, individuellen Zugang zu speziellen Produkten: „Unsere Nutzer können über die kostenfreie App und auf unserer Website nach Marken, Produkten und Gütesiegeln wie ,bio‘ oder ,handgemacht‘ suchen. Wir zeigen alle Läden im Umkreis an, die den Suchkriterien entsprechen“, erklärt Katharina Walter die Funktionsweise von Findeling. Entscheidend sei dabei das suchmaschinenoptimierte Profil, das potentielle Käufer in die Lage versetze, stimmige Läden nicht weit weg zu finden: „Wo Verbraucher online nach Produkten und Marken suchen, fangen wir sie ab und leiten sie gezielt in Geschäfte in ihrer Nachbarschaft.“

          Ladeninhaber müssen zahlen

          Was Konsumenten gratis nutzen können, ist für Ladeninhaber nicht ganz umsonst. Sie zahlen für ihren Online-Auftritt bei Findeling 99 Euro im Jahr – also wenig mehr als acht Euro im Monat. „Die Gebühr ist moderat, damit Läden jeder Art und Größe partizipieren können. Unter anderem aus diesem Grund sind wir mit 1400 kooperierenden Einzelunternehmen zur größten Plattform für lokale Läden mit den meisten Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz avanciert.“ Von Mitte 2019 an möchten die beiden Gründer mit Findeling noch stärker in den Nachbarländern aktiv werden. „Unser Ziel ist es, bis Ende nächsten Jahres mit mehr als 5000 Geschäften zusammenzuarbeiten.“

          Für Verkäufer kommt inzwischen eine weitere Dienstleistung hinzu. Denn das Gründer-Duo hat Findeling im März 2017 mit „Fairling“ ergänzt. „Damit unterstützen wir Inhaber lokaler Fachgeschäfte auch im Einkauf. Denn wir bieten ihnen nun seit fast zwei Jahren mit Fairling einen übersichtlichen Online-Messebereich an, in dem wir hochwertige neue und innovative Produkte aus aller Welt präsentieren. Ladeninhabern ersparen wir so die Fahrt zu Messen und zeigen ihnen bequem und einfach, welche Artikel ihr Sortiment abrunden können. Mit dem guten Draht und einem tieferen Verständnis vom lokalen Einzelhandel bringen wir Marken und wiederverkaufende Läden zeit- und kostensparend online zusammen. Inzwischen kooperieren wir mit Produzenten aus aller Welt – sogar solchen aus Südafrika.“

          Vor allem mit seinem virtuellen Messebereich verdient das Start-up Geld: Denn für ihren Auftritt buchen Hersteller bei der Plattform eine Mitgliedschaft, deren Preis nach Laufzeit variiert, aber im Schnitt 100 Euro je Monat beträgt. Aktuell sind etwa 250 internationale Marken dort vertreten, schwerpunktmäßig viele europäische.

          Konsumenten suchen bei Findeling vor allem nach „emotionalen Produkten“ wie Geschenke oder Hobby-Artikel. Die Branchen „Möbel & Interieur“, „Feinkost & Spezialitäten“, „Mode & Accessoires“ und „Baby & Kinder“ stehen besonders hoch im Kurs. Das am häufigsten gesuchte Produkt 2018 seien „Kakteen & Sukkulenten“ gewesen, „nicht zuletzt aufgrund des aktuellen Pflanzen-Trends in deutschen Großstädten“, sagt Katharina Walter. Sie beschreibt ihre Nutzer als bewusste und aufgeklärte Verbraucher, die Qualität vor Quantität stellen. Die Kernzielgruppe bei Frauen liege zwischen 25 und 40 Jahren, bei Männern von 35 bis 50. Allein im Dezember 2017 nutzten 45 000 Personen Findeling, 2018 in demselben Zeitraum schätzungsweise 65 000 Interessenten.

          Mittlerweile ist Findeling in den sieben größten Städten Deutschlands aktiv, neben Hamburg also in Berlin, München, Köln, Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf. Seit Herbst vergangenen Jahres aber auch in mittleren und kleinen Städten und damit insgesamt an 20 Orten. Geplant sind 2019 zudem Leipzig und Essen. Aktuell liegt der Firmensitz im Co-Working Space WeWork am Hamburger Axel-Springer-Platz. Die 25 000 Euro Startkapital für die Gründung der GmbH kamen aus einer „Family & Friends“-Runde, eigenem Ersparten sowie Nebenjobs. Die Summe wurde vor allem in die Entwicklung und Programmierung der App investiert. Auf größere Investoren hat man bislang verzichtet. Das 11-köpfige Team besteht „aus einem Mix aus kreativen Köpfen, Marketern, Vertrieblern sowie Programmierern, darunter Freelancer und Praktikanten“. Während ihres Masterstudiums hatten beide Gründer als Werkstudenten bei Start-ups gearbeitet, Florian Schneider bei einer Unternehmensberatung, Katharina Walter bei einem App-Start-up. Nun teilen sie sich in der eigenen Firma die Geschäftsführung. Als Informatiker und Zahlengenie ist Florian für die Programmierungsabteilung und den Vertrieb zuständig. Katharina kümmert sich um neue Konzepte, Funktionen und die Strategie. Seit 2017 schreibt die Findeling GmbH schwarze Zahlen. Über die Gewinnerwartung für 2019 könne man noch nichts sagen, heißt es von Seiten der beiden Geschäftsführer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bitte um Aufschub : Das irre Brexit-Karussell dreht sich weiter

          Die Vorstellung, dass die Briten noch an der Europawahl teilnehmen sollen, ist grotesk. Doch andernfalls bestünden politische und vor allem rechtliche Risiken. Die Unsicherheit geht weiter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.