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Arbeiten an Sehnsuchtsorten : Mit dem Gondelfahrer auf die Zugspitze

„Andy“ Schmidt mit interessierten Berg-Gästen Bild: Rüdiger Köhn

Andreas Schmidt fährt die Seilbahn auf Deutschlands höchsten Berg. Vor allem aber ist er ein passionierter Touristenführer – und abends knipst er oben auf dem Gipfel das Licht aus.

          Den Sonnenuntergang auf einer Höhe von 2962 Meter genießen; an Silvester bei klarer Sicht das Feuerwerk in München und in Augsburg bestaunen, allein in der Stille, in dünner Luft, die einen schwerer atmen lässt; das sollte doch ein Privileg sein. „Ein cooles Erlebnis ist das schon“, sagt Andreas Schmidt. Begeistert klingt er allerdings nicht. „Es ist nichts Besonderes mehr, wenn man so oft hier oben ist.“ Zu eingespielt ist seine Arbeit – abends über Deutschland das Licht auszuschalten.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Andy, wie sie ihn alle nennen, ist „Übernachter“ auf der Zugspitze. Nach der letzten Fahrt der Seilbahn ins Tal gegen 17 Uhr schaltet er tatsächlich abends das Licht auf Deutschlands höchstem Berg aus, genauer: das Licht in der Bergstation seines Arbeitgebers, des Gondel-Betreibers Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG (BZB). Danach schläft Schmidt ganz allein oben auf dem Gipfel in einer Zwei-Zimmer-Bude. „Das fühlt sich nicht immer wie Arbeit an“, sagt der aus dem thüringischen Greiz stammende Schmidt, der sich längst als Garmischer fühlt.

          Aber: Laune und allgemeines Wohlbefinden hängen auch vom Wetter ab. „Die Belastung hier oben ist beträchtlich.“ Nicht immer scheint die Sonne, selten weht ein laues Lüftchen. Trockene Höhenluft, Kälte, Schnee, Eis, Gewitter und Blitze sind nicht selten. Und diese Stürme! Ruhiger Schlaf sei in Anbetracht ausgetrockneter Schleimhäute, des ständigen Trinkens und des damit verbundenen häufigen Gangs zur Toilette keine Selbstverständlichkeit, sagt Schmidt. Gehörschutz ist nachts angebracht, wenn die Windböen mit mehr als 100 Kilometer in der Stunde um die Bergspitze pfeifen. „Sonst wird man wahnsinnig hier oben.“ Der Naturbursche ist aber nicht zartbesaitet. „Ich vertrage das gut.“

          Vor dem Lichtausknipsen kehrt er mit der Putzmaschine die Bereiche, die Stunden zuvor von Touristen bevölkert waren, leert Mülleimer, macht Kontrollrundgänge im Gebäude der Bergstation und auf dem Gipfelplateau. Schmidt übernimmt auch Hausmeisterarbeiten, wenn der richtige Hausmeister gerade nicht oben weilt: Nachts muss er bei Gewitter auch mal die durchgeknallte Sicherung wieder einschalten.

          Rund 30 Mitarbeiter der Bergbahn könnten sich theoretisch mit den Übernachter-Schichten abwechseln, aber nicht alle können und wollen das gleichermaßen: Beschäftigte mit Familie sind lange von zu Hause fern, da mit Übernachtung und dem normalen Dienst eine Schicht eineinhalb Tage dauert.

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          Manche sind auch gesundheitlich nicht in der Lage dazu: Das Herz schlägt unruhig auf fast 3000 Meter. „Ich bin da geeigneter als andere Kollegen“, sagt Schmidt, 43 Jahre alt und „Single aus Überzeugung“. Er übernimmt die Nachtschicht daher überdurchschnittlich oft. Drahtig ist er, liebt die Natur, Skifahren, Bergwandern und Laufen. Er hat aber nichts mit den Bergkletterern zu tun, die 100 Meter entfernt in der Alpenvereinshütte „Münchner Haus“ nach dem Aufstieg nächtigen. Zwei getrennte Welten.

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