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Bildungsinitiative : Forscherfieber im Kindergarten

So wird Zucker bunt: Experiment im Haus der kleinen Forscher Bild: dpa

Auf der Suche nach dem Nachwuchs engagieren sich manche Unternehmen schon im Kindergarten. Das freut auch die Pädagogen.

          Der Lukaskindergarten in Worms sieht auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Kindergarten aus: Ein einstöckiges Gebäude zieht sich an der Straße entlang; die großen Fenster sind von Kinderzeichnungen übersät. Doch neben dem Eingang gibt es schon den ersten Hinweis auf den Krankheitserreger, der in dieser Einrichtung grassieren soll. "Haus der kleinen Forscher" steht da geschrieben. "Wir haben das Forschervirus", hatte Leiterin Birgit Kissel schon am Telefon gewarnt, und tatsächlich kann man in einem Raum im Untergeschoss des Kindergartens Kinder entdecken, bei denen das Virus schon ausgebrochen ist. Ganz offensichtlich haben sie das Forscherfieber.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Wie jeden Mittwoch ist im Lukaskindergarten Forschertag. Chantal, Melissa, Halenur und David sitzen um einen niedrigen Tisch. Darauf liegen eine Glasschüssel, ein Trichter, ein Strohhalm und ein dünner Plastikschlauch, daneben stehen ein großes Glas, eine Plastikflasche und eine mit Wasser gefüllte Kanne. In der nächsten Stunde werden die vier Kinder lernen, wie man das Wasser durch den Trichter in die Plastikflasche füllt und wie man ein Stück Strohhalm als Mundstück auf den Schlauch setzt. Dann werden sie das eine Ende des Schlauchs in die Flasche tauchen, die auf der umgedrehten Schüssel steht, an dem anderen Ende werden sie zuerst saugen und es dann in das große Glas halten.

          „Na, läuft's Wasser den Berg hoch?“

          Wenn dann das Wasser aus der Flasche durch den nach oben geschwungenen Schlauch in das Glas läuft, wird Birgit Kissel die Frage, die sie zu Beginn des Experiments gestellt hat, wiederholen: "Na, läuft's Wasser den Berg hoch?" Und die Kinder werden ungläubig schauen, die Frage dann aber bejahen. Dann wird jedes der Kinder das Experiment wiederholen. Diesmal wird Apfelsaft den Berg hochlaufen, nachher dürfen die Kinder ihn trinken.

          Trockeneis und warmes Wasser: Kinder sind leicht zu bgeistern

          Um dieses und viele andere Experimente zu den Themen Wasser, Luft, Sprudelgase, Licht und Farben fachlich fundiert durchführen zu können, haben sich einige Erzieherinnen des Lukaskindergartens vom "Haus der kleinen Forscher" schulen lassen. Diese Bildungsinitiative mit Sitz in Berlin gibt es seit gut zwei Jahren. Finanziert wird sie vor allem vom Bundesforschungsministerium, aber auch vom Technikkonzern Siemens, dem Beratungsunternehmen McKinsey und der Stiftung des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp. Sie alle wollen Technik und Naturwissenschaften im Alltag möglichst vieler Kindertagesstätten dauerhaft verankern. Deshalb werden Erzieherinnen eingeladen, in Fortbildungsveranstaltungen die kindgerechte Vermittlung dieser Themen zu lernen; die detaillierten Beschreibungen aller bisher entwickelten Experimente bekommen sie kostenlos dazu.

          6000 Erzieherinnen aus 3000 Einrichtungen geschult

          Der Lukaskindergarten war einer der ersten Kindergärten, der mit der Initiative zusammengearbeitet hat. Seitdem sind viele hinzugekommen, wie der Pressesprecher der Initiative, Mirko Poltier, berichtet. Bisher seien rund 6000 Erzieherinnen aus 3000 Einrichtungen geschult worden, mehr als 160 000 Kinder würden über sie erreicht. Bis Ende 2010 sollen 15 000 der 48 000 Kindertagesstätten in Deutschland dazu motiviert worden sein, sich mit naturwissenschaftlichen und technischen Fragen regelmäßig auseinanderzusetzen. "Das werden wir gut schaffen", sagt Poltier. "Wir bekommen so viele Anfragen, dass wir die Einrichtungen gar nicht aktiv ansprechen müssen. Es geht um wie ein Lauffeuer."

          Das erfreut zum einen die Bildungspolitiker, die die positiven Auswirkungen der technisch-naturwissenschaftlichen Bildung schon auf kleine Kinder erkannt haben und sie in den Bildungsplänen der Länder festgeschrieben haben. Das erfreut aber auch die Unternehmen, die sich um ihren Ingenieurnachwuchs sorgen. Deshalb hoffen sie, schon in dem einen oder anderen Sandkasten-Ingenieur ein nachhaltiges Interesse an einem technischen Beruf wecken zu können.

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