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BMW-Personalvorstand Caiña-Andree : „Wir holen junge Spanier nach München“

  • Aktualisiert am

Milagros Caiña-Andree Bild: Jan Roeder / F.A.Z.

Milagros Caiña-Andree ist seit einem Jahr Personalvorstand von BMW. Jetzt startet die Spanierin ein Pilotprojekt für arbeitssuchende Landsleute. Deutschland müsse ein Einwanderungsland werden, sagt sie.

          Frau Caiña-Andree, Sie sind als Vierjährige aus Galicien ins Sauerland gekommen, hatten als Gastarbeiterkind nicht gerade ideale Voraussetzungen für eine Managerkarriere. Heute sind Sie Personalvorstand von BMW. Wie geht das?

          Meine Eltern haben sehr darauf geachtet, dass ich in Deutschland schnell integriert werde, gleichzeitig aber meine spanischen Wurzeln, die spanische Kultur erhalten bleiben. Neben einer deutschen besuchte ich auch eine spanische Schule. Das hat mir geholfen und war damals in einer Kleinstadt im Sauerland keine Selbstverständlichkeit. In meinem Gymnasium waren unter 1000 Schülern nur zwei Ausländer. Am Anfang meiner Berufslaufbahn hat mir meine Zweisprachigkeit Chancen eröffnet. Und dann war sicherlich auch etwas Glück dabei.

          Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat in Madrid dafür geworben, 5000 spanische Jugendliche als Auszubildende nach Deutschland zu holen. Was halten Sie davon?

          Deutschland braucht Fachkräfte, schon heute gibt es Mangelqualifikationen. Den Ansatz von Frau von der Leyen, gezielt Zuwanderung zu fördern, finde ich richtig. Damit ist aber auch die Verantwortung verbunden, nicht nur Arbeitskräfte aus dem Ausland abzuwerben und dadurch insbesondere in Schwellenländern einen Braindrain zu verursachen. Die anderen Länder müssen auch einen Nutzen davon haben.

          Welchen denn?

          Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wir starten im September bei BMW ein Pilotprojekt, in dem wir 25 Spanier im Alter von 18 bis 25 Jahren nach München holen und sie hier ein Jahr lang ausbilden. Sie sollen in die deutsche Kultur eintauchen, womöglich auch bei einer BMW-Gastfamilie wohnen und bei uns in der Entwicklung, im Vertrieb, im Marketing oder einem anderen Bereich arbeiten. Danach können diese jungen Menschen wieder in ihre Heimat zurückgehen - oder hierbleiben. Solche Projekte könnten wir natürlich auch für Italiener oder Griechen anbieten. Wir möchten diesen Ländern, in denen wir ja auch unsere Autos verkaufen, etwas zurückgeben.

          Was sagen Sie als Spanierin, wie groß ist der Auswanderungsdruck in Ihrem Heimatland?

          Bewerbungen aus Europas Krisenländern haben insgesamt stark zugenommen. Viele kommen aus Spanien, aber auch aus Italien und Griechenland. Allein im vergangenen Jahr haben wir bei BMW in Deutschland über 4000 Bewerber eingestellt, davon kamen fast 700 aus dem Ausland, so viel wie nie zuvor.

          Bisher hält sich gerade der Zulauf von Akademikern in Grenzen.

          Nicht nur von Akademikern, auch von Facharbeitern. Deutschland hat sich bisher nicht als Einwanderungsland verstanden, das muss sich ändern. Es müssen sich aber auch die Rahmenbedingungen ändern, von leichteren Aufenthaltsgenehmigungen bis hin zur Anerkennung von Bildungsabschlüssen. Es ist gar nicht so trivial für einen Nicht-EU-Bürger, hier eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Als Unternehmen wollen wir diesen Wandel unterstützen, beispielsweise durch unser spanisches Pilotprojekt. Wir glauben, dass Bildung der Schlüssel zur Integration ist.

          Nach Berechnungen von Statistikern wird es schon 2025 rund 6 Millionen Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter geben. Was glauben Sie, wo liegt 2025 das Renteneintrittsalter?

          Das fällt mir schwer zu prognostizieren. Für BMW, und wir sind ja Spiegelbild der Gesellschaft, ist die demographische Entwicklung vorhersehbar: Bis zum Jahr 2020 steigt das Durchschnittsalter von heute 43 auf 46 Jahre und der Anteil der über Fünfzigjährigen steigt von 25 auf 45 Prozent. Fakt ist aber auch, dass wir schon heute sehr viele rüstige Rentner haben, die gar nicht zu Hause bleiben wollen.

          Sie planen also noch ein Pilotprojekt für rüstige Rentner...

          ...nein, aber wir wollen älteren Mitarbeitern ermöglichen, länger im Unternehmen zu arbeiten. Das setzt voraus, dass ihre Leistungsfähigkeit und auch ihre Motivation erhalten bleiben. Unser Programm „Heute für morgen“, in dem BMW den Auswirkungen des Alterungsprozesses in der Produktion entgegenwirkt, ist ein Beispiel. Schon heute ist ein Viertel der Produktionsarbeitsplätze altersgerecht gestaltet, und noch vor dem Jahr 2020 wird es jeder dieser Arbeitsplätze sein.

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