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Chartered Financial Analyst : Ritter der Finanzanalyse

Steht bei Analysten hoch im Kurs: Der Titel CFA Bild: dpa

Der Titel Chartered Financial Analyst (CFA) sorgt für mehr Durchblick an den Finanzmärkten. Denn er gilt als anspruchsvoll und ist international hoch anerkannt. Der Bedarf an Fachleuten ist groß.

          Kompliziert sind die Finanzmärkte, unübersichtlich zuweilen, gefühlt unermesslich groß. Es gibt Tausende verschiedene Aktien, Anleihen, Optionen und viele andere Wertpapierarten mit teilweise höchst fremd klingenden Namen. Zu viele, um sich selbst alles zu merken, alles zu wissen, alles einschätzen zu können. Wer kennt sich aus, wen kann man um Rat fragen?

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Was die Wahl des richtigen Ratgebers angeht, gibt es Möglichkeiten, sich zu orientieren. Da sind einmal die Namen der Banken, die eine gute Reputation wollen und an qualifiziertem Personal interessiert sind. Daneben gibt es aber auch Gütesiegel, die einzelne Marktbeobachter auszeichnen - unabhängig von ihrem Arbeitgeber. Der Chartered Financial Analyst (CFA) ist ein Titel, der genau in diesen Bereich fällt. Er gilt als anspruchsvoll. Und er ist international und zumal im angelsächsischen Raum hoch anerkannt. Ihn zu erreichen bedeutet so etwas wie den Ritterschlag für einen Finanzmarktanalysten.

          Bilanzierung und Rechnungswesen pauken

          Im Grunde ist der CFA ein berufsbegleitendes Wirtschaftsstudium mit dem Schwerpunkt auf Finanzmarktthemen. Wer ihn anstrebt, muss unter anderem Bilanzierung und Rechnungslegung pauken, einen Geschäftsbericht interpretieren können, sich mathematisch anspruchsvolle statistische Methoden aneignen und über Unternehmensfinanzierung Bescheid wissen. In dem Programm geht es außerdem um Wertpapiere und Verfahren, mit deren Hilfe man ausrechnen kann, was sie kosten sollten, volkswirtschaftliche Fragen und schließlich auch um ein Berufsethos für Finanzpraktiker, worunter beispielsweise Verschwiegenheitspflichten fallen.

          Auf dem Weg zum Titel stehen drei Prüfungen an. Das größte Problem für diejenigen, die sie absolvieren wollen, ist die Zeit. Üblicherweise läuft die Vorbereitung neben dem Beruf her - was angesichts der ohnehin sehr langen Arbeitszeiten in einer Bank der wesentliche Grund dafür sein dürfte, dass die Durchfallquoten vergleichsweise groß sind. Wer Familie hat, muss sich außerdem arrangieren. Zum Titel gehört überdies der Nachweis von Berufserfahrung.

          Viele Banken schaffen Anreize zum Bestehen der Prüfung

          Viele Banken weisen ihre (neuen) Mitarbeiter darauf hin und ermutigen sie, den CFA anzustreben, vor allem, wenn sie in der Unternehmens- oder Marktanalyse arbeiten. Denn gerade in diesem Bereich gibt es viele Quereinsteiger, die beispielsweise eine Karriere in der Industrie hinter sich haben, von Hause aus Ingenieur, Physiker, Biologe oder Mathematiker sind und eben keinen finanzwirtschaftlichen Hintergrund haben. „Der Titel hat mir persönlich viel gebracht, weil er einen sehr breiten Einblick gibt und dazu führt, dass man sich auch mit anderen Wertpapiergattungen intensiv beschäftigt“, sagt Markus Reinwand, der die Aktienstrategie der Helaba verantwortet. Er selbst hat Volkswirtschaftslehre studiert, vor rund drei Jahren die Prüfungen zum CFA abgeschlossen und ist seit dem Jahr 2000 im Geschäft.

          Nicht selten schaffen die Banken Anreize zum Bestehen der Prüfung. Die amerikanische Bank Goldman Sachs etwa bezahlt ihren Mitarbeitern den Titel - vorausgesetzt, er wurde bestanden. Die Summen, um die es dabei geht, können, je nachdem, ob der Absolvent das Vorbereitungsmaterial kauft und sich autodidaktisch auf die Klausuren vorbereitet oder ob er an eigens dafür angebotenen Unterrichtsveranstaltungen teilnimmt, schon einmal mehrere tausend Dollar, Euro oder Pfund betragen.

          Wer alle Prüfungen bestanden hat, darf den Titel CFA offiziell tragen. Im Alltag halten die Inhaber damit auch nicht hinter dem Berg; die Abkürzung CFA steht häufig auf Visitenkarten, Unternehmens- oder Branchenstudien oder Marktkommentaren unmittelbar hinter dem Namen. Nach Angaben des CFA-Instituts - das ist die Vereinigung, die den Titel anbietet und verleiht - arbeiten derzeit rund 90 000 CFAs in 130 Ländern. Wer CFA ist, gehört auch der Vereinigung an und zahlt dafür einen Mitgliedsbeitrag. Dafür ist er aufgenommen in ein internationales Netzwerk von Investmentspezialisten, das ursprünglich bis ins Jahr 1947 zurückgeht. Die Finanzkrise hat das Verlangen nach einer qualifizierten, nachweisbaren und vergleichbaren Ausbildung für all diejenigen, die an den Märkten engagiert sind, zudem eher größer als kleiner werden lassen.

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