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Lohnlücke : Der kleine Unterschied wird kleiner

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Am Labortisch werden auch künftig keine Laien sitzen. Bild: dpa

In den meisten Berufen verdienen Frauen weniger als Männer. Daran hat sich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert. Doch die „Gender Pay Gap“ ist leicht geschrumpft.

          Noch immer werden Frauen und Männer in Deutschland unterschiedlich bezahlt. Rechnet man heraus, dass sie auch in unterschiedlichen Branchen arbeiten, dass Frauen öfter in geringer bezahlten Berufen tätig sind sind als Männer und dass es noch weitere „erklärende“ Faktoren für die Gehaltslücke gibt, bleibt trotzdem noch ein so genannter „unerklärter Rest“ zurück. Die gute Nachricht ist: Dieser Rest schrumpft.

          In diesem Jahr haben Frauen einer aktuellen Analyse zufolge 4,5 Prozent weniger Gehalt als Männer verdient. Im Vergleich zum Vorjahr ist die bereinigte Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern somit von 5,2 Prozent um 0,7 Prozentpunkte geschrumpft. Zu diesem Ergebnis kam die Hamburger Vergütungsberatung Compensation Partner nach einer Untersuchung der Gehaltsangaben von 219.734 Fachkräften.

          Bei ihrer Analyse unterschieden die Urheber zwischen zwei Gehaltsgruppen. Die erste verdiente im Median 33.000 Euro brutto jährlich, die zweite 60.000 Euro.

          Größte Gehaltslücke im Gesundheitswesen

          Im Branchenvergleich liegt die größte Entgeltlücke bei der geringer vergüteten Gruppe mit 7,5 Prozent in der Softwareentwicklung vor. Es folgen mit 7,3 Prozent das Versicherungswesen und die Metallindustrie mit 5,4 Prozent.

          In der höher vergüteten Gehaltsklasse sind die Entgeltlücken hingegen signifikanter: Im Gesundheitswesen beträgt sie 10,4 Prozent, in der Logistik 9,9 Prozent und in der Werbung beziehungsweise Public Relations (PR) 9,8 Prozent.

          Mit Blick auf das Alter ist die Lohnlücke in der höher vergüteten Gruppe bei den Beschäftigten zwischen 50 und 59 Jahren mit 7,8 Prozent am größten. In der niedrigeren Verdienstklasse beträgt sie dagegen für die gleiche Altersgruppe nur 0,5 Prozent. Zudem verdienen Frauen, die älter sind als 60 Jahre sogar 2,8 Prozent mehr als gleichaltrige Männer in dieser Gruppe.

          In manchen Branchen verdienen Frauen sogar mehr

          Laut der Analyse gibt es aber auch Branchen, in denen Frauen mehr verdienen als Männer. Dies gilt vor allem für Beschäftigte in Berufen der niedrigen Gehaltsklasse.

          Die höchste Entgeltlücke zu Gunsten der Frauen liegt dabei in der Touristik- und Freizeitindustrie: Dort verdienen weibliche Beschäftigte 5,5 Prozent mehr als männliche Kollegen.

          In der Lebensmittelbranche beziehen weibliche Beschäftigte 3,2 Prozent und in der Unternehmensberatung 2,9 Prozent mehr Gehalt als Männer.

          Fast neun Prozent in der Unternehmensberatung

          Um den Lohnunterschied auch an konkreten Beispielen deutlich zu machen, haben die Urheber der Analyse Paare aus unterschiedlichen Berufen ermittelt, die jedoch mit Blick auf ihre Position, ihr Alter, ihren Bildungshintergrund und die Firmengröße die gleichen Voraussetzungen haben.

          Das Resultat: In allen Fällen errechneten die Experten eine Entgeltlücke zu Ungunsten der Frauen. Vier Beispiele sind in der Erhebung exemplarisch aufgeführt.

          So beträgt die Lohnlücke für die Stichprobe im Bereich Marketing 5,8 Prozent, bei Rechtsanwälten drei Prozent und in der Krankenpflege 2,9 Prozent. Am höchsten ist der Wert mit 8,7 Prozent bei dem Paar, das in einer Unternehmensberatung arbeitet.

          Zum Begriff „bereinigte Entgeltlücke“

          Zwar ergibt sich in dieser Erhebung im direkten Geschlechtervergleich ein Lohnunterschied von 26,5 Prozent. Allerdings ist diese Lohnlücke noch unbereinigt. Um einen aussagekräftigen Wert zu erhalten, haben die Urheber der Analyse deshalb unterschiedliche Stellenprofile gegenübergestellt, beispielsweise berufserfahrene Akademiker und junge Beschäftigte kurz nach ihrer Ausbildung. Gleichzeitig wurden identische oder sehr ähnliche Stellenprofile miteinander verglichen. Somit wurden für die Erhebung nicht nur Berufe, sondern auch die Anforderungsniveaus in zwei unterschiedlichen Personengruppen berücksichtigt.

          Die erste Gruppe umfasst Berufe, deren Gehälter im Median, also nicht im Durchschnitt sondern im Mittel aller betrachteten Größen, mit rund 33.000 Euro Bruttojahreseinkommen leicht unter dem deutschen Medianeinkommen liegen. Die zweite Gruppe beinhaltet Berufe mit Gehältern um die 60.000 Euro. Während die Entgeltlücke in der geringer vergüteten Gruppe bei 1,4 Prozent liegt, beträgt sie in der höher verdienenden 7,6 Prozent. Insgesamt ergibt sich daraus folglich in dieser Analyse der bereinigte Gender Pay Gap von 4,5 Prozent.

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