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Streit um die Stechuhr : Deutschlands neue Ober-Personalchefin für Wochenarbeitszeit

  • -Aktualisiert am

Eine moderne Variante der Stechuhr Bild: dpa

Seit dem jüngsten EuGH-Urteil diskutiert Deutschland über Arbeitszeiten. Der Bundesverband der Personalmanager hat nun eine neue Präsidentin gewählt – die sich gleich eindeutig zum Thema Stechuhr positioniert.

          Sie ist so etwas wie Deutschlands Ober-Personalchefin: Die Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM). Dieses Ehrenamt, das bislang Elke Eller inne hatte, übernimmt ab diesem Dienstag Inga Dransfeld-Haase. Eller, 56 Jahre alt und hauptamtlich Personalvorstand im Reisekonzern Tui, hatte den Posten seit 2015 inne, ließ sich 2017 im Amt bestätigen und war nun nicht mehr zur Wahl angetreten, um einer „neuen Generation“ Platz zu machen. Ihre Nachfolgerin Dransfeld-Haase, 40 Jahre alt und studierte Juristin, ist im Hauptberuf Personalleiterin des Zuckerproduzenten Nordzucker AG.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Im BPM engagieren sich Personalverantwortliche aus den verschiedensten Unternehmen und Organisationen; aktuell hat er rund 4700 Mitglieder. Derzeit veranstaltet der Verband seinen einmal im Jahr stattfindenden Kongress in Berlin. Dort traten auch die stellvertretenden Präsidiumsvorsitzenden Christa Stienen (DB Schenker) und Thomas Belker (früher Talanx Services) nicht mehr zur Wiederwahl an. Als Vizepräsidenten wurden Katharina Herrmann (Hubert Burda Medien), Thymian Bussemer (Volkswagen) und Frank Kohl-Boas (Zeit Verlag) gewählt. Die beiden Erstgenannten gehören dem Präsidium schon seit einigen Jahren an.

          Wie wird Arbeitszeiterfassung geregelt?

          Inga Dransfeld-Haase hat sich im Personalmanager-Verband bislang für die Themen Vielfalt und Gehälter-Gerechtigkeit stark gemacht. Sie will sich künftig schwerpunktmäßig mit den Themen Mitarbeitergewinnung in Zeiten ausscheidender Babyboomer, Diversity und Führung in Zeiten der digitalen Transformation beschäftigen. Zudem treibt sie das Thema Arbeitszeiterfassung um. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem vergangenen Monat müssen Arbeitszeiten von Mitarbeitern künftig vollständig erfasst werden. Eine gesetzliche Konkretisierung in Deutschland steht noch aus.

          Elke Eller (rechts) und Inga Dransfeld-Haase (die alte und die neue Präsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager)

          Dransfeld-Haase sagte der F.A.Z. in Berlin, sie wünsche sich, dass Vertrauen hinsichtlich der Arbeitszeiten gelebte Kultur in den Unternehmen bleibe. Sie sieht das Urteil als Möglichkeit, auch über flexiblere Regelungen im deutschen Arbeitsrecht neu zu diskutieren. „Wir müssen hin zu einer Regelung, die sich auf die Wochenarbeitszeit bezieht, statt auf tägliche Arbeitszeiten.“

          „Wo Licht ist, ist auch viel Schatten“.

          Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), sagte in seiner Rede auf dem Kongress, die Umsetzung des Urteils werde „schwierig“ werden. „Ich rede mit Wirtschaft und Gewerkschaften darüber, das verhältnismäßig umzusetzen und nicht überall die Stechuhr wiedereinzuführen.“

          Der Schwerpunkt der jetzt scheidenden Elke Eller während ihrer Verbands-Präsidentschaft war das Thema „Zukunft der Arbeit“. Zuletzt rückte sie immer stärker Fragen zur Digitalisierung der Personalarbeit ins Zentrum. Zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Big Data in der Personalarbeit hat sich Eller in der Vergangenheit differenziert positioniert. Im vergangenen Sommer mahnte sie in der F.A.Z., Personalentscheidungen müssten am Ende immer in der Hand eines Menschen liegen.

          Eller sagte in Berlin, KI-Lösungen in der Personalarbeit böten große Chancen, doch „wo Licht ist, ist auch viel Schatten“. Während des Kongresses wollen die Personalverantwortlichen unter anderem einen Entwurf für Richtlinien für einen ethisch verantwortungsvollen Umgang mit KI und Big Data im Bereich der Personalabteilungen vorstellen.

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