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Die beliebtesten Ziele (2) : Brutto-Paradies Schweiz

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EU-Europäer sind willkommen Bild: dpa

Noch nie verließen so viele Deutsche ihre Heimat. Arbeiten in Europa oder Übersee wird attraktiver. Das F.A.Z.-Ressort „Beruf und Chance“ stellt die begehrtesten Auslandsmärkte vor. Heute: die Schweiz.

          Deutsche Auto-Kennzeichen lernten Schweizer früher meist nur dann kennen, wenn die Urlauber kamen. Nun können sie die Schilder zu jeder Jahreszeit sehen, denn der Zustrom deutscher Arbeitskräfte ist groß. Das kleine Land ist inzwischen vor den Vereinigten Staaten zum beliebtesten Ziel deutscher Arbeitnehmer und Auswanderer geworden. Die Immigranten fallen auch auf, weil im schwyzerdütschen Umfeld Hochdeutsch sofort herauszuhören ist. Diese Klänge sind nicht nur häufiger in der Wirtschaftsmetropole Zürich, sondern auch in der Schweizer Provinz zu vernehmen. Hier sichtet man besonders viele ostdeutsche Autokennzeichen, denn auf dem Lande gibt es zahlreiche Jobs in der Gastronomie und auf dem Bau.

          Es ist vor allem der gut und oft akademisch ausgebildete Nachwuchs, der in die Schweiz strömt, also Ärzte, Banker und Informatiker. Eine Analyse zeigt, daß allein zwischen 2003 und 2005 die Zahl der Deutschen in akademischen Berufen um 6000 und bei technischen Berufen um fast 5000 zunahm. Die höher qualifizierten Deutschen bekommen meist eine längere Aufenthaltserlaubnis (Niederlassung), während Kellner und Handwerker oft sogenannte Kurzaufenthalter sind, also nach ein paar Wochen oder Monaten wieder ausreisen.

          Immer mehr Deutsche erwartet

          Zählt man beide Kategorien zusammen und blickt in die Ausländerstatistik des Bundesamtes für Migration in Bern, so dürften im Vorjahr mehr als 20.000 Deutsche in die Schweiz gekommen sein. Seit 2002 sind etwa 50.000 Personen eingewandert, die nicht eine befristete, sondern eine mehrjährige Aufenthaltserlaubnis haben. Wenn im Mai 2007 die letzten Ausländerkontingente bei Kurzaufenthaltern abgeschafft werden, dürfte der Strom der Deutschen noch größer werden.

          Es gibt zwei Gründe für die massive Zuwanderung: Die Schweiz hat ihre Ausländerpolitik geändert und dabei ein duales System geschaffen: EU-Europäer sind willkommen, seitdem man mit Brüssel in einem bilateralen Vertrag gegenseitige Personen-Freizügigkeit einführte. Ausländer aus Drittstaaten dürfen dagegen nur kommen, wenn sie qualifiziert sind. Der andere, ebenso wichtige Grund für den Zustrom der Deutschen: Die Schweizer Wirtschaft wächst so stark wie seit Jahren nicht mehr, und der inländische Fachkräftemarkt ist leer gefegt. Wenn man aber schon Ausländer einstellt, dann am liebsten die aus dem sprach- und kulturverwandten Nachbarland. Satte 56 Prozent der Nettozuwanderung entfielen daher in letzter Zeit auf Deutsche.

          Ein Job-Paradies?

          Ist die Schweiz ein Job-Paradies? Zürich bietet zur Zeit hervorragende Stellen auf dem stark wachsenden Finanzplatz, und die zwei beneidenswert erfolgreichen Pharma-Konzerne Roche und Novartis locken ebenfalls viele Hochschulabsolventen, die oft auch als Grenzgänger tätig sind, also in Basel arbeiten und in Deutschland leben. Das Lohnniveau in beiden Branchen ist höher als in Deutschland, der durchschnittliche Bruttolohn eines 40 Jahre alten Mitarbeiters mit Uni-Abschluß liegt bei knapp 10.000 Franken.

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