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Glücklich im Job : Wo die Arbeit am meisten Spaß macht

Der Blick auf die Oberbaumbrücke, die Friedrichshain und Kreuzberg verbindet. Bild: dpa

Laut einer neuen Auswertung leben die glücklichsten Arbeitnehmer in Berlin. Aber was fördert überhaupt die Zufriedenheit von Mitarbeitern? Mehr Freizeit statt mehr Geld ist nur eine Möglichkeit.

          „Ins Scheitern verliebt“ – so titelte das „Zeit-Magazin“ einmal über Berlin. Ellenlange Wartezeiten beim Bürgeramt, wahllos herumliegender Müll und offenbar chronisch defekte Rolltreppen, die Liste der Ärgernisse ist lang und durchaus noch erweiterbar. Trotzdem zieht es gerade junge Menschen aus aller Welt in die deutsche Hauptstadt. Das kulturelle Angebot, die Internationalität und nicht zuletzt der Gründergeist lassen offenbar die diversen Unannehmlichkeiten vergessen.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie sehr sich all das auf die Zufriedenheit der Arbeitnehmer auswirkt, darüber lässt sich nur mutmaßen. Eine Analyse der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu zufolge sind die Berliner im bundesweiten Vergleich jedenfalls am zufriedensten mit ihrer Arbeit.

          Für den bundesweiten Vergleich hat die Plattform etwa Kriterien wie Arbeitsbedingungen, Karrierechancen und Gehalt herangezogen und aus rund 144.000 Nutzer-Bewertungen aus den vergangenen 12 Monaten einen sogenannten „Happiness Index“ erstellt. Dessen Skala reicht von 1 (sehr unzufrieden) bis 5 (sehr zufrieden). Aus welchen Motiven die Arbeitnehmer – ganz gleich ob Azubi, leitender Angestellter oder ehemaliger Mitarbeiter – ihre Bewertung abgegeben haben, geht aus der Auswertung indes nicht hervor.

          Insgesamt zeigt sich ein positiver Trend: So stieg der „Happiness Score“ im Vergleich zum vergangenen Jahr von 3,63 auf 3,65. 2017 lag er noch bei 3,58. Allerdings konnten nur Berlin, Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg ihren Wert im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Berlin kommt auf einen Wert von 3,79 (Vorjahr 3,71) und löst damit knapp Hamburg 3,78 (Vorjahr 3,72) an der Spitze ab.

          Wie schon bei den vorangegangenen Analysen zeigt sich weiterhin ein Ost-West-Gefälle. Mit Bayern (3,76), Baden-Württemberg (3,66) und Hessen (3,65) folgen auf den Plätzen drei, vier und fünf westdeutsche Bundesländer. Der Osten ist in der Rangliste nur auf den hinteren Plätzen zu finden. Am besten schneidet noch Sachsen mit einem Wert von 3,56 ab und liegt damit als einziges ostdeutsches Bundesland noch vor den Schlusslichtern aus dem Westen – Schleswig-Holstein (3,53) und Rheinland-Pfalz (3,53).

          Der Branchenvergleich zeigt derweil, dass gemeinhin gut bezahlte Branchen nicht zwingend auch zufriedenere Mitarbeiter aufweisen können. Während die Bereiche Personalwesen (4,12), Beratung (4,12) oder Wirtschaftsprüfung (3,95) in der Rangliste weit vorne stehen, sind die beispielsweise die Chemie- und Pharma-Branchen deutlich weiter unten zu finden. Das gilt auch für das Handwerk (3,4) oder den Verwaltungsbereich im öffentlichen Dienst (3,46).

          Sport-Angebote kommen gut an

          Aber was fördert überhaupt die Zufriedenheit der Mitarbeiter? Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liefert einige Ansatzpunkte. So verweisen die Autoren auf fünf grundsätzliche Faktoren, die da wären: Sicherheit des Arbeitsplatzes, ein unbefristeter Vertrag, gutes Gehalt und eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen sowie gute Führung durch den Vorgesetzten. Zudem schätzen Beschäftigte der Studie zufolge insbesondere auch betriebliche Sport-Angebote oder Gesundheitschecks.

          Im täglichen Umgang miteinander stehen aber andere – teils sehr subjektive – Aspekte im Vordergrund, wie die Wertschätzung seitens des Arbeitgebers, individuelle Förderung und die Möglichkeit, sich mit Kritik und Anregungen einzubringen. Eine entsprechende Atmosphäre muss ein Unternehmen allerdings erst einmal schaffen – und längst nicht jedem Chef liegt diese Art der Personalführung. Einfach von oben verordnet, kann das schnell schief gehen.

          Eine Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unterstreicht derweil einen anderen Aspekt, der immer wichtiger wird: 58 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland möchten gerne weniger arbeiten. Besonders in der Industrie ist der Wunsch nach mehr Freizeit groß, aber auch im Handwerk, im öffentlichen Dienst und in der Dienstleistungsbranche wünscht sich fast jeder Zweite, weniger zu arbeiten.

          Mehr Freizeit statt mehr Geld

          Wenn mehr Geld oder mehr Freizeit zur Wahl stehen, entscheidet sich heute oft eine beträchtliche Zahl für die Freizeit. Wer da mit flexiblen Arbeitszeiten lockt und die Möglichkeit bietet, auch mal von zu Hause seine Aufgaben zu erledigen, sammelt bei seinen Mitarbeitern Pluspunkte. 

          Auf diese Wünsche einzugehen ist für Arbeitgeber natürlich kein Kinderspiel. Je nach Branche gibt es verschiedene mehr oder weniger einfach zu überwindende Hürden. Eine aufstrebende PR-Agentur, wo schon für den Chef Home Office und Gleitzeit selbstverständlich sind, hat es da in der Regel einfacher als ein Industriebetrieb, in dem lange etablierte Strukturen mühsam verändert werden müssen.

          Am Ende muss ohnehin das Gesamtpaket passen. Wenn der Agentur-Besitzer ein Choleriker, die Bezahlung mau und der Kollege unsympathisch ist, macht schließlich auch die Flucht an den heimischen Schreibtisch noch lange keinen zufriedenen Mitarbeiter.

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