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Die erste Stelle nach der Uni : Wo geht’s hier zum Traumjob?

  • -Aktualisiert am

Startklar? Wer seine ersten Schritte auf dem Arbeitsmarkt machen will, sollte für die Aufgabe gerüstet sein. Bild: Kai Nedden / F.A.Z.

Nach der Universität stellt sich die Frage nach der ersten Stelle. Mediziner wissen meist, wohin die Reise geht. Betriebswirte oder Geographen müssen ihren Weg erst finden. Eine gute Vorbereitung erhöht die Chancen.

          Thomas Tuchel hat sein größtes Talent zum Beruf gemacht - ist dafür allerdings einen großen Umweg gegangen. Mit 24 Jahren zwang ihn eine Knorpelverletzung, seine Fußballerkarriere aufzugeben. Er studierte BWL, weil er wissen wollte, ob er das schafft. Und weil es seine Eltern beruhigte. Tuchel kellnerte und lernte eine ganz andere als die Fußballwelt kennen. Als dann allerdings sein alter Trainer Ralf Rangnick anrief und ihn fragte, ob er sich nicht selbst vorstellen könnte, eine Jugendmannschaft zu trainieren, traf er diese große Entscheidung schnell. Die Karriere ging steil bergauf. Seit 2009 ist Tuchel nun schon erfolgreich als Trainer des Bundesligisten FSV Mainz 05.

          Oft ist der Einfluss der Eltern noch groß, wenn sich Abiturienten für ein Studium entscheiden. Viele Jura- und Medizinstudenten kommen aus Anwalts- oder Arztfamilien - ihre Ausbildung läuft auf ein klares Ziel hinaus. Doch es gibt auch Studiengänge, die nicht in klare Berufsfelder münden, wie Forscher das nennen. Diese Absolventen müssen dann selbst aktiv werden, um sich den Traumberuf zu erschließen. Tatsächlich entscheiden die meisten Studierenden erst zum Ende des Studiums oder sogar erst nach dem Abschluss, was sie werden möchten und wo sie sich bewerben. Dann ist der Kopf frei, und die Welt steht ihnen offen. Aber wie findet man diesen einen Beruf? Welche Ansprüche kann man stellen? Und hat einen die Universität überhaupt auf den Arbeitsalltag vorbereitet?

          Absolventen haben hohe Ansprüche

          Nina Rattay kann das alles noch nicht beantworten. Ihr fehlt zum Abschluss in Politik und Soziologie noch die Bachelorarbeit. Das Thema lautet „Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien“. Danach will sie sich auf die Suche am Arbeitsmarkt begeben. Die 26-Jährige würde gerne in den Entwicklungsdienst gehen, hat während ihres Studiums einige Zeit in Lateinamerika verbracht und könnte diese Erfahrungen bei ihrer ersten Stelle einbringen. „Finanziert habe ich mir die Ausbildung mit dem Organisieren von Events und Teamleitungen in der Gastronomie. Am liebsten würde ich beides verbinden“, sagt Rattay. Konferenzen und Veranstaltungen für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit organisieren, das wäre die perfekte Kombination. Auf eine solche Stelle würde sie sich sofort bewerben.

          Die Absolventenstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das aus dem HIS-Institut für Hochschulforschung hervorgegangen ist, zeigt die hohen Ansprüche der Absolventen. Gregor Fabian, einer der Autoren dieser Erhebung, fasst es so zusammen: „Sie wollen einen erfüllenden Beruf, aber auch ihr Privatleben genießen und eine Familie gründen.“

          Die Universität Bamberg befragt seit zehn Jahren gemeinsam mit der Goethe-Universität in Frankfurt am Main Studenten, Absolventen, Berufsanfänger und Berufserfahrene, die eine neue Stelle suchen, für die Studie „Bewerbungspraxis“. Ein Ergebnis der neuesten Umfrage zeigt auch hier: Ein Viertel der 6000 Teilnehmer schätzt seine Chancen auf den individuellen Traumjob als gut ein, und sogar knapp 46 Prozent erwarten, eine Stelle zu finden, die den eigenen - hohen - Ansprüchen genügt. „Flexible Arbeitszeiten und Work-Life-Balance sind dabei wichtiger als ein hohes Gehalt“, sagt Sven Laumer von der Universität Bamberg. Auch auf ein gutes Arbeitsklima und die offene Weitergabe von Wissen legen die Suchenden großen Wert: keine Kungeleien hinter verschlossenen Türen, flache Hierarchien, jeden mitdiskutieren lassen. Das sind die typischen Werte und Vorstellungen, die der nach 1980 geborenen „Generation Y“ zugeschrieben werden.

          Der erste Eindruck zählt

          Ob ein Unternehmen das bietet, machen viele vom ersten Eindruck abhängig: Fast alle Stellensuchenden gaben bei der Bewerbungspraxis an, wie wichtig diese Impressionen sind, die sie beim Einstellungsgespräch gewinnen. Über die Hälfte von ihnen hat schon mindestens einmal aufgrund dieser Eindrücke ein Angebot abgelehnt.

          Erfolgversprechender scheint es für beide Seiten deshalb zu sein, sich schon während des Studiums kennenzulernen: bei Praxissemestern, Forschungsprojekten und spätestens während der Abschlussarbeit. Die Arbeitgeber können dann die Fähigkeiten ihrer zukünftigen Mitarbeiter besser einschätzen, die Studierenden wissen vorher, worauf sie sich einlassen. Ein Fünftel der Absolventen sowohl von Universitäten als auch von Fachhochschulen findet auf diesem Weg ihre erste Beschäftigung.

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