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Butler : Der Alleskönner für die Millionäre

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Ganz alte Schule Bild: fotolia.com

Servieren und Gäste empfangen reicht schon lange nicht mehr: Butler sind Manager, Dolmetscher, Chauffeur, Bodyguard. Sie heißen nicht James, nicht Mortimer - aber noch immer schweigen sie wie ein Grab.

          Es gibt sie noch, zumindest im Fernsehen: die guten alten Butler, schwarz befrackt und weiß behandschuht, zurückhaltend-unsichtbar und doch immer zu Stelle. Zu Silvester erlebt stets James seinen Höhepunkt, dient seiner Miss Sophie immer wieder aufs Neue. Und dann gibt es da noch den ein oder anderen grauhaarigen Mortimer, pflichtbewusst und zugleich vornehm schauend, den englischen Adelsepen den letzten Hauch Authentizität gebend.

          Der Butler sei ein Relikt aus alten Zeiten, mag man meinen, höchstens noch im Buckingham Palace anzutreffen, dann, wenn Queen Elizabeth ihren Fünf-Uhr-Tee wünscht. Und doch: So ganz ohne Butler geht es nicht. Bei manchen Hotels sind sie bei Buchung einer Luxussuite im Preis mit inbegriffen, und auch manch ein Adliger oder Millionär von heute greift gerne auf einen der Luxusdiener zurück: der Butler als Statussymbol, das man sich auch etwas kosten lässt. Bis zu 6000 Euro im Monat bekommt ein Butler in Deutschland, in Amerika erhält er bis zu 8000 Euro, und in Dubai können es auch schon einmal 10000 Euro sein.

          Das sagt zumindest Carlheinz Schichl, der 1993 zusammen mit seiner Frau die "Agentur ohne Grenzen" gründete und seitdem weltweit Hauspersonal vermittelt. "Umsatzmillionäre, Prominente, Adlige und Industrielle greifen gerne auf einen Butler zurück. Und dann gibt es noch viele Neureiche, die anrufen. Aber das sind Spinner. Die denken, die brauchen einen Butler, und nach einem Jahr hat es sich wieder erledigt."

          Formvollendet aus dem Rolls Royce geholfen

          Der Markt ist klein

          Gerade im arabischen Raum und auch in Amerika seien Butler aus Deutschland aufgrund der ihnen nachgesagten Eigenschaften wie "typisch deutsche" Pingeligkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit gefragt. Aber der Markt ist klein. Lediglich rund zwanzig Anfragen erreichen Schichl jedes Jahr.

          Und den James oder Mortimer von einst, den wollen noch weniger. Den altehrwürdigen Butler suchen bei Schichl alljährlich vielleicht zwei bis drei Kunden. Nur in arabischen Ländern und in England ist er noch gefragt, bei Ihrer Hoheit, bei den Lords und ihren Ladys. So ist es auch durchaus kein Zufall, dass sich ausgerechnet in London die weltweit renommierteste Ausbildungsstätte für Butler befindet: die Ivor Spencer International School for Butler Administrators, Personal Assistants and Agency. Wer dort gelernt hat, der ist in der Tat ein Elitebutler. Ganz im klassischen Stil: die Zeitung bügeln, das silberne Tablett richtig halten und englische Vornehmheit zur Schau tragen.

          Eine deutsche Butlerschule gibt es nicht mehr

          Wen es nicht über den Ärmelkanal zu Ivor Spencer zieht, der kann die Kunst des Dienens in den Niederlanden lernen, stilecht in einem weißen Schloss. Ansonsten ruft die Ferne. Auch die Vereinigten Staaten, Australien und Südafrika haben für den Butlernachwuchs vorgesorgt. In Deutschland dagegen sieht es schlecht aus. Zwar gab es vor einigen Jahren eine International Butler Academy in Willich, die als Ausbildung den sogenannten "Butler 2000" anpries und es im Internet voller Glanz und Gloria noch immer tut. Doch der Geschäftsführer versucht sich mittlerweile bei McZahn und bei der Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg, die als Kooperationspartner der Butlerschule für Qualität garantieren sollte, heißt es lapidar: "Die Butlerschule gibt es leider nicht mehr."

          Doch das sollte den ambitionierten Butleranwärter nicht abhalten. Denn schließlich will heutzutage ja eh keiner mehr den klassischen Butler. Der Butler von heute ist eigentlich kein Butler mehr, sondern ein Alleskönner. "Die gehobene Klientel will Allrounder. Die müssen sich um alles kümmern. Der steife britische Butler ist nicht mehr gefragt", sagt Ute Meier, die in Schöneck bei Frankfurt die Vermittlungsagentur "Consulting Home & Garden" betreibt und deren Referenzliste sich wie das "Who's Who" liest: Bankiers, Vorstandsvorsitzende und Adlige, von der Familie Unseld-Berkéwicz über den Fürsten von Hohenzollern bis hin zur Familie Porsche. Doch auch der gut verdienende Mittelstand leistet sich Personal.

          Aufs gepflegte Äußere kommt es an

          Servieren und Gäste empfangen reiche schon lange nicht mehr, sagt Meier. Der Butler der Gegenwart ist Manager, Dolmetscher, persönlicher Assistent, Chauffeur, Hausmeister, Bodyguard und auch noch Gärtner. Und das mit absolut gepflegtem Äußeren. Butler sein heißt heutzutage Multitalent sein. Denn Personal als Statussymbol, um Gäste und Freunde zu beeindrucken - bitte gern, nur nicht mehr so viel. Der gute alte James würde sich da wahrscheinlich im Grabe umdrehen. Doch es hilft nichts.

          Disziplin, Organisationsvermögen und Fremdsprachenkenntnisse sind unabdingbar. Die wichtigsten Grundvoraussetzungen jedoch sind über die Jahrhunderte gleich geblieben: absolute Verschwiegenheit, Loyalität und Seriosität. "Ich höre nichts, ich sehe nichts, und ich sage nichts."

          Ohne gute Referenzen hilft aber auch Diskretion nicht weiter. Erfahrung in hochklassigen Hotels gehört neben perfekten Arbeitszeugnissen und einem einwandfreien Lebenslauf quasi zur Grundbedingung. "Quereinsteiger sind nicht gefragt, und die nehme ich auch nicht in die Kartei auf", sagt Meier. Und auch Schichl macht da nur eine Ausnahme: Bei ihm finden sich viele Exmilitärs.

          Ein Butler muss es im Blut haben zu dienen. 24 Stunden am Tag ist er für seine Herrschaften da, für eine eigene Familie ist meist keine Zeit. "Dafür aber gehört er ja fast zur Familie seines Auftraggebers", so Schichl. Wenn die Chemie nicht stimmt, dann ist der Butler fehl am Platz.

          Das ist wie bei einer Partnervermittlung. Wer es dann aber geschafft hat und ein moderner James bei einer mehr oder weniger modernen Miss Sophie geworden ist, der kann dann auch neben dem nicht zu verachtenden Gehalt das luxuriöse Ambiente genießen, als Reisebegleiter von einem Nobelort zum nächsten fliegen oder auf die meist gar nicht so bescheidenen Ferienanwesen achtgeben. Nur eines ist dann zu vermeiden: Sozialneid.

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