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Chatbot der Arbeitsagentur : Berufsberatung per Whatsapp

Der Youtuber Julien Bam leiht der Aktion sein Gesicht. Bild: dpa

Die Arbeitsagentur pirscht sich an Jugendliche ran - und Julien Bam mischt auch noch mit. Ein Schüler und ein Personalfachmann haben das neue Instrument für die F.A.Z. getestet.

          Deine Schwester hat deinen Laptop geklaut und sich eingeschlossen. Was machst du? Mit dieser Frage beginnt ein neuer Test der Bundesagentur für Arbeit, der Jugendliche dazu bringen soll, sich über ihre berufliche Zukunft Gedanken zu machen. Die Frage bekommen die Schüler als Whatsapp-Nachricht direkt auf ihr Smartphone geschickt. Dahinter steckt kein Berufsberater aus Fleisch und Blut, sondern ein Chatbot, also ein Automatismus, der Texte versenden und entgegennehmen kann. Damit nicht genug: Zu Beginn des Dialogs meldet sich ein tätowierter junger Mann mit Wuschelfrisur zu Wort: „Hey, ich bin’s, Julien Bam. Willkommen beim What’sMeBot!“ Julien Bam ist einer der derzeit unter Jugendlichen angesagtesten deutschen Youtube-Videokünstler.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jugendliche sollen so ganz locker und leicht mit dem Thema Berufswahl in Berührung kommen. Schon vor der Arbeitsagentur haben Arbeitgeber versucht, den Kanal Whatsapp dafür zu nutzen: Daimler hat etwa schon einmal einen typischen Traineetag für Interessierte per Whatsapp dokumentiert. Und die Diakonie Deutschland bietet seit 2015 Berufsberatung zu sozialen Berufen über Whatsapp an. Hinter deren Chats steckt die Kommunikationswissenschaftlerin Maja Schäfer, die alle Fragen persönlich auf dem Diensthandy beantwortet. Allerdings hat sie maximal 100 Chats im Halbjahr. Den What’sMeBot haben schon an den ersten Betriebstagen Tausende Nutzer aufgerufen, mittlerweile sind es mehrere Zehntausend am Tag. Berufsberater aus Fleisch und Blut würden da schön ins Schwitzen kommen.

          Der Arbeitsagentur-Bot bleibt locker: Acht Fragen schickt er den Schülern aufs Handy, dazu lustige Bildchen und schnodderige Kommentare: „Geht klar, Du bist der Boss“, heißt es, nachdem der Jugendliche ausgewählt hat, wie sein künftiges Büro aussehen sollte. In den Chat kommen Schüler über die Internetseite „Dasbringtmichweiter.de“. Dort gibt’s eine Telefonnummer und eine kleine Anleitung.

          Seit dem Herbst hat die Arbeitsagentur am Gesamtkonzept des „What’sMeBots“ gearbeitet, sagt Marketingleiter Klaus Lukaszczyk. Zielgruppe sind Schüler ab zwölf Jahren. Der Chatbot war schnell programmiert, mehr Zeit nahmen die Konzeption des Tests und das Marketing in Anspruch. Die Bundesagentur produzierte Filme fürs Netz, einen Fernsehspot und ein Youtube-Video mit Julien Bam, das schon mehr als eine Million Mal aufgerufen wurde. Etwas mehr als 500 000 Euro hat das gesamte Projekt gekostet.

          „Nur ein Spiel“

          Der Unternehmensberater und Recruiting-Spezialist Wolfgang Brickwedde findet das Format „lustig, alters- und zielgruppengerecht“. Brickwedde glaubt, der Bot eigne sich gut, um mit Schülern ins Gespräch zu kommen. Sollte es aber um wirklich kompetente Hilfe bei der Berufswahl gehen, habe er erhebliche Zweifel: „Dann lautet mein Fazit: Setzen, sechs!“ Ihm als planerischem, zahlenorientiertem Typ sei etwa bei einem Selbsttest ein Kreativberuf als Steinmetz vorgeschlagen worden. Lukaszczyk von der Arbeitsagentur wiegelt ab. Der Bot sei „nur ein Spiel“, die Vorschläge seien nicht als ernstzunehmende Berufsberatung zu sehen, sondern nur als „Impuls“. Die Schüler sollten ihre Ergebnisse als Grundlage für eine spätere klassische Berufsberatung nutzen.

          Mit seinen knapp zwölf Jahren ist Theo vom Schiller-Gymnasium in Frankfurt noch zu jung, um über spätere Traumberufe nachzudenken - aber weil er schon zur Klientel des What’sMeBots gehört, hat er ihn für die F.A.Z. getestet. Es wurden 20 Minuten ohne Langeweile oder Fragen nach dem Sinn des Frage-und-Antwort-Spiels. Zumal Julien Bam wohlbekannt ist. Erste Auskunft des Heranwachsenden: „Kenne ich, ist ein cooler Typ.“ Ob es an den Tattoos liegt? So oder so, die Sympathie macht alles leichter. Die ersten Antworten lassen erahnen, wohin die Reise geht: Beim von der Schwester geklauten Laptop wird auf Verhandlungen, nicht auf Gewalt gesetzt; beim Traumbüro ist nicht die Ausstattung wichtig, sondern die netten Kollegen. Und als nach der eigenen Superkraft im Büro gefragt wird, fällt die Wahl auf die wunderbare Antwort: „Ich kann Chaos in Übersichtlichkeit verwandeln.“

          Am Ende wird Theo als „sozialer Superheld“ geadelt; ihm wird eine Ausbildung im sozial-pflegerischen Bereich empfohlen. Das kommt gut an. Theos Urteil fällt denn auch viel positiver aus als das vom Recruiting-Profi: „Passt, das Ergebnis gefällt mir.“

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