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Personalwerbung : An die Zielgruppe herangechattet

  • -Aktualisiert am

„Es gibt kein Unternehmen, das sich nicht regelmäßig den nachwachsenden Generationen darstellen muss“: Daimler chattet jetzt mit dem Nachwuchs via Whatsapp. Bild: dpa

Daimler hat für den Nachwuchs die virtuelle Tür aufgestoßen und kommuniziert mit ihnen nun auch über Whatsapp, Fotos von den Hefeschnecken aus der Kantine inklusive. Ob das was bringt?

          Am Werkstor beginnt eine neue Welt voller Geheimnisse: Wie dort wohl die Fabriken und die Büros aussehen? Wie die Kollegen miteinander umgehen? Ob die Kantine etwas taugt? Der Autohersteller Daimler hat jetzt einmal die virtuelle Tür aufgestoßen, über Whatsapp, den mobilen Dienst für Textnachrichten. Und hundert Neugierige ahnen jetzt, wie es so ist, wenn man bei „Moovel“ arbeitet, jener Einheit, in der Daimler die modernen Mobilitätsdienstleistungen gebündelt hat.

          Edith Callsen, die dort als Trainee tätig ist, nahm die Interessenten über den Whatsapp-Chat via Smartphone mit durch ihren Tag - und bei Daimler ist man glücklich: „Das war gut, und es geht weiter“, sagt Martin Maas, Mitarbeiter im Personalmarketing des Stuttgarter Konzerns. Ein nächstes Projekt werde schon geplant für junge Leute, die sich für ein Studium an der Dualen Hochschule interessieren; voraussichtlich wird das im Mai sein.

          „Tippen und Laufen muss man erst mal hinkriegen“, schreibt Edith Callsen um 9.10 Uhr im Whatsapp-Chat. Da hatte sie schon ein Foto von sich am Werkstor geschickt und die ersten Nachfragen erhalten: „Studienrichtung? BA oder Master?“ Jetzt ist sie auf dem Weg in den Shop, der auf dem Daimler-Gelände Backwaren verkauft. „Bild?“, fordert Teilnehmer Nummer 19. Und Edith Callsen liefert: Berliner, Croissants, Hefeschnecken.

          „Die Bude hat gebrannt. Wir waren nur am Schreiben“

          Das Foto von den Backwaren sei ein Puzzleteil in dem Bild, das sich die Chat-Teilnehmer von Daimler als Arbeitgeber machen, sagt Peter Berg überzeugt, der das Talentmanagement für den Daimler-Konzern leitet: „Die Eindrücke setzt sich jeder selbst zusammen.“ Auf authentische Weise Einblick in den Berufsalltag zu bekommen, das helfe durchaus bei der Berufsorientierung, erklärt Martin Maas, der die Idee für die Whatsapp-Aktion hatte.

          Der Vorteil des Chats sei zudem, dass es keine Einbahnstraße sei: „Wir öffnen damit eine neue Tür für Kommunikation.“ Auf hundert Teilnehmer war diese Aktion beschränkt, ganz einfach weil Whatsapp keine größeren Chat-Gruppen zulässt.

          Und zumindest für den ersten Test sei das auch sinnvoll gewesen, berichtet Martin Maas: „Die Bude hat gebrannt. Wir waren nur am Schreiben.“ Nicht nur Edith Callsen gab Einblicke in ihren Alltag und ihre Studien- und Berufswahl, auch Kollegen aus dem Personalbereich beantworteten Fragen zu Berufseinstieg und Karriere bei Daimler und entlasteten so die junge Moovel-Mitarbeiterin, die ja ihren ganz normalen Alltag bewältigen und somit dokumentieren sollte.

          Tuchfühlung aufnehmen, nicht Daten absaugen

          Tuchfühlung aufnehmen mit potentiellem Nachwuchs ist das Einzige, was Daimler mit Whatsapp erreichen will. Andere Möglichkeiten wolle man nicht nutzen, versichert Berg - auch wenn theoretisch vieles möglich wäre. Im Zeitalter von Big Data könnte die mobile Ortung der Teilnehmer erkennen lassen, wie reisefreudig sie sind. Auch die Idee, Push-Mitteilungen mit Werbung zu senden, hält man für abwegig. „Das kommt für uns nicht in Frage“, sagt Maas: „Das ist kein Daten-Krake. Alle Daten vom Chat sind noch am gleichen Abend gelöscht worden. Uns bleibt nichts außer ein, zwei Screenshots, mit denen wir unsere Aktion erklären können.“

          Zu spontanen Vertragsabschlüssen ist es übrigens auch nicht gekommen, das sei aber auch nicht das Ziel gewesen. „Es gibt kein Unternehmen, das sich nicht regelmäßig den nachwachsenden Generationen darstellen muss - gerade auch weil es sich durch den technologischen Fortschritt verändert, Stichwort zum Beispiel autonomes Fahren“, erklärt Personalmarketing-Experte Maas den Hintergrund der Aktion. Ein Gefühl dafür zu bekommen sei für beide Seiten hilfreich, ergänzt Berg: „Es spart Zeit, wenn man merkt, dass man nicht zusammenpasst, dass man andere Vorstellungen hatte.“

          Mit dem Whatsapp-Chat betritt der Fahrzeugkonzern Neuland. Wie schon einmal im Bereich soziale Netzwerke: Daimler gehörte auch zu den Ersten, die Facebook als Medium für Personalmarketing genutzt haben. Facebook hat übrigens Whatsapp vor rund einem Jahr für 19 Milliarden Dollar gekauft. „Wir haben für uns ein neues Format gefunden“, resümiert Maas. „Doch ob wir Erfinder sind? Sagen wir es so: Wir sind Erfinder des Automobils. Das ist sicher.“

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