https://www.faz.net/-gyl-u86h

Bildungskooperation : Ingenieure nach Maß

  • -Aktualisiert am
Ein Werk auf der grünen Wiese lässt Ingenieure in Sibiu auf Arbeit hoffen

Dass das Programm als Förderprojekt für die Region erfolgversprechend ist, davon ist die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) überzeugt, die das Engagement von Conti mit finanziert. Die DEG ist ein Unternehmen der staatlichen KfW-Bankengruppe. Sie finanziert Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Labors an der Lucian-Blaga-Universität hat die DEG im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit 170 000 Euro aus Mitteln ihres PPP-Programms unterstützt, Conti hat nach DEG-Angaben 465 000 Euro dazugelegt. Üblicherweise stehen die drei Buchstaben für "public private partnership", doch es verwundert nicht, dass Uni-Rektor Oprean von einer "particularly profitable partnership" spricht - einer besonders ertragreichen. Die Universität sei schließlich nicht in der Lage, die Labors jährlich zu modernisieren, dafür sei das Geld im staatlich finanzierten Bildungssystem nicht vorhanden. Die Reform tue aber not. Bisher galt die Ausbildung der rumänischen Ingenieure als theoretisch, räumt er ein, heute verlange der Markt eine ausgewogene Balance zwischen Theorie und Praxis.

Gar nicht so profan

Diese auch zwischen den Vertragsparteien zu wahren, dafür hat Werner Schaal gesorgt. Der emeritierte Mathematik-Professor aus Marburg wurde im Jahr 2000 auf Bitten des rumänischen Bildungsministers Präsident der LBU - "eine Beraterfunktion", wie er sagt. Seit Monaten hatte er um Details des Vertrages zwischen Universität und Unternehmen gerungen. Es erwies sich als nicht so profan, dass eine Seite Geld gibt und die andere Seite bestimmte Lehrinhalte plus Weiterbildungsangebote garantiert. Schaal war die akademische Freiheit wichtig. Die Lehre sah er nie in Gefahr, weil die freiwilligen Conti-Spezial-Module in den Labors den verpflichtenden Rest nicht beeinträchtigen, wie er glaubt. Ein heikleres Thema seien Arbeiten von Diplomanden und Doktoranden gewesen. Was, wenn Conti ein Forschungsergebnis für sich behalten wollte, statt es öffentlich - und damit der Konkurrenz zugänglich - zu machen?

Das sei nun aber geklärt: Themen müssen zwischen Doktorvater und Unternehmen abgesprochen werden, dann darf auch veröffentlicht werden. Schaal ist überzeugt, dass sich die Professoren in Sibiu nicht lächerlich machen wollen. Schon deshalb würden sie keine trivialen Auftragsarbeiten annehmen. Schaal, der auch schon mit Siemens die Förderung von Doktorandenstellen ausgehandelt hat, beschreibt Conti als großzügig. "Die lassen mit sich reden."

Neue Chancen für die Studenten

Kein Wunder, geht es doch um langfristige Beziehungen. Osteuropa spielt eine zentrale Rolle in Contis Wachstumsstrategie. 1000 Angestellte sollen es in Sibiu einmal werden. Das sind neue Chancen für die Studenten, denen es egal sein kann, ob sich Sattelbergers PR-Konzept von der "Continental University" in den Köpfen durchsetzt. Dieser Name geht LBU-Präsident Schaal zu weit. Die Lucian-Blaga-Universität sei lediglich Teil eines Netzwerks von Hochschulen, an denen sich Conti engagiert: Manila, Mexiko, Sibiu.

Dort ist es noch nicht lange her, als Vertreter amerikanischer und kanadischer Unternehmen auf die Absolventen lauerten. Sie hatten Arbeitspapiere und Visa dabei, nur ein Name musste noch eingetragen werden - eine schwer erträgliche Abwanderung von Fachkräften ins Ausland. Heute hat sich das Blatt gewendet. Conti sucht in diesem Jahr zusätzlich zu seinen 7000 Ingenieuren 1400 weitere weltweit. Professor Mihu ist sicher, wenigstens einen Teil dieses Hungers stillen zu können. Von Ausreise in ein besseres Land müsse in Rumänien nicht mehr die Rede sein. Er deutet auf das Werk der Deutschen draußen auf der grünen Wiese. "Europa ist hier", sagt er, "gleich neben dem Flughafen."

Weitere Themen

Topmeldungen

Roboter und Algorithmen übernehmen immer mehr unserer Arbeit, deswegen muss sich auch die Art der Altersversorgung ändern.

Die DigiRente : Neue Altersvorsorge für die digitale Ära

Wie die Menschen beim Einkaufen zu Anteilseignern digitaler Maschinen und Algorithmen werden und damit sinnvoll Altersvorsorge betreiben und Vermögen bilden können. Ein Gastbeitrag.

1:0 gegen Hoffenheim : Hintereggers Blitztor reicht der Eintracht

Nach 36 Sekunden führte die Eintracht 1:0. Und nach 90 Minuten ebenfalls. Beim Bundesliga-Auftaktsieg gegen Hoffenheim vergibt die Eintracht viele Chancen auf einen höheren Sieg. Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder verliert beim Bundesligadebüt.

„Tatort“ aus Dresden : Echte Kommissarinnen stehen zusammen

Ein spektakuläres Verbrechen, ein Chef, dem die Nerven durchgehen, und zwei Ermittlerinnen mit Durchblick: Das neue Team des „Tatorts“ aus Dresden wird sich so rasant einig, dass man nur staunen kann.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.